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5. August 2005

Die "unspezifischen" Wirbelsäulenerkrankungen

Die als "unspezifisch" zusammengefassten Schmerzsyndrome im Wirbelsäulenbereich sind diagnostisch schwer einzuordnen, weil es keine als Verursacher fassbaren morphologischen Substrate gibt. "Die Beschwerden müssen als von Schmerzrezeptoren perzipierte Fehlfunktionen aufgefasst werden", erläuterte Prof. Dr. Hans Tilscher , Ludwig Boltzmann Institut und Orthopädisches Spital Speising, beim 10. Jahrestag der Österreichischen Schmerzgesellschaft.

Die Untersuchung erfolgt mittels einer Kombination von manueller Diagnostik mit den neueren Möglichkeiten der Funktionsuntersuchung. Die ärztliche Hand kann vor allem Tonus- und Strukturveränderungen, thermische Phänomene sowie Beweglichkeits- und Bewegungsveränderungen feststellen. Auch Muskelkraft und Sensibilität werden beurteilt. Die Palpationsregel lautet: Bewegliches soll mit ruhendem Finger, Starres mit beweglichem Finger untersucht werden. Diese klinischen Techniken müssen gelernt, geübt, immer wieder angewendet und kritisch überprüft werden - schwierig, weil in den Krankenhäusern meist Patienten mit spezifischen Veränderungen vorgestellt werden. Ziel der Untersuchung ist jedenfalls die Fahndung nach pathologischen Befunden ebenso wie deren Wirkung, Reihung und Verarbeitung.

Eine Kombination der manuellen Untersuchung mit Röntgenaufnahmen in speziellen Lagerungen empfahl Dr. Elfriede Graf, LBI für konservative Orthopädie und GZ Wien-Süd. Da das Nativ-Röntgen etwa bei einem schmerzhaften Lumbalsyndrom oft keine signifikante Pathomorphologie zeigt, ergibt sich als optimale Dokumentationsmöglichkeit oft die Lagerung des Patienten in entspannter Rückenlage, Lordose- oder Kyphose-Stellung. Segmentbeweglichkeit, Instabilität oder Blockierung können sowohl im Rahmen der Primärdiagnostik als auch als Verlaufsbeobachtung verwendet werden.

Als eine therapeutische Konsequenz dieser Untersuchungsverfahren empfahl Dr. Hermann Tlusteck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin, Dessau, die "Pathogenetische Aktualitätsdiagnostik" nach Guttmann, um die wichtigste Störung in der pathogenetischen Kette festzustellen. Die verfügbaren Behandlungsformen - Weichteiltechniken, Mobilisation, Manipulation, muskuläre und physiotherapeutische Verfahren - können danach sinnvoll und ökonomisch eingesetzt werden. 

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