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4. Juli 2005

Bauchschmerzen bei Mädchen

Bei Mädchen vor der Menarche ist die retrograde Menstruationsblutung mit Bildung einer Hämatokolpometra eine mögliche Ursache für Bauchschmerz.

S.M. Stone und J. L. Alexander publizierten im New England Journal of Medicine folgenden Fallbericht: Ein elfjähriges Mädchen kam mit seit 24 Stunden bestehenden periumbilikalen Dauerschmerzen mit Ausstrahlung in beide Flanken in die Nothilfe. Bereits zwei Tage zuvor waren Übelkeit, Harndrang und Dysurie aufgetreten.

Unspezifische Symptome

Das Mädchen hatte weder Fieber noch Schüttelfrost oder Schweißausbrüche, der Stuhlgang war normal. Es hatte noch keine Menstruationsblutung, war noch nicht sexuell aktiv gewesen und hatte keinen vaginalen Ausfluss. Bei der Untersuchung des Abdomens fiel ein Druckschmerz im linken unteren Quadranten und in der suprapubischen Region auf. Loslassschmerz und geringe Abwehrspannung ließen an eine peritoneale Reizung denken. Bei der Untersuchung der Dammregion fand sich ein nicht perforiertes Hymen, das sich auch im Liegen in Richtung introitus vorwölbte. In der Beckensonographie zeigte sich eine Dilatation der Vagina und des Uterus durch reichlich echoreiche Flüssigkeit. Dieser Befund bestätigte die klinische Verdachtsdiagnose einer Hämatokolpometra. Während der Hymenektomie entleerten sich 300 Milliliter dunkelbraunes Blut aus Uterus und Vagina. Bei einer Kontrolle zwei Wochen später waren sämtliche Symptome verschwunden. Die Diagnose ist zwar klinisch leicht zu stellen. Doch hätte es unter nur wenig veränderten Umständen leicht passieren können, dass das Kind unter Verdacht auf eine Appendizitis operiert worden wäre, weil doch bei vielen Ärzten eine gewisse Scheu besteht, die Intimregion eines jungen Mädchens zu untersuchen.

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