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Allgemeinmedizin 25. September 2005

Moderne Therapieoption bei Rheuma

Die seit zwei Jahren in Österreich zugelassenen Coxibe haben in der Therapie der Arthrose sehr gute Ergebnisse erzielt. Aus Anlass der bevorstehenden Indikationserweiterung für Rofecoxib auf die Behandlung der chronischen Polyarthritis veranstaltete die Firma MSD am 9. März in Wien ein Symposium zum Thema "State of the Art in der Rheumatologie", auf dem Experten über Studien und eigene Erfahrungen mit dieser neuen Substanzklasse berichteten. Im Unterschied zu klassischen nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) hemmen spezifisch COX-2-Hemmer wie Rofecoxib und Celecoxib vorwiegend das Enzym Cyclooxygenase 2 und verhindern dadurch bei Entzündungsreaktionen die Produktion von Schmerz vermittelnden Prostaglandinen. 

Cyclooxygenase 1 bleibt unbehelligt

Die Cyclooxygenase 1 bleibt von diesen Medikamenten unbehelligt und kann weiterhin ungestört Schleimhaut-schützende Prostaglandine im Magen synthetisieren und die blutungshemmende Funktion der Thrombozyten aufrechterhalten. Der Vorteil: "Die klinische Wirksamkeit der Coxibe entspricht der herkömmlichen NSAR in hohen Dosierungen, Coxibe sind dabei aber viel besser verträglich", erklärte Prof. Dr. Josef Zacher, Chefarzt der Orthopädischen Klinik in Berlin-Buch, auf dem Wiener Symposium. "Besonders für ältere Patienten, eine Risikogruppe für gastrointestinale Probleme, ist die geringere Komplikationsrate im Magen-Darm-Trakt wichtig."

Gute Verträglichkeit in VIGOR-Studie belegt

Die gute Verträglichkeit belegen Zahlen der VIGOR-Studie, in der Patienten mit rheumatoider Arthritis über neun Monate entweder Rofecoxib (50 mg, n=4.047) oder Naproxen (1g, n=4.029) erhielten. Bei der Beurteilung der Wirksamkeit durch Ärzte und Patienten, mit dem Health Assessment Questionaire gemessen, bekamen beide Therapien vergleichbare Noten. Die Abbruchraten lagen in beiden Therapie-Gruppen eng beieinander. In der Rofecoxib-Gruppe kam es allerdings zu signifikant weniger symptomatischen Ulcera (2,1 Prozent gegen 4,5 Prozent) und Ulcuskomplikationen (0,6 Prozent gegen 1,4 Prozent). 

ADAM-Studie: 80.371 Arthrose-Patienten

"Die Häufigkeit von Ulcera unter Rofecoxib liegt wahrscheinlich im Placebo-Bereich", urteilte der britische Gastroenterologe Prof. Dr. Christopher Hawkey vom University Hospital Nottingham und kommentierte: "Ich gebe Cox-2-Hemmern auch gerne Niedrig-Risiko-Patienten, um sie zu risikofreien Patienten zu machen." Auch ADAM, eine große post-Marketing Anwendungsbeobachtung, bestätigt Rofecoxib eine gute Wirkung und Verträglichkeit. An der deutschen Studie nahmen 80.371 Arthrose Patienten teil - ein Zehntel aller von dieser Krankheit Betroffenen in Deutschland. 93 Prozent der Teilnehmer hatten sich schon einer medikamentösen Vorbehandlung unterzogen, in aller Regel mit klassischen NSAR. Über die Hälfte litt an Beschwerden in den Knien oder den Hüften. Ebenfalls etwa 50 Prozent der Patienten gaben schon zu Studienbeginn gastrointestinale Begleitsymptome an, hauptsächlich mit H2-Blockern oder Protonenpumpenhemmern (PPI) therapiert. 

Deutlich weniger Schmerzen beim Gehen und Treppensteigen

Nach vierwöchiger Behandlung der Arthroseprobleme mit entweder 25 oder 12,5 mg Rofecoxib berichteten 90 Prozent der Patienten über deutlich weniger Schmerzen beim Gehen und Treppensteigen. Auch die Wirkungsdauer von Rofecoxib sei im Vergleich zu den Vortherapien deutlich länger, beobachteten drei Viertel der Patienten. "Durch die 24-Stunden-Wirkung entstehen für die Betroffenen keine ?chmerzlöcher? Zusätzlich ist das Medikament durch tägliche Einmaldosen in kleine Tabletten leichter zu handhaben", bewertete Zacher.

Dr. Lutz Reinfried, Ärzte Woche 16/2002

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