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13. Juli 2005

Richtlinien für eine NSAR-Therapie

"Die Verabreichung nicht-steroidaler Antiphlogistika ist mehr eine Kunst, als eine Wissenschaft", befindet Doz. Dr. Franz Rainer, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Graz-Eggenberg, am diesjährigen Update in Innerer Medizin Mitte Juni in der Wiener Börse. "Die Unterschiede zwischen den einzelnen antiphlogistisch wirksamen Präparaten sind kleiner als die Unterschiede zwischen den Patienten." Daher sei es notwendig, mehrere NSAR auszuprobieren, um das für den individuellen Patienten optimale Mittel zu finden.

Faktoren bei der Auswahl

Verschiedene Faktoren spielen bei der Auswahl eines NSAR eine Rolle. Neben der Effizienz des Wirkungsprofils einer Substanz für eine bestimmte Diagnose und Krankheitsaktivität ist die Anamnese nach derjenigen Substanz, die bislang am besten geholfen hat und gut vertragen wurde, angebracht. Rainer: "Es hat keinen Sinn, einen Patienten, der auf ein bestimmtes NSAR gut anspricht, auf ein neues Präparat umzustellen, nur weil es neu ist." "Bei Risikopatienten ist es zur Zeit sicherer, eher konventionelle Mittel mit einem Magenschutz zu kombinieren, als neuere, selektive Substanzen zu verwenden."

Zudem komme man, so Rainer, zunehmend dahinter, dass endoskopische Daten keinen Rückschluss über die Verträglichkeit einer Substanz zulassen. Endoskopisch gefundene Ulzera korrelieren auch nicht unbedingt mit klinisch relevanten Ulkuskomplikationen. Rainer: "Mehr als die Hälfte der Patienten mit einer lebensbedrohlichen Blutung oder Perforation weisen zuvor keine gastrointestinalen Symptome auf." Zum Magenschutz eignen sich Protonenpumpenhemmer, Prosta- glandinanaloga oder H2-Rezeptorantagonisten.

Vorsicht bei Retard-Präparaten

Retardpräparate sind bei Erkrankungen im unteren Gastrointestinaltrakt mit Vorsicht zu genießen: Bei Patienten mit Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Divertikultitis sollten NSAR nur zurückhaltend verschrieben werden, da sie hier das größte Risiko darstellen. "Die Toxizität verschiebt sich durch Applikation der als nebenwirkungsarm geltenden Retardpräparate vom oberen in den unteren Gastrointestinaltrakt", so Rainer. Er empfiehlt daher bei erwünschter längerer Wirkungsdauer eine Substanz mit entsprechend langer Halbwertszeit.

Der Einsatz topischer NSAR wird hingegen generell unterbewertet. Durch ihre geringe Nebenwirkungsrate und dem weitgehenden Fehlen systemischer Wirkungen eignet sich diese Applikationsform gerade für Risikopatienten: Bei älteren Patienten ist die systemische NSAR- Gabe problematisch. Das erhöhte Risiko von Komplikationen im Bereich des Magens oder der Nieren sowie die Multimorbidität erfordern einen sehr restriktiven Einsatz der Substanzen. Auch die Beachtung chronotherapeutischer Gesichtspunkte - die korrekte Verabreichung von Substanzen bestimmter Halbwertszeit zum effizientesten Tageszeitpunkt - steigert die Wirksamkeit.

Bei allen Risikopatienten soll die Verschreibung der niedrigsten wirksamen Dosis erzielt werden. Auch eine ständige Überprüfung der Notwendigkeit für die Verabreichung eines NSAR muss in regelmäßigen Abständen erfolgen.

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