zur Navigation zum Inhalt
 
4. Juli 2005

Therapie mit Glukokortikoiden: Gewusst wie

"In der Rheumatologie ist die Gabe von Glukokortikoiden unverzichtbar", sagte Dr. Reinhold Pongratz vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz, beim "Update Innerer Medizin" im Juni 2001 in Wien. "Auf Grund der Wirkungsweise und des Nebenwirkungsspektrums müssen jedoch speziell bei systemischer Therapie strikte Anwendungsregeln eingehalten werden", betonte Pongratz.

Intraartikuläre Injektionen

Der Versuch, mittels ACTH die Nebennierenrinde zu vermehrter Produktion zu veranlassen, scheiterte, weil hierdurch nicht nur eine nicht berechenbare Menge von Cortisol, sondern auch vermehrt Mineralkortikoide, Androgene sowie Östrogene synthetisiert wurden.
Vor allem Mono- und Oligoarthritiden, Gicht bzw. Pseudogicht oder aktivierte Arthrosen kommen für eine intraartikuläre Verabreichung in Frage. Mögliche Komplikation ist das Auftreten septischer Arthritiden oder Kristallsynovitiden.

Wasserlösliche Präparate für Infiltrationen

Daneben kann es zu passageren Hautrötungen, zu einem Blutzucker-Anstieg oder allergischen Reaktionen kommen, selten auch zu Haut-, Bindegewebs- und Muskelatrophien. Bei Vorliegen von Sehnenscheiden- oder Schleimbeutelentzündungen helfen Glukokortikoid-Infiltrationen. Bevorzugt werden wasserlösliche Präparate, die - gemischt mit Xyloneural - höchstens zwei bis drei Mal mit mindestens einwöchigem Intervall anwendbar sind.

Cirkadian oder ultradian

Pongratz: "Zur systemischen Behandlung werden nur Präparate mit kurzer Halbwertszeit verwendet, das heißt Prednison/Prednisolon oder 6-Methylprednisolon. Die günstigste Verabreichungszeit liegt zwischen sechs und sieben Uhr morgens, zur Zeit des höchsten endogenen Glukokortikoidspiegels."

Diese "cirkadiane" Form schont die Nebennierenrinde am besten. Sind sehr hohe Kortisondosen erforderlich, wird die "ultradiane" Behandlung diskutiert: zwei Drittel der Dosis werden am Morgen, ein Drittel abends verabreicht. Im Gegensatz dazu arbeitet man bei der "low dose" Therapie mit der niedrigsten effizienten Dosis, das heißt etwa fünf Milligramm pro Tag, was zu deutlich geringeren Nebenwirkungen führt.
Bei sehr hoher Krankheitsaktivität einer Polyarthritis oder Kollagenose kommt noch die "Pulse"-Therapie in Frage. Hier wird ein Gramm Methylprednisolon in 250 ml NaCl intravenös an alternierenden Tagen dreimalig gegeben.
Allerdings wird hier als Nebenwirkung eine Hüftkopfnekrose diskutiert.

Auf den Magenschutz nicht vergessen

"Bei zusätzlicher NSAR-Gabe darf der Magenschutz, bei Diabetes mellitus oder Osteoporose die Calcium- und Vitamin- D-Gabe nicht vergessen werden", betont Pongratz.

Und trotz Magenschutz könnten manchmal nach NSAR-Gabe blutende gastroduodenale Ulcera auftreten. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen muss man bei längerfristiger Kortikoidgabe auf das Entstehen eines iatrogenen Morbus Cushing oder Diabetes mellitus, aber auch einer Osteoporose, eines Glaukoms oder von Thrombosen achten. Alle drei bis sechs Monate sind Blutsenkung, Blutbild, Harn und Blutzucker zu kontrollieren und eine augenärztliche Untersuchung zu veranlassen. Alle 12 Monate sind Osteodensitometrie, Fettstoffwechsel- und Harnkontrolle erforderlich.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben