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5. August 2005

Schmerzpatienten: Im Verkehr diskriminiert

Schmerzpatienten haben nicht nur eine verringerte Lebensqualität, sie werden auch im Straßenverkehr diskriminiert. Das kritisierten Juristen und Mediziner anlässlich der von der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) organisierten "2. Österreichischen Schmerzwoche". Schmerzpatienten, die ein ärztlich verordnetes Opioid-Medikament nehmen, können wie Konsumenten harter Drogen behandelt werden, erklärte der Chef der ÖAMTC-Rechtsabteilung, Hugo Haupfleisch. Laut Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) darf in einem durch Suchtgift beeinträchtigten Zustand kein Fahrzeug gelenkt werden. Es ist egal, ob dieser Zustand durch eine illegal eingenommene oder durch eine ärztlich verordnete Substanz hervorgerufen wurde.

Ab 1. Jänner 2003 kann eine Blutuntersuchung angeordnet werden. Haupfleisch: "Wie soll der Schmerzpatient nachweisen, dass die vom Amtsarzt angenommene Fahruntüchtigkeit nicht auf die opioidhaltigen Schmerzmittel, sondern zum Beispiel auf Übermüdung oder eine Verkühlung zurückzuführen ist?" Der ÖAMTC forderte eine Regelung wie in Deutschland. Dort liegt kein Verstoß vor, wenn ärztlich verordnete Medikamente bestimmungsgemäß eingenommen werden. Chronische Schmerzpatienten können nach Österreichischem Recht mit 581 bis zu künftig 5.813 Euro betraft werden. Ein vom behandelnden Arzt auszustellendes Dokument könnte Abhilfe schaffen. "Da neben Krebsschmerz zunehmend chronische Rückenschmerzen, Arthrose, Osteoporose, Rheumatoide Arthritis oder Neuropathien als Anwendungsgebiete für eine Opioid-Schmerzbehandlung akzeptiert werden, ist davon auszugehen, dass die Anzahl der betroffenen Verkehrsteilnehmer ansteigen wird", sagte Prof. Dr. Hans-Georg Kress, Vorstand der Universitätsklinik für Anästhesie am Wiener AKH und Präsident der ÖSG.

Hartnäckig halten sich im Zusammenhang mit Opioid-Schmerzmitteln falsche Vorurteile, warnte der Mediziner: "Solche Medikamente machen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch weder ±süchtig² noch beeinträchtigen sie generell die Fahrtauglichkeit." Unbestritten seien aber Müdigkeit, Benommenheit oder Schwindel mögliche Begleiterscheinungen. Kress: "Dazu können kognitive Einschränkungen, Veränderungen der Stimmungslage, Halluzinationen, Einschränkungen in der Psychomotorik und Pupillenverengung kommen." Im Gegensatz zum Alkohol gibt es bei Schmerzmitteln keine Grenzwerte für die Fahruntüchtigkeit. "Der Nachweis des Konsums ist nicht gleichbedeutend mit einer tatsächlichen aktuellen Beeinträchtigung", so Kress, "Patienten reagieren individuell sehr unterschiedlich." 

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