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5. August 2005

Möglichkeiten der transkutanen elektrischen Nervenstimulation

Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine niederfrequente Elektrotherapie. Angewendet wird sie bereits seit Jahrtausenden: Schon in der ägyptischen Kultur kamen Fische, die elektrische Impulse abgeben (z.B. Zitterrochen), in der Schmerztherapie zum Einsatz.

Elektrostromtherapie

Ungefähr seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erfuhr die Elektrostromtherapie eine größere Verbreitung. Die Wirksamkeit des Verfahrens wurde und wird dabei kontrovers beurteilt. In den letzten 20 bis 25 Jahren war - bedingt durch die Entwicklung tragbarer Geräte - eine starke Zunahme des Einsatzes zu beobachten.

Ziel einer TENS-Behandlung ist die Unterdrückung akuter und chronischer Schmerzen, die Verbesserung der Durchblutung sowie eine Muskelentspannung. TENS wird etwa in der konservativen Orthopädie, bei neurologisch bedingten Schmerzen und in der Zahnheilkunde eingesetzt. Für OA Dr. Irene Roniger, Abteilung für konservative Orthopädie und Schmerztherapie, Speising, liegt der Vorteil in der Heimbehandlung des Patienten: "Einerseits ist dadurch eine regelmäßige Anwendung gegeben, andererseits kann so die Eigenverantwortlichkeit gefördert werden."

Der Wirkungsmechanismus der TENS ist bisher nicht völlig geklärt. Laut der 1965 erstmals publizierten Gate-Control-Theorie wird durch die Erregung peripherer Afferenzen der Zufluss nozizeptiver Impulse auf der Rückenmarksebene und somit auch die Weiterleitung zum Gehirn eingeschränkt. Darüber hinaus dürfte auch die Freisetzung von Endorphinen eine Rolle spielen.

Häufig wird die hochfrequente Stimulation als "echte" TENS bezeichnet, die niederfrequente als "akupunkturähnliche" TENS (ALTENS). Im hochfrequenten Bereich (50-150 Hz) kommt es zu der erwähnten segmentalen spinalen Hemmung durch die kompetitiven Impulse von afferenten Nervenfasern. Bei dieser Form der Stimulation wird zumeist mit geringer Intensität gearbeitet. Die niederfrequente Stimulation (1-10 Hz) bewirkt eine Ausschüttung opioider Substanzen. Es wird eine höhere Intensität benötigt. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich nach wie vor Kontroversen darüber, welche Bedeutung Frequenz, Stromstärke und Impulsdauer bei der Schmerzbehandlung haben. Im Allgemeinen werden für chronische Erkrankungen eher niedrige Frequenzen, für akute Zustände höhere Frequenzen verwendet.

Cave Herzschrittmacher!

Für das Anlegen der Elektroden existieren verschiedene Möglichkeiten, z.B. direkt über dem Schmerzgebiet oder über Akupunkturpunkten. Die Elektroden sollten nicht auf irritierten Hautstellen oder Wunden platziert werden. Kontraindiziert ist die TENS unter anderem bei Patienten mit Herzschrittmachern und Herz-Rhythmus-Störungen sowie bei Schwangeren. An Nebenwirkungen treten vor allem Überstimulationssyndrome mit ev. Schmerzverstärkung und Hautirritationen auf.

Auch die evidenzbasierte Medizin hat sich in den letzten Jahren mit der TENS beschäftigt. So wurde etwa ein Cochrane-Review über "TENS and ALTENS for chronic low back pain" veröffentlicht. Die Analyse kam zu dem Schluss, dass es nur wenige Studien mit entsprechender Qualität (randomisiert, plazebokontrolliert) gibt. In diesen bewirkte TENS/ALTENS unter anderem eine Verringerung der Schmerzen. Eine größere Untersuchung sei nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen, so die Reviewer. Roniger: "Bei uns an der Abteilung wird TENS bei chronischen Wirbelsäulenbeschwerden eingesetzt, wenn bei Abschluss des stationären Aufenthalts noch Restbeschwerden vorliegen."

Evidence based Medicine

Ein weiterer Cochrane-Review - durchgeführt von Forschern des Ottawa General Hospital - beschäftigte sich mit der Anwendung von TENS bei der Osteoarthritis des Kniegelenks (Osiri M. et al.: "Transcutaneous electrical nerve stimulation for knee osteoarthritis": www.update-software.com/abstracts/ab002823.htm). Für die Analyse standen lediglich sieben Untersuchungen mit knapp 300 Versuchspersonen zur Verfügung. Bei sechs Studien war TENS zum Einsatz gekommen, bei einer ALTENS. Die beiden Verfahren waren signifikant wirksamer als die Plazebotherapie. Dies betraf sowohl die Schmerzreduktion als auch die Gelenksbeweglichkeit. "Allerdings sind zusätzliche Studien mit gutem Design, standardisiertem Protokoll und adäquater Zahl an Studienteilnehmern nötig, um endgültige Schlussfolgerungen treffen zu können", so die kanadischen Wissenschafter.

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