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Neurologie 4. Juli 2005

Jede dritte Epilepsie beim Kind ist therapieresistent

Epilepsien sind die häufigste chronische Erkrankung des ZNS im Kindesalter. Mangelhaftes Ansprechen auf eine medikamentöse Therapie tritt in etwa 30 Prozent der Fälle auf. Nach exakter präoperativer Diagnostik kann mit einem epilepsiechirurgischen Eingriff versucht werden, Anfallsfreiheit zu erreichen.

„Früh beginnende aktive Epilepsien erhöhen das Risiko für Komorbiditäten wie Entwicklungsverzögerung, Verhaltensstörungen und Schulversagen. Psychosoziale Belastungen für Familien erkrankter Kinder sind hoch“, erklärte Dr. Ingrid Tuxhorn, leitende Ärztin der Abteilung Kinderepileptologie des Epilepsiezentrum Bethel in Bielefeld, am 38. Pädiatrischen Fortbildungskurs in Obergurgl Ende Jänner 2005. Therapieresistenz tritt in etwa 30 Prozent der Fälle auf. Tuxhorn: „Dies bedeutet, dass mit einer systematischen Eindosierung von Antiepileptika der ersten Wahl für das vorliegende Epilepsiesyndrom keine anhaltende Anfallsfreiheit auftritt.“ Risikofaktoren für Therapieresistenz sind ein früher Beginn, ein enzephalopathischer Verlauf, eine symptomatische Genese, insbesondere Malformationen kortikaler Entwicklung, und die schwere Einstellbarkeit nach dem ersten, zweiten oder dritten Medikament. Ein wichtiges Prinzip der Medikamententherapie ist die ausreichende Aufdosierung in Monotherapie bis an die Verträglichkeitsgrenze. Bei der Wahl des Antiepileptikums sind die Effektivität und Tolerabilität der einzelnen Medikamente unter Berücksichtigung von Nutzen-Risiko-Abwägungen des Spontanverlaufs und der Prognose alternativer Behandlungsformen – zum Beispiel ketogene Diät bei epileptischer Enzephalopathie, Operabilität bei fokalen Läsionen – relevant. Entwicklungen in der Video-EEG-Diagnostik, MRT-Diagnostik und neuropsychologische Entwicklungstests ermöglichen heutzutage eine genauere Krankheits- und Syndromdiagnose. Diese ist Voraussetzung für eine frühe Beurteilung des Verlaufs, der Gesamtprognose in Bezug auf Anfallskontrolle und der Risiken für Komorbiditäten.

Kandidaten für ­Epilepsiechirurgie

Bei den Säuglingsepilepsien mit BNS-(Blitz-Nick-Salaam)-Anfällen können umschriebene Läsionen im MRT diagnostiziert werden. „Diese Patienten sind gute epilepsiechirurgische Kandidaten und sollten früh überwiesen werden, um sekundäre epilepsiebedingte Störungen zu verhindern. Eine frühe Herdlokalisation sollte bei fokalen Epilepsien elektrographisch auch bereits im Vorschulalter erfolgen, so dass zum Beispiel Kinder mit Temporallappenepilepsien, die auf eine Hippocampussklerose oder Dysplasie zurückzuführen sind, medikamentös optimal behandelt werden“, betont Tuxhorn. „Bei beginnender schwerer Behandelbarkeit und Therapieresistenz sollte an eine frühe epilepsiechirurgische Behandlung binnen eines Jahres gedacht werden.“ Therapieresistente Epilepsien, die generalisiert oder multifokal sind, sollten mit optimierter Medikamententherapie behandelt werden. Polypragmasie ist wegen der zusätzlichen Morbidität durch Medikamentennebenwirkungen zu vermeiden. Tuxhorn: „Ketogene Diät, Vagusnervstimulation, Anfallsunterbrechungstechniken und Schulungsprogramme für die Krankheitsverarbeitung sind wichtige Säulen der Therapie.“

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche 9/2005

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