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7. Oktober 2005

Enttabuisierung in der Schmerztherapie

Unter dem Titel „Aktion 200.000“ formierte sich im Jahr 2004 eine Plattform aus Ärzten, Apothekern und Öffentlichkeit. Durch die Bereitstellung von Informations- und Hilfsmitteln soll die angemessene Schmerztherapie unterstützt werden.

Es gibt 1,5 Millionen Schmerzpatienten in Österreich. Rund 200.000 Menschen wurden bisher nicht adäquat therapiert. Viele scheuten den Weg zum Arzt, chronische Schmerzen wurden resignativ als Begleiterscheinung von Krankheit oder Alter hingenommen.

Grund genug für aktive ­Bewusstseinsbildung

Der große Erfolg gibt den Initiatoren der Informationsplattform „Aktion 200.000“ Recht: Via Hotline forderten zirka 15.000 Schmerzgeplagte Informationen an und konnten mit dem mitgelieferten Schmerzlineal und Schmerztagebuch konkrete Angaben über Intensität und Dauer des Schmerzes machen und diese dem behandelnden Arzt mitteilen. Diese Kommunikationshilfen verstehen sich als weiterer Schritt zu effizienterer Schmerztherapie. Denn erst wenn der Patient seinen Schmerz klar artikulieren kann, ist gezielteres Behandeln möglich. Auch im klinischen Bereich setzte die „Aktion 200.000“ Akzente: Unter der Leitung von Doz. Dr. Rudolf Likar, Abt. für Anästhesiologie und allg. Intensivmedizin des LKH Klagenfurt, wurde die Aktion „Schmerzkurve“ im Spital gestartet. Die standardisierte Schmerzbefragung des Patienten, sowie die dazugehörende Dokumentation im Rahmen der täglichen Befundung liefern weiter wertvolle Hinweise für die Schmerztherapie. Erste Krankenhäuser folgen dem Beispiel und dokumentieren für Arzt und Patient den Schmerz täglich. „Qualifizierung und Quantifizierung des Schmerzes sind von großer Bedeutung“, bekräftigt auch Prof. Wilfried Ilias, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien.

Konsequente Aufklärung

Noch bleibt viel zu tun: Auf Patientenseite ist die Aufklärungsarbeit konsequent weiter zu führen, um das Thema Schmerztherapie weiter zu enttabuisieren. Auch die zu Verfügung stehenden Wege zur Therapie chronischer Schmerzen müssen weiterhin kom-muniziert werden. Immerhin zeigte sich, dass gerade die potentesten Schmerzmittel, die Opioide, nur von 17 Prozent der Bevölkerung den Schmerzmitteln zugeordnet werden. Der Unwissenheit soll durch intensive Informationsarbeit auf breiter Basis begegnet werden. Auch unter den Ärzten besteht Handlungsbedarf: Wer immer sich schwerpunktmäßig mit den Ursachen chronischer Schmerzen befasst, wird im Sinne der Patienten auch frühzeitig gezielte Schmerztherapie mit einbeziehen müssen. Denn es ist wissenschaftlich evident, dass Schmerzbehandlung möglichst frühzeitig einsetzen sollte. Wer schon im ersten Monat damit beginnt, hat wesentlich höhere Erfolge zu verzeichnen, als dies zu einem späteren Zeitpunkt der Fall sein kann. Die „Aktion 200.000“ wird in diesem Jahr das Engagement der ÄrztInnen durch gezielte Fortbildungsangebote verstärkt unterstützen und im Laienbereich weitere Akzente setzen.

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