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5. August 2005

Postoperative Schmerztherapie

"Könnte mit Hilfe einer verbesserten postoperativen Schmerztherapie, beispielsweise mit den neuen Coxiben, die durchschnittliche Spitals-Aufenthalt um nur einen Tag verringert werden, würde das dem staatlichen Gesundheitswesen enorme Kosten sparen", so Schmerz-Spezialist Prof. Dr. Rudolf Likar vom Landeskrankenhaus Klagenfurt. Noch wichtiger sei es aber, das Leid des Patienten zu verkürzen, ihm so früh wie möglich wieder ein "normales", schmerzfreies Leben zu ermöglichen, so Likar.

Unzureichend behandelt

In einer US-Untersuchung rangiert die Angst vor dem postoperativen Schmerz mit 57 Prozent weit vor der Furcht des Patienten, während der Operation (34 Prozent) oder während einer allgemeinen ärztlichen Behandlung (30 Prozent) Schmerzen zu erleiden.
Aber: Der Schmerz wird vielfach noch immer unzureichend behandelt. Aus einer Reihe von Studien geht eindeutig hervor, dass das postoperative Schmerz-Management oft weit von dem entfernt ist, was der Patient als zufriedenstellend erlebt. Das führt in vielen Fällen zu längeren Spitalsaufenthalten und Erholungszeiten, erhöhtem Blutdruck, erhöhter Herzfrequenz, Angst-Störungen, Schlaflosigkeit und allgemeinem Unbehagen.

In einer aktuell publizierten Studie am New England Medical Center in Boston wurden Patienten nach Knie- und Hüftersatz-Operation bzw. Hysterektomie befragt. Während 26 Prozent der Befragten den Schmerz-Höhepunkt am Tag der Operation erlebten, gaben 43 Prozent den ersten Tag nach dem Eingriff, 37 Prozent den zweiten Tag und drei Prozent sogar den dritten Tag an. Eine zweijährige Untersuchung an einem britischen Krankenhaus zeigte, dass rund ein Fünftel der Patienten nach der Operation ein inakzeptabel hohes Schmerz-Niveau dulden mussten.
Eine andere britische Studiengruppe befragte landesweit mehr als 5.000 Patienten nach Entlassung aus einer medizinischen bzw. chirurgischen Abteilung. 33 Prozent der Patienten, die während des Aufenthalts unter Schmerzen gelitten hatten, definierten diese als "ständig oder fast ständig präsent"; 87 Prozent klagten über gravierenden oder mittelmäßigen Schmerz; 17 Prozent gaben an, die Schmerzen wären schlimmer gewesen als erwartet; 42 Prozent mussten um analgetische Medikamente bitten, 41 Prozent davon bekamen diese nicht unmittelbar zur Verfügung gestellt.

Weniger Nebenwirkungen

Likar: "Es ist evident, dass die Sichtweise des behandelnden Arztes und das persönliche Schmerzempfinden des Patienten häufig divergieren. Es wird auch in Zukunft nicht möglich sein, dem Patienten stets völlige Schmerzfreiheit zu garantieren. Wenn neue Therapiekonzepte sich bei gleicher Wirksamkeit neben der Erleichterung für den Patienten auch noch positiv auf die Kosten-Situation auswirken, dann müssen wir diese befürworten."

Bis dato waren injizierbare Analgetika in Österreich auf Opioide und konventionelle nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR) sowie Paracetamol und Metamizol beschränkt. Opioide werden häufig von Nebenwirkungen wie Sedierung, Schwindel, Verstopfung, Brechreiz und Atembeschwerden begleitet. Herkömmliche NSAR beeinflussen durch ihre Hemmung des Enzyms COX-1 die Blutgerinnung und können auch gastrointestinale Ulcera hervorrufen. Der neue COX-2-spezifische Wirkstoff Parecoxib hingegen beeinflusst gezielt das COX-2-Enzym, das die Entzündung und den Schmerz verursacht.
"Schwere gastrointestinale Nebenwirkungen können damit weitgehend vermieden werden", so der Experte. Da sie nicht auf die Thrombozytenaggregation wirkt, verringert die neue Substanz insbesondere auch die Gefahr einer medikamentös bedingten postoperativen Blutung. Durch Synergismen mit Parecoxib kann die Dosis der gleichzeitig verabreichten Opioide niedrig gehalten werden. Das hilft, Nebenwirkungen der Opioide wie Atemdämpfung, postoperatives Erbrechen und verzögerte Aufwachphasen zu verringern und vermeiden." Der neue Wirkstoff wird als Natrium-Salz intravenös oder intramuskulär verabreicht. Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit wurden in einer Reihe klinischer Studien nachgewiesen. Verglichen wurde Parecoxib mit Plazebo, Morphin und/oder dem konventionellen NSAR Ketorolac. In diesen Studien zeigte die neue Substanz einen sehr raschen Wirkeintritt und lange anhaltende Wirkdauer. Der Bedarf an opioiden Schmerzmitteln konnte mit Parecoxib reduziert werden. Es traten signifikant weniger unerwünschte Wirkungen auf, als dies bei herkömmlichen NSAR oder Opioiden der Fall ist.

Quelle: Pressetext vom 28.5.2002

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