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5. August 2005

Therapiepalette gegen "Kreuzweh"

In einer groß angelegten Demoskopie klagten 30 Prozent aller Erwachsenen über bestehende Rückenschmerzen, und 80 Prozent der Bevölkerung hatten mindestens schon einmal damit zu tun. Die Bandbreite der Beschwerden reicht von leichten Befindlichkeitsstörungen bis zu schweren Schmerzen. Mit konservativen Methoden kann viel erreicht werden, und am chirurgischen Sektor wird Neues angeboten.

Neben den Allgemeinmedizinern sind zahlreiche Fachärzte mit der Abklärung und Therapie von Rückenschmerzen beschäftigt.
"Leider können wir den Patienten nicht immer die Freude machen, dem Zustandsbild einen bestimmten Namen zu geben", meinte DDr. Herbert Krenn, Krankenhaus Lainz, Oberarzt der interdisziplinären Schmerzambulanz, bei einer Fortbildungsveranstaltung. "Es handelt sich ja nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom, das immer interdisziplinär angegangen werden muss."
Wegen der hohen Anzahl an Patienten mit Kreuzschmerzen und dem damit verbundenen hohen Kostenaufwand interessiert sich auch die Sozialmedizin für die Rückenschmerzen.
Bezüglich der Medikamenteneinnahme besteht eine sehr gute Compliance. Beim doch aufwändigeren Ändern des life styles findet sich bei der Compliance ein Zusammenhang mit dem Bildungsniveau des Patienten. Zu den wichtigsten genannten Maßnahmen gehören die Bekämpfung der Adipositas durch viel Bewegung und ein kontrolliertes Essen, aber auch Nichtrauchen.
Die Entstehungsfaktoren umfassen laut Prof. Dr. Michael Matzner, Orthopädische Universitätsklinik Wien, neben Strukturschäden durch Degeneration, Osteoporose, Tumore, Traumata oder Entzündung. Auch kongenitale Fehlentwicklungen und Deformitäten der Wirbelsäule wie zum Beispiel in Form einer Skoliose oder Spondylolyse führen zu Schmerzen.

Therapiemöglichkeiten

Basis und Ziel der Physikalischen Therapie ist, eine Steigerung der Muskelkraft durch richtig dosiertes und kontrolliertes Training zu erreichen. Mit isometrischer Einzelgymnastik sollte begonnen werden, diese kann in Form einer Gruppentherapie fortgesetzt werden. Zusätzlich können Strom-, Moor- und Magnetfeldtherapie angeboten werden, sowie von einigen auch komplementäre Verfahren eingesetzt werden. Die Schmerzen sollten im Rahmen der angebotenen Therapie nicht zunehmen. Der Einsatz von Analgetika zu Beginn ist wichtig, um die Therapien schmerzfrei starten zu können, jedoch darf eine sorgfältige Reduktion bis hin zum Abbau nicht verabsäumt werden.

Operationsindikationen

Operative Verfahren werden bei einem langen und therapieresistenten Bestehen der Schmerzen mit Ausstrahlung in die Beine in Betracht gezogen. Hier werden bei der Wirbelsäule Bandscheiben entfernt oder/und ersetzt. Als absolute Operationsindikationen gelten Lähmungen, das Caudasyndrom mit Reithosenanästhesie sowie Blasen- und Dickdarmlähmung mit Inkontinenz. Diagnostische Bildgebung kann allein nie für eine Therapie maßgebend sein. Schon bei 50 Prozent der schmerzfreien 30-Jährigen sind Bandscheibenschäden nachweisbar. Durch Vertebrostenosen, die durch Facettenhypertrophie oder Diskusverbreiterung entstehen, müssen oft der Spinalkanal oder die Nervenwurzeln freigelegt werden. Die in den USA üblichen Bandscheibenstraffungen werden bei uns nicht durchgeführt, weil sie nach ein bis zwei Jahren zur Osteochondrose führen, diese führt zu einer Instabilität der Wirbelsäule.
Die jetzt meist verwendete dynamische Stabilisierung durch Einbringen von Puffern bremst zwar die Beweglichkeit. Aber im Gegensatz zu der früher üblichen unbeweglichen Stabilisierung bleibt eine gewisse Flexibilität erhalten. Der spätere Einsatz des älteren Verfahrens bleibt immer noch offen.

Kyphoblastie

Die Schmerzen bei Osteoporose entstehen hauptsächlich durch die ständigen Knochenbrüche oder auch durch Bildung von Pseudarthrosen. Hierbei kann eine ligamentär/muskuläre Disbalance zusätzlich mitwirken. Das jetzt eingesetzte Verfahren der Kyphoblastie stellt die normale Höhe der Wirbelkörper wieder her und stabilisiert die Frakturen. Auch die Wirbelsäulenverkrümmung wird reduziert, so dass eine deutliche Schmerzreduktion erreicht werden kann.

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