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4. Juli 2005

Nizza - William Harvey Research Conference

Vom 30.September bis zum 2.Oktober fand in Nizza die William Harvey Research Conference zum Thema "Progress in the field of selective COX-2-Inhibitors" unter dem Ehrenpräsidenten, Nobelpreisträger Prof. Dr. Sir John Robert Vane, dem Entdecker der Prostaglandinsynthese, statt.
Zahlreiche internationale Experten referierten über die neuesten Erkenntnisse zu den COX-2-Hemmern bezüglich gastrointestinaler Nebenwirkungen und kardiovaskulärem Risikoprofil, aber auch über ihren möglichen Einsatz im Rahmen der Krebsprävention und der Alzheimer-Erkrankung.

Diskussion um kardiovaskuläres Risiko

Von österreichischer Seite waren Prim. Prof. Dr. Gernot Kolarz von der Rheuma-Sonderkrankenanstalt der SVA in Baden, Prim. Dr. Burkhard Leeb vom KH Stockerau sowie Prim. Dr. Ferdinand Aglas von der Privatklinik St. Barbara zu Vigaun anwesend.
Das seit Monaten hoch aktuelle Thema einer möglichen Risikoerhöhung für Herzinfarkt und Schlaganfall unter Coxib-Behandlung war eines der Hauptthemen.

Ungeachtet der diskutierten Thesen, die von einer fehlenden kardioprotektiven Wirkung bis zu einem prothrombotischen Potenzial reichen, empfiehlt Prof. Dr. Henning Zeidler, Abteilung für Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover, bei Patienten mit erhöhtem kardialen Risiko zusätzlich zu einem Coxib ein low-dose-Aspirin. In dieser Kombination muss bei bestehendem Ulkusrisiko ein Protonenpumpenhemmer dazu gegeben werden.

Wie alle anderen NSAR können die Coxibe über Natriumretention und Ödembildung den Blutdruck erhöhen.
Auch bezüglich der gastrointestinalen Verträglichkeit der COX-2-Inhibitoren gibt es eine Menge Neuigkeiten.
In einer Analyse untersuchten Prof. Dr. Gurkipal Singh et al. von der gastroenterologischen Abteilung der Stanford University die Inzidenz ernster Komplikationen (POB´s) im oberen Gastrointestinaltrakt (Perforation, Obstruktion, Blutungen wie Hämatoemesis, Melaena, Hämatochezie).

POB-Raten

Herangezogen wurden dazu die Ergebnisse einer Post-hoc- Metaanalyse von Meloxicam Studien mit ca. 25 000 Patienten sowie die im Rahmen der CLASS und der VIGOR Studie erhobenen POBs.

Die Ergebnisse: Die Rate der POB´s (jeweils auf 100 Patientenjahre berechnet) betrug unter Meloxicam 15mg 0,62, unter Celecoxib 400mg 0,73 und unter Rofecoxib 50mg 0,59. Zum Vergleich: unter Diclofenac 100mg betrug die Rate 1,72, unter Naproxen 750mg 1,29 und unter Ibuprofen 800mg 0,98. Singh: "Das Risiko klinisch signifikanter Komplikationen im oberen Gastrointestinaltrakt ist unter selektiven COX-2- Hemmern insgesamt niedrig."

Zukunftsmusik

Nachdem in einer Reihe solider Tumore wie zum Beispiel dem kolorektalen Karzinom erhöhte COX-2-Level vorkommen, wird vermutet, dass dieses Enzym so zusagen als molekulares Ziel einer Krebsprävention dienen könnte.

Rezente klinische Studien weisen darauf hin, dass die Anwesenheit von COX-2 in menschlichen Bronchus- und Kolonkarzinomen mit einer schlechteren klinischen Prognose vergesellschaftet ist. Die Schlussfolgerung: COX-2-Hemmer könnten in der Behandlung dieser Tumore Einsatz finden.

Auch bei der Alzheimer-Erkrankung könnte COX-2 eine Bedeutung haben: in Alzheimer-Gehirnen ist die Expression des Enzyms erhöht; es wird vermutet, dass COX-2 in der Pathogenese der Erkrankung eine Rolle spielen könnte.
Vielleicht werden also die COX-2-Hemmer auch im Therapieregime der Alzheimer-Erkrankung einmal ihren Platz haben. Die weiteren Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.

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