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5. August 2005

Manuelle Medizin gegen Schmerzen

Ein interessantes Programm mit rund 40 Vorträgen bot die Tagung "Manuelle Medizin und verwandte Methoden", die anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Abteilung für konservative Orthopädie und Schmerztherapie des Orthopädischen Spitals Wien-Speising stattfand. So berichtete etwa Dr. Rudolf Keusch, Oberarzt der Abteilung, über den Vergleich verschiedener Infiltrationstechniken.

Infiltrationstechniken

Keusch berichtete zunächst von einer Studie, die vor fünf Jahren an 50 Patienten durchgeführt gemacht worden war: In der Untersuchung wurde die Wirksamkeit von Sklerosierungen mit der von Trockennadelungen bei lumbaler Hypermobilität und Instabilität verglichen. Keusch: "Beide Therapieformen bewirkten nach dreimaliger Anwendung eine nahezu gleich gute Schmerzreduktion. Eine wesentliche Änderung der segmentalen Funktion im Lordose-Kyphose-Test nach drei Wochen war nicht festzustellen."

Drei Jahre später konnten 90 Prozent der Patienten (n=45) nachuntersucht werden. Zusätzlich erfolgte ein Vergleich mit 52 Personen, die Infiltrationen mit Lidocain erhalten hatten. Bei fast allen Patienten war ein Wiederanstieg des Schmerzniveaus festzustellen, wobei die Lidocaingruppe etwas weniger Schmerzen als die beiden anderen Gruppen hatte. "Interessanterweise war es bei den Patienten mit Trockennadelungen zu einer Beweglichkeitsabnahme der Segmente L3 bis S1 gekommen, während die Lidocaingruppe eine Zunahme zeigte", so Keusch. 

Eine weitere Studie befasste sich mit der Wirksamkeit von peripher applizierten Opiaten (Nabulphin). "Damit konnte eine deutlich stärkere Schmerzreduktion als mit reinem Lidocain erzielt werden", berichtete Keusch. Der Einsatz von Opioiden sei besonders bei hochakuten sowie bei schwer chronifizierten Schmerzen angezeigt. Wegen der häufig auftretenden Nebenwirkungen (Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Übelkeit) sollten Opiate jedoch nur stationär verabreicht werden. Eine andere Möglichkeit wäre, dass der Patient mit einer Begleitperson zur Behandlung kommt. 

Leistenschmerzen

Dr. E. Fröhlich, Dr. Karl-Sell-Ärzteseminar Isny-Neutrauchburg, stellte in seinem Referat zunächst die Irritationspunkte nach Sell vor und beschäftigte sich danach aus chirodiagnostischer beziehungsweise therapeutischer Sicht mit dem Leistenschmerz. Man müsse dabei zwei Leistenschmerz-Formen unterscheiden, so Fröhlich. Die eine werde durch Blockierungen von Intervertebralgelenken der LWS verursacht und durch die langen lumbalen Spinalnerven vermittelt. Das Schmerzareal ergebe sich durch das Versorgungsgebiet der Nerven im Leistenbereich, die Haut sei spontan schmerzhaft, bei Druck- und Zugbelastung der Leiste nehme die Schmerzintensität zu. 

Fröhlich: "Bei der zweiten Form gibt der Patient Schmerzen in einer tieferen Leistenschicht an. Palpatorisch stößt man auf einen hypertonen M. iliopsoas." Als Therapie werde im einen Fall eine Deblockierung lumbaler Intervertebralgelenke durchgeführt, im anderen müsse die Sakroiliakalgelenks-Blockierung aufgehoben werden. 

Akupunktur und Triggerpunkte

OÄ Dr. Irene Roniger, KH Speising, betonte in ihrem Vortrag "Akupunktur und Triggerpunkte", dass die Akupunktur in der konservativen Orthopädie zunehmend an Bedeutung gewinne. Bei Akutfällen zeigen vor allem Patienten mit Schulterkontrakturen, unteren Cervicalsyndromen und Lumboischialgen gutes Ansprechen. "Viele Akupunkturpunkte entsprechen dabei muskulären Triggerpunkten, die in der Orthopädie schon immer etwa mit Infiltration oder Trockennadelung behandelt wurden", erklärte Roniger. 

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