zur Navigation zum Inhalt
 
5. August 2005

Fahrtauglichkeit trotz Opioiden möglich

Tausende Schmerz-Patienten unter Opioid-Therapie sind in Österreich von Führerscheinentzug und Kriminalisierung bedroht.

Schmerzmediziner kritisieren diese Maßnahmen, weil richtig eingesetzte Opioid-Schmerzmedikamente die Fahrtauglichkeit nicht beeinflussen. Eine aktuelle US-Studie bestätigt das jetzt eindeutig.

"Eine wissenschaftliche Auswertung von 48 Studien in der angesehenen US-Fachärztezeitschrift "Journal of Pain and Symptom Management“ bestätigt eindeutig, dass es keinen vernünftigen Grund dafür gibt, Verkehrsteilnehmer unter dauerhafter und stabiler Opioid-Schmerztherapie zu diskriminieren", sagte Prof. Dr. Hans-Georg Kress, Vorstand der Universitätsklinik für Anästhesie B am Wiener AKH anlässlich der 3. Österreichischen Schmerzwoche.

Tests im Fahrsimulator normal

Die Studienautoren von der University of Miami School of Medicine kamen zum Ergebnis, dass eine kompetente Schmerzbehandlung mit Opioid-Schmerzmedikamenten bei Verkehrsteilnehmern zu keiner Beeinträchtigung der psychomotorischen Fähigkeiten, keiner Schwächung der kognitiven Funktion, zu keiner Beeinträchtigung der im Fahrsimulator gemessenen Fähigkeiten und generell nicht zu erhöhter Unfallshäufigkeit oder mehr Verkehrsverstößen führt. "Damit wurde einmal mehr bestätigt, dass diese hochwirksamen Schmerzmedikamente bei bestimmungsgemäßem Gebrauch weder "süchtig" machen noch generell die Fahrtauglichkeit beeinflussen", sagte Kress. "Die Fahrzeugführung durch Opioid-Patienten ist aus medizinischer Sicht möglich bei stabilem Therapieverlauf, gutem Allgemeinzustand und wenn der Patient durch den Arzt auf seine Pflicht zur kritischen Selbstprüfung hingewiesen wurde."

Wie Drogensüchtige behandelt

Diese Erkenntnisse, hofft Kress, werden hoffentlich möglichst bald auch den österreichischen Gesetzgeber überzeugen: "Auf Grund der geltenden Rechtslage kann es derzeit vorkommen, dass Schmerzpatienten, die ein ärztlich verordnetes Opioid-Medikament einnehmen, von der Exekutive oder den Amtsärzten wie Konsumenten harter Drogen behandelt werden. Denn § 5 Abs. 1 der Straßenverkehrs-Ordnung, wonach in einem durch Suchtgift beeinträchtigten Zustand kein Fahrzeug gelenkt werden darf, unterscheidet nicht zwischen illegal eingenommenen Drogen und ärztlich verordneten Opioid-Schmerzmedikamenten." Dies kann in der Praxis dazu führen, dass Schmerzpatienten, die solche Medikamente nehmen, nach Verkehrskontrollen so behandelt werden wie drogensüchtige Lenker und dann auch genauso streng bestraft werden.

Außerdem habe er eine Reihe von Patienten unter Opioid-Schmerztherapie, die aus beruflichen Gründen Auto fahren müssen. "Einige erwägen ernsthaft, deshalb die Schmerzbehandlung abzubrechen und lieber Schmerzen zu erleiden, andere haben das bereits getan", sagte Kress. "Ein schmerzmedizinisch, rechtlich und ethisch völlig unhaltbarer Zustand, der möglichst rasch beendet gehört."

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben