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5. August 2005

Palliativmedizin: Lebensqualität bis zuletzt

70 Prozent aller Krebspatienten leiden an Schmerzen, bei mehr als 95 Prozent von ihnen ist eine Linderung ihres Leidens durch den gezielten Einsatz von modernen Schmerzmitteln möglich. Für sie und andere Patienten mit quälenden Schmerzen ist die Palliativmedizin durch Spezialisten verschiedener Fachrichtungen von höchster Bedeutung. 
OA Dr. Michaela Werni von der Station für Palliativmedizin an der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin (Vorstand: Prof. Dr. Sylvia Schwarz) im Krankenhaus Lainz erläuterte anlässlich der 10. Jahrestagung der Österreichischen Schmerzgesellschaft den Stellenwert der Palliativmedizin. 

"Sie ist die umfassende und ganzheitliche Betreuung von Patienten mit begrenzter Lebenserwartung, die an einer nicht und weit fortgeschrittenen Erkrankung leiden. Ziel der Betreuung ist die Erhaltung der Lebensqualität bis zuletzt durch schmerzlindernde Therapie, wobei die psychosozialen und spirituellen Bedürfnisse des Patienten und seiner Angehörigen berücksichtigt werden." Das Angebot einer Palliativstation ist in erster Linie für Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung oder mit neuromuskulären Erkrankungen gedacht. Im Vordergrund der umfassenden Betreuung stehen eine effiziente Schmerztherapie, die Behandlung von quälenden Symptomen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, offene Wunden und die Bewältigung von seelischen und sozialen Problemen, um auch den Schwerkranken ein Leben in Würde zu gewährleisten. 

Werni: "Im Sinne einer gelebten Patientenautonomie werden Wünsche und Bedürfnisse des unheilbar kranken Menschen in den Mittelpunkt der Betreuung gestellt. Individuell vereinbarte Aufnahme- und Entlassungsmodalitäten und die enge Kooperation mit niedergelassenen Ärzten, den sozialen Stützpunkten und den Mobilen Hospizdiensten machen es möglich, dass der Betroffene seine letzte Lebensphase oftmals zu Hause in vertrauter Umgebung verbringen kann. Angehörige werden in die Betreuung der Patienten miteinbezogen. Besuche sind rund um die Uhr möglich, Familienmitglieder werden in ihrer oft schwierigen Situation beraten und unterstützt, sowohl während des stationären Aufenthalts als auch im Rahmen der Entlassung oder beim Tod des Patienten. Auf Wunsch werden die Hinterbliebenen auch in ihrer Trauer begleitet, entweder in Form von Einzelgesprächen oder im Rahmen von Trauergruppen. 

Derzeit gibt es in Österreich nur wenige Palliativ/Hospizeinrichtungen, zudem fehlt für sie bisher eine einheitliche finanzielle Regelung. Im österreichischen Krankenanstaltenplan 2001 sind für ganz Österreich 275 Palliativbetten zur Betreuung unheilbar kranker Patienten festgelegt. In einigen Ländern ist die Palliativmedizin ein etabliertes Fach mit einem eigenen Lehrstuhl, zum Beispiel in Kanada, Australien, Norwegen, Großbritannien und Deutschland. In Österreich werden derzeit von verschiedenen Organisationen Palliativkurse von unterschiedlicher Qualität und unterschiedlichen Ausbildungsinhalten angeboten, eine standardisierte Aus- und Weiterbildung für Ärzte gibt es aber nicht. 

Die Österreichische Palliativgesellschaft (OPG) hat als multiprofessionelle und interdisziplinäre Fachgesellschaft Vorschläge zur Standardisierung der ärztlichen Weiterbildung erarbeitet, die seit zwei Jahren mit der Österreichischen Ärztekammer verhandelt werden. Die Gesellschaft strebt zunächst die Schaffung eines ÖÄK-Diploms "Palliativmedizin" und in weiterer Folge die Einrichtung eines universitären Lehrstuhls für Palliativmedizin an. 

PK der ÖSG/HN, Ärzte Woche 34/2002

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