zur Navigation zum Inhalt
 
20. Jänner 2006

Aktueller Stand von Diagnostik und Therapie

Bericht über die Frühjahrstagung der ÖGR im Rahmen des 10. Rheumasymposiums. Von OA Dr. Irene Stuby, Linz*

Bei für Anfang Februar überraschend frühlingshaftem Wetter wurde die Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR) heuer erstmalig in Linz abgehalten. Sie wurde mit der Jubiläumsveranstaltung, dem 10. Rheumasymposium der 2. Medizinischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses Linz, zusammengelegt. Bei ausgezeichnetem Besuch der Veranstaltung dankte der Präsident der ÖGR, Prim. Doz. Dr. Attila Dunky, in seiner Begrüßungsansprache den Veranstaltern für die gelungene Programmzusammenstellung und die Tatsache, dass Persönlichkeiten der führenden rheumatologischen universitären Einrichtungen nach Linz gebracht werden konnten. Die erste Sitzung des Morgens stand unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Josef Smolen, dem derzeitigen Präsidenten der EULAR, und Prof. Dr. Georg Biesenbach, Leiter der 2. Medizinischen Abteilung des AKH Linz.

Knorpelschäden aus orthopädischer Sicht

OA Dr. Vinzenz Auersperg, Orthopädische Abteilung des AKH Linz, brachte einen umfassenden Überblick über Struktur und die pathophysiologischen Vorgänge im Knorpel bei Arthrose und Arthritis. Der günstigen Beeinflussung der Knorpelbiosynthese durch zyk-lisch-dynamische Belastung (wie beispielsweise beim Radfahren) wurden die negativen Auswirkungen einer statischen Kompressionsbelastung (zum Beispiel durch Übergewicht) auf die Matrixmolekülsynthese des Knorpels gegenübergestellt. Die an der Oberfläche und in der Tiefe entstehenden Knorpelrisse führen unter Vermittlung entzündungsaktiver Mediatoren (zum Beispiel Metalloproteasen) zu Knorpel-erosionen. Therapeutisch stehen neben einer „nicht-chirurgischen Knorpelreparatur“ durch Entlastung, physiotherapeutische Maßnahmen und medikamentöse lokale und systemische Therapie auch eine „chirurgische Knorpelreparatur“ zur Verfügung.
Neben klassischen orthopädischen Operationsverfahren wie der retrograden Bohrung bei Osteochondrosis dissecans und der Pridie-Bohrung finden zunehmend Mosaik-Plastiken aus Knorpel-Knochenzylindern und autologe Chondrozyten-Transplantation (Hyalograft) zur Füllung begrenzter Knorpeldefekte ihre Anwendung. Bei entsprechender Indikationsstellung gelingt damit eine gegenüber dem wenig belastbaren spontanen Faserknorpelersatz ein funktionell besseres Ergebnis.

Labordiagnostik: Sinnvolles für Diagnostik und Therapiekontrolle

Prof. DDr. Manfred Herold, Leiter der Rheuma-Ambulanz an der Universitätsklinik Innsbruck, wies in seinem Vortrag auf die Wichtigkeit von wenigen, an der klinischen Fragestellung orientierten Laboruntersuchungen hin. Einfache Untersuchungen, wie BSG, CRP, Blutbild, Harnstatus und Harnsäure tragen bei den meisten Patienten mit rheumatischen Beschwerden mehr zur differenzialdiagnostischen Klärung bei als ein „breites Rheumalabor“ mit einer großen Zahl von oft nicht erforderlichen Spezialuntersuchungen. Die Schwierigkeit der Interpretation eines positiven Resultats, beispielsweise ein gering bis mäßig erhöhter Rheumafaktor oder positive antinukleäre Antikörper, wurde ebenso diskutiert wie die Wertigkeit neuerer Laborparameter. Während Herold wenig klinischen Nutzen in der Bestimmung der Cartilage Oligomeric Matrix Proteins (COMP) bei Arthrose sah, hob er die Bedeutung des für die chronische Polyarthritis hochspezifischen Antikörpers gegen Citrullin (CCP) vor allem in der Frühdiagnose hervor.

Therapie entzündlicher rheumatischer Erkrankungen - Standortbestimmung und Ausblick

Nach der lebendigen und für den klinischen Alltag relevanten Präsentation eines Falles von Löfgren-Syndrom bot Prof. Dr. Josef Smolen in seinem Vortrag einen großartigen Überblick über die Ergebnisse sämtlicher relevanter Studien im Hinblick auf die Effektivität verschiedener Basistherapeutika, vor allem Methotrexat und die aktuellen Biologicals in der Indikation der chronischen Polyarthritis. Durch Gegenüberstellung und Vergleich der Ergebnisse hinsichtlich verschiedener Outcome-Parameter gelang es ihm, die Wichtigkeit der derzeit propagierten frühen und intensiven medikamentösen Intervention bei chronischer Polyarthritis zu belegen. Positive Ergebnisse auf die Krankheitsprogression können durch eine frühe und ausreichende medikamentöse Kontrolle des Entzündungsvorganges und, vor allem für die Spätmorbidität entscheidend, durch die Hemmung der radiologischen Progression nur im Rahmen von Kombinationstherapien erreicht werden. Smolen hob die zentrale Stellung einer hochdosierten (30 mg/Woche) Methotrexattherapie hervor, verwies aber darauf, dass mit einer Monotherapie das Erreichen einer Remission der Erkrankung kaum zu erreichen sei. Als derzeit effektivstes Instrumentarium in der Behandlung der chronischen Polyarthritis wird von Smolen die Kombination von TNF-alpha-Blockern mit Methotrexat angesehen.

Nach angeregten Diskussionen, die sich bis in die Pause hinein erstreckten, wurde der zweite Teil der Veranstaltung unter dem Vorsitz des Präsidenten der ÖGR, Prim. Doz. Dr. Attila Dunky und dem ehemaligen Leiter der 2. Medizinischen Abteilung im AKH Linz, Prof. Dr. Jan Zazgornik, mit einem Vortrag von Dr. Ulrike Stuby, Leiterin der Rheumaambulanz im AKH Linz über Notfälle in der Rheumatologie begonnen

Deutliche Vorteile durch innovative Bildgebung

Nach einem weiteren Fallbericht über akutes Nierenversagen im Rahmen einer Lupusnephritis bei bisher nicht diagnostiziertem SLE aus dem AKH Linz berichtete Prof. Dr. Michael Schirmer von der Medizinischen Universitätsklinik Innsbruck über die bisherigen Erfahrungen mit den aktuellen bildgebenden diagnostischen Methoden, die derzeit in der Rheumatologie zur Anwendung kommen. Mittels farbcodierter Dopplersonographie können Entzündungsvorgänge in der Synovia dargestellt, quantifiziert und durch zusätzliche Gabe von Ultraschall geeigneten Kontrastmitteln die Qualität der Darstellung weiter verbessert werden. Die Vorteile liegen laut Schirmer neben der bekannten beliebigen Wiederholbarkeit durch absolute Strahlenfreiheit und der Möglichkeit der dynamischen funktionellen Untersuchung nun auch in der quantifizierbaren Darstellung von Entzündungsvorgängen im Gelenk. Auch Knochen-erosionen, für die Diagnose der chronischen Polayrthritis mitentscheidend, seien sonographisch wesentlich früher darstellbar als in der konventionellen Radiographie. Selbst ein schwieriges Gelenk wie das Sakroiliakalgelenk wird nach Innsbrucker Erfahrungen diagnostisch zugänglich.

Weiterer Vorteil: Im Gegensatz zur MRI können mehrere Gelenke in einem Untersuchungsgang sonographisch untersucht werden. Die 18-Fluordesoxyglucose-Positronen-Emissions-Tomographie (18FDG-PET) wurde als eine neue nuklearmedizinische Untersuchung, die den erhöhten Glukosemetabolismus tumoröser und entzündeter Gewebe zur Darstellung bringt, vorgestellt. Neben dem etablierten Einsatz in der Onkologie gibt es bereits eine Reihe von rheumatologischen Fragestellungen, die mit Hilfe dieser Untersuchung zu klären sind. Im Vordergrund steht die Diagnostik entzündlicher Gefäßveränderungen im Rahmen von Vaskulitiden, für die bisher eine invasive radiologische Diagnostik notwendig war. Gefäßbeteiligungen bei zum Beispiel Polymyalgia rheumatica können so differenziert werden.

Therapie des M. Bechterew – ein Lichtstreif am Horizont

Zum Abschluss des reichhaltigen Vormittagsprogrammes stellte Prof. Dr. Winfried Graninger, Leiter der Abteilung für Rheumatologie an der Universitätsklinik in Graz, den Morbus Bechterew ins Zentrum seiner Betrachtungen über Möglichkeiten und Sinn therapeutischer Interventionen. Obwohl eine große Zahl von Bechterew-Patienten mit einer konventionellen symp-tomorientierten NSAR-Therapie das Auslangen finden würde, scheint die Akzeptanz einer Dauermedikation bei dieser Patientengruppe eher gering. Das Therapieziel Schmerzfreiheit ließe sich mit den bisherigen therapeutischen Möglichkeiten zumeist gut erreichen.

Einen entscheidenden Einfluss auf die Versteifungsprozesse der Wirbelsäule scheinen NSAR aber nicht zu haben. Hierauf scheinen nach vorläufigen Ergebnissen aus den bisherigen Studien die TNF-alpha-Blocker (derzeit in der Indikationen Morbus Bechterew zugelassen sind Infliximab und Etanercept) einen möglichen Ansatz zu finden. Auch gelingt mit ihnen bei einem Großteil der Patienten (Ansprechraten über 70 bis 80 Prozent) eine effektive Kontrolle der meisten Symptome, wie Schmerzen, Steifigkeitsgefühl und Müdigkeit, messbar mit Outcome-Parametern wie zum Beispiel BASDAI und BASFI. Um über das Ausmaß der Beeinflussung des Langzeitverlaufs (funktionell wie radiologisch) eine klare Aussage treffen zu können, so Graninger, müssten die Ergebnisse der Langzeitstudien abgewartet werden.

*) Frühjahrstagung der ÖGR im Rahmen des 10. Rheumasymposiums, veranstaltet von der 2. Medi-zinischen Abteilung des AKH, Linz am 7. Februar 2004 im MED Ausbildungszentrum des Allgemeinen Krankenhauses Linz.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben