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5. August 2005

Schmerz als eigenständiges Problem

Schmerzbekämpfung sollte in Zukunft absoluten Vorrang haben: denn 21 Prozent der Österreicher leiden an starken Schmerzen, die mindestens einmal am Tag erlebt werden und im Durchschnitt sechs Jahre andauern.

21 Prozent der Österreicher leiden ständig unter Schmerzen. Diese erschütternde Tatsache kam bei einer europaweit von der Firma Mundipharma initiierten und von der Europäischen Schmerzgesellschaft unterstützten Patientenumfrage zu Tage. „Nie zuvor wurde in Europa eine derart umfangreiche und tief gehende Befragung zum Thema Schmerz durchgeführt. Mit ,Pain in Europe’ liegen nun erstmals konkrete und abgesicherte Zahlen zu einer Situation vor, die von den Ärzten in zunehmendem Maße als eigenständiges Problem definiert wird und deren Bekämpfung absoluten Vorrang hat“, so der Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) Prof. Dr. Eckhard Beubler, Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie, Medizinische Universität Graz, im Rahmen einer Pressekonferenz am 8. März in Wien. Österreich liegt im „Schmerzranking“ nach Norwegen (30%), Polen (27%), Italien (26%) und Belgien (23%) an fünfter Stelle.

18% leiden bereits 20 Jahre oder mehr an ihren Schmerzen

Auf die Frage, wie lange Patienten unter ihren Schmerzen leiden mussten, antworteten drei Prozent „nur” ein halbes Jahr, elf Prozent bis zwei Jahre, 25% zwei bis fünf Jahre, 18% fünf bis zehn Jahre, 19% zehn bis 15 Jahre, sechs Prozent 15 bis 20 Jahre und 18% 20 Jahre oder mehr.
Chronische Schmerzen sind in Österreich zu gleichen Teilen auf Männer und Frauen verteilt. Interessant ist, dass bereits 16% der 18- bis 30-Jährigen und 19% der 31- bis 40-Jährigen unter chronischen Schmerzen leiden. Die 41- bis 50-Jährigen haben mit 22% den größten Anteil. Mit steigendem Alter nimmt die Zahl der Schmerzpatienten in der Bevölkerung überraschenderweise wieder ab. Beubler: „Die ÖSG ruft alle Betroffenen auf, eine schmerztherapeutische Betreuung aktiv anzustreben. Schmerztherapeuten stehen heute eine Reihe hoch wirksamer, gut verträglicher und einfach anzuwendender Medikamente und Methoden zur Schmerzlinderung zur Verfügung.“
Als Arbeitsgemeinschaft führender Schmerztherapeuten strebt die ÖSG die Förderung und Strukturierung der Ausbildung, die Verbesserung der universitären Vertretung, die Förderung aller schmerztherapeutischen Bemühungen, insbesondere der interdisziplinären Schmerztherapie und die Therapie chronischer Schmerzen an. Beubler: „Ziel ist die flächendeckende Versorgung mit qualitativer Schmerzmedizin, eine Zusatzausbildung für Schmerz-Spezialisten, sowie der Abbau bürokratischer Hürden, beispielsweise bei der Verordnung von „Suchtgiftrezepten“ für chronische Schmerzpatienten. Ein besonderes Anliegen ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen SchmerzpatientInnen und Ärzten sowie die Einführung einer obligatorischen Schmerzmessung ähnlich der Fiebermessung. Vor kurzem wurde auf Initiative der ÖSG das Konsensus-Papier ,Postoperative Schmerztherapie’ fertiggestellt und Richtlinien für die notwendige Ausstattung von Schmerzeinrichtungen erarbeitet.“ Vom 20. bis 23. Mai 2004 findet an der Medizinischen Universität Graz die 12. Jahrestagung der ÖSG unter dem Motto „Schmerz interdisziplinär: Theorie-Diagnose-Therapie“ statt, die von der ÖSG in Zusammenarbeit mit anderen Fachpartnergesellschaften durchgeführt wird.

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