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5. August 2005

Reiseapotheke für Schmerzkranke

Viele Kranke mit chronischen Schmerzen trauen sich nicht, in Urlaub zu fahren. Sie haben Angst, allein der Reisestress könnte eine Migräne-Attacke hervorrufen, oder sie würden wegen ihrer Kreuzschmerzen eine längere Bus- oder Flugreise gar nicht durchhalten. Und wer unter Opioid-Therapie steht, ist schon froh, schmerzfrei zu sein, und denkt oft gar nicht ans Reisen. Doch alle Schmerz-Kranken sind reisefähig. Es gilt nur, einiges zu beachten.

Reise möglichst gut vorbereiten

Zum Beispiel sollten die Reisen mit Hilfe des Reisebüros so gut wie möglich vorbereitet werden, damit sie wirklich stressfrei ablaufen. Denn gerade Schmerzkranke sollten jede zusätzliche Belastung meiden. Keine Experimente sollten mit der Schmerzmedikation gemacht werden. Manche denken, im Urlaub könnte man zum Beispiel weniger Medikamente nehmen. Ganz im Gegenteil: Es macht Sinn, die Grundmedikation dann zu erhöhen. Vor allem deshalb, weil das ganze übrige Therapiespektrum wegfällt. Denn im Urlaub gibt es meist keine Physio- oder Psychotherapie, keine Akupunktur oder therapeutische Lokalanästhesie, die medikamentöse Therapie muss ausreichen. Wichtig ist auch, die Medikamente im Handgepäck dabei zu haben.

Schmerzkranke, denen die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) gut hilft, sollten ein kleines Gerät mit auf Reisen nehmen. Auf Flugreisen sollte das Gerät im Gepäck eingecheckt werden. Allerdings kann es auf langen Flugreisen sinnvoll sein, ab und zu das Gerät zu benutzen. Das sollte vorher mit der Fluggesellschaft abgeklärt werden, obwohl die Geräte keinerlei Strahlung abgeben. Patienten, die in heiße Länder reisen, müssen vorab darauf hingewiesen werden, dass sie beim TENS-Gerät mit einer geringeren Stromintensität auskommen als zu Hause, denn schweißfeuchte Haut leitet besser als trockene. 

Die TENS-Geräte selbst halten auch nicht allen klimatischen Bedingungen stand. Bei Temperaturen über 40 Grad und relativer Luftfeuchtigkeit über 90 Prozent wird es kritisch. In heißen Ländern halten auch die Elektroden, vor allem die selbstklebenden, nicht so lange wie zu Hause. Es ist also wichtig, Ersatzelektroden, - batterien, -gel und -pflaster mitzunehmen. Auch Patienten, die wegen ihrer starken Schmerzen mit Opioidanalgetika behandelt werden, können natürlich reisen. Allerdings sind für Bürokraten Opioide keine Medikamente wie andere, hier gibt es genaue Vorschriften, wenn die Reise ins Ausland führt. Im Schengener Abkommen heißt es zum Beispiel, dass ärztlich verschriebene Betäubungsmittel mitgeführt werden können, "wenn eine behördlich ausgestellte oder beglaubigte Bescheinigung" vorliegt. Diese Bescheinigungen müssen vom verschreibenden Arzt ausgestellt werden. 

Tipps für die Urlaubsplanung

n Im Urlaub sollte nicht nur auf ein Schmerzmedikament in oraler Form gesetzt werden. Den Patienten sollen auch "Ausweichmöglichkeiten" wie Zäpfchen, Spritzen, Nasensprays mitgegeben werden, die sie nehmen können, wenn es zu Reisediarrhoe und Erbrechen kommt. Für die Spritzen sollte man sicherheitshalber eine ärztliche Bescheinigung für den Zoll mitgeben. 

  • Migräne-Patienten müssen auch im Urlaub ihren normalen geregelten Tagesrhythmus einhalten. 
  • Wer Rücken- oder Kreuzschmerzen hat, sollte im Urlaub nicht auf den Nierengurt verzichten, vor allem in heißen und feuchten
    Ländern.
  • Rückenschmerz-Patienten können Probleme mit Hotelbetten bekommen: notfalls kann man die Matratze auf den Boden legen. Wer sehr empfindlich ist, kann eine Campingmatte mitnehmen. Patienten mit Nackenschmerzen sollten ein Kunststoff- oder Campingkissen dabei haben. 
  • Patienten, die Opioidanalgetika nehmen, sollten sich bei Zeitverschiebung am besten sofort auf den Tagesrhythmus am Ort einstellen und Übergangsprobleme mit niedriger dosierten Präparaten, etwa Tropfen, überbrücken.

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