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5. August 2005

Auf den Spuren des Heilmagnetismus

"Einem Phänomen wie der Hypnose kann man sich nicht wirklich nähern, ohne den geschichtlichen Hintergrund ein wenig zu kennen", so Dr. Heinrich Wallnöfer. Der Anfang der medizinischen Hypnose sei dabei im 18. Jahrhundert bei Franz Anton Mesmer zu suchen, auch wenn sein Verfahren noch nicht Hypnose, sondern Heilmagnetismus hieß.

Wallnöfer: "Mesmer war ein typisches Kind seiner Zeit, die gerade an der Schwelle zur modernen Naturwissenschaft stand. Einerseits versuchte er, seine therapeutischen Erfolge wissenschaftlich zu erklären, anderseits trug er den Ballast von verschiedenen magischen Vorstellungen mit sich herum. Wie so oft, stürzte man sich darauf, was falsch an seinen Aussagen war, und übersah das Richtige und Hilfreiche." Dabei scheuten die zeitgenössischen Ärzte auch vor absurden Behauptungen nicht zurück.

Nachdem Mesmer Maria Theresia Paradis von ihrer psychogen bedingten Blindheit geheilt hatte, soll der sie untersuchende Augenarzt zu dem Schluss gekommen sein, sie sei doch blind, weil sie viele Gegenstände, die sie sah, zwar beschreiben, aber nicht benennen konnte. Noch heute heißt übrigens "hypnotisieren" im Englischen nicht nur "hypnotize", sondern auch "mesmerize".

1843 taucht der Begriff Hypnose auf, geprägt vom englischen Chirurgen James Braid. Braid hypnotisierte seine Versuchspersonen, indem er sie eine Lanzettenspitze anstarren ließ. 1878 begann Jean Marie Charcot, Vorlesungen über Hypnose zu halten. Freud zeigte sich zunächst von der Hypnose sehr begeistert und schrieb etwa: "Scheint [...] die Hypnose nicht berufen, alle Bedürfnisse des Arztes, insofern als ±Seelenarzt² gegen den Kranken auftreten will, zu befriedigen? Die Hypnose schenkt dem Arzt eine Autorität, wie sie wahrscheinlich niemals ein Priester oder Wundermann besessen hat [...]." Auffällig an dem Text ist unter anderem, dass der junge Freud "gegen den Kranken" auftreten wollte. Offensichtlich hatte er auch zu hohe Erwartungen an die Methode.

Freud bezeichnete die Hypnose unter anderem als "eine uneingeschränkte verliebte Hingabe bei Ausschluss sexueller Befriedigung". Wallnöfer: "Das ist zweifellos eine problematische Formulierung, die zu diversen Befürchtungen Anlass gegeben hat und gibt." Später äußerte sich Freud gegenüber der Hypnose eher ablehnend. "Er hat die Enttäuschung, die ihm seine übertriebenen Erwartungen bereitet haben, wohl nie ganz überwunden", so Wallnöfer.

Um 1920 begann Johannes Heinrich Schultz, das autogene Training zu entwickeln. Mit der Hypnose beschäftigten sich auch der bekannte Neurologe Oskar Vogt und in Wien Eduard Pötzl. Viele neuen Ideen brachte Milton H. Erickson (USA, 1901-1980) ein, der etwa die Bedeutung des Einfühlungsvermögens in den Patienten betonte.

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