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12. Juli 2005

Neue Therapierichtlinien für Rheuma

Neue europäische Behandlungsrichtlinien zu einer Reihe von rheumatischen Erkrankungen präsentierten Wissenschaftler Anfang Juni beim Jahreskongress der Europäischen Rheumaliga EULAR 2005 in Wien. Dabei handelt es sich laut EULAR-Präsident Prim. Prof. Dr. Josef Smolen um „globale Gesamtempfehlungen“, die jedoch keinesfalls das individuelle Arzt-Patienten-Gespräch ersetzen sollen.

Erarbeitet wurden die Therapierichtlinien in Einzelgruppen der Europäischen Rheumaliga. Dabei wurden tausende Studien im Metaanalysen evidenzgeprüft. Prim. Prof. Dr. Josef Smolen, 2. Medizinische Abteilung – Zentrum für Diagnostik/Therapie rheumatischer Erkrankungen, Krankenhaus Lainz der Stadt Wien, und Klinische Abteilung für Rheumatologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin III, AKH Wien: „Das dauert pro Themenbereich ein bis zwei Jahre.“ Auf dem EULAR 2005 wurden nun die neuen Richtlinien zur chronischen Polyarthritis (rheumatoiden Arthritis, RA), zur entzündlichen Gelenkserkrankung Morbus Bechterew und zur Gicht vorgestellt.

Frühzeitige Behandlung der chronischen Polyarthritis

Bei der chronischen Polyarthritis sind Früherkennung und möglichst frühe Behandlung entscheidend, um Verbesserungen für den Patienten erreichen zu können, stellt die neue RA-Behandlungsrichtlinie der EULAR fest. Bei Patienten mit einem hartnäckigen gelenkszerstörenden Verlauf empfehlen europäische Experten eine möglichst frühzeitige Behandlung mit Basistherapeutika, den so genannten krankheitsmodifizierenden Medikamenten (DMARD). Als Mittel der ersten Wahl soll hier Methotrexat eingesetzt werden. Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) könnten ebenso wie Steroide eine wichtige Ergänzung darstellen.„Besonders während der Frühphase der Behandlung ist auch eine engmaschige Beobachtung wichtig, um zu sehen, ob Betroffene auf die jeweilige Therapie ansprechen“, fasst Smolen eine weitere Empfehlung zusammen. „Wenn sich keine Änderung zeigt, muss die Behandlung möglichst rasch verändert oder angepasst werden. Es hat keinen Sinn, ein halbes Jahr zuzuwarten.“ Smolen verweist auch auf eine Metaanalyse von 35 Studien über den Nutzen der raschen Zuweisung bei Früharthritis: „Wenn mehr als ein Gelenk entzündet ist, sollte der Patient binnen sechs Wochen nach Symptombeginn von einem Rheumatologen untersucht werden.“

Morbus Bechterew individuell behandeln

An Morbus Bechterew leiden in Österreich rund 60.000 Menschen. In einem zweiten Richtlinien-Paket der EULAR wird postuliert, dass die Behandlung an die jeweilige individuelle Erscheinungsform und den Schweregrad angepasst werden müsse. Neben medikamentösen Therapien seien auch andere Maßnahmen wie physikalische Therapien wichtig. NSAR werden als Medikamente der ersten Wahl für Patienten mit Steifigkeit und Schmerzen empfohlen. Wenn sich diese Präparate als nicht ausreichend schmerzlindernd erweisen, sollte zusätzlich der Einsatz von Paracetamol und Opioiden oder die Injektion von Steroiden im Entzündungsbereich erwogen werden.„Für Patienten mit einem kontinuierlich schweren Krankheitsverlauf, denen andere Therapien keine Linderung bringen, empfehlen wir den Einsatz von so genannten Biologicals vom Typ der TNF-alpha-Blocker“, zitiert Smolen die Experten-Richtlinie. „Der Einsatz von DMARD vor oder gleichzeitig mit diesen Biologika ist nicht erforderlich.“ Insgesamt werden in der Morbus-Bechterew-Richtlinie 29 zweckmäßige Interventionen genannt, darunter auch Bisphosphonate, muskelentspannende Mittel, Antidepressiva oder chirurgische Eingriffe.

Harnsäuresenkung und Akutkontrolle bei Gicht

Heute haben mindestens fünf Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer in Mitteleuropa einen zu hohen Harnsäurespiegel, der für die schmerzhaften Gichtanfälle verantwortlich ist. „Auch bei Gicht brauchen wir eine Kombination aus Medikamenten und physikalischen Therapiemaßnahmen, die der jeweils individuellen Situation angepasst sind“, so Smolen. Colchizin sei bei vielen Patienten ausreichend für die Kontrolle akuter Anfälle, auch die intraartikuläre Injektion von lang wirsamen Steroiden könne in der Akutphase als sichere und wirksame Methode empfohlen werden. „Für die Anfallsprophylaxe während der ersten Monate empfehlen wir Colchizin, NSAR oder eine Kombination von beidem“, erklärt Smolen. Bei Patienten mit einem ständig erhöhten Harnsäurespiegel und akuten Anfällen seien Harnsäure-senkende Medikamente erforderlich. Die Richtlinien sehen hier den Einsatz von Allopurinol vor. Als Alternativen für Patienten mit normaler Nierenfunktion werden Probenecid und Sulfinpyrozan, für Menschen mit leichter bis mittlerer Niereninsuffizienz auch Bezpromaron empfohlen.

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