zur Navigation zum Inhalt
 
4. Juli 2005

Rheuma-Therapie mit COX-2-Hemmern

Seit Jahrzehnten haben sich nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) aufgrund ihrer antiinflammatorischen und analgetischen Wirkung in der Rheumatherapie bewährt. Ihre Wirkung beruht auf der Hemmung des Schlüsselenzyms der Prostaglandinbiosynthese, der sogenannten Cyclooxygenase.

1991 wurden zwei Unterformen dieses Enzyms entdeckt, nämlich COX-1 und COX-2. Während COX-1 über die Bildung von Prostaglandin E2, Thromboxan A2 und Prostazyklin an klaren physiologischen Funktionen, wie gastrointestinaler Schleimhautprotektion, Nierenfunktion und Thrombozytenaggregation beteiligt ist, wird COX-2 überwiegend durch Entzündungsprozesse aktiviert und ist für die Bildung von inflammatorischen Prostaglandinen verantwortlich. Das legt den Schluss nahe, dass die therapeutischen Effekte von NSAR auf eine COX-2 Hemmung, während die unerwünschten Nebenwirkungen auf eine Blockade von COX-1 zurückzuführen sind. Dieses wesentliche Wirkprinzip liegt allen NSAR zugrunde. Herkömmliche NSAR hemmen COX-1 und COX-2 gleichermaßen, wodurch das auftreten von Nebenwirkungen begünstigt wird. Vor allem das Auftreten von gastrointestinalen Blutungen erwies sich als schwerwiegendes Problem.

Die Suche nach Substanzen mit weniger schleimhautschädigenden Eigenschaften bei erhaltenem therapeutischen Effekt führte zur Entwicklung von selektiven COX-2-Blockern wie Meloxicam in Mobec<@174>, das seit 1997 in Österreich erfolgreich eingesetzt wird. Das Ergebnis: gute entzündungshemmende Wirksamkeit bei deutlich besserem Nebenwirkungsprofil.

Zur Bestimmung des COX-2 / COX-1-Verhältnisses wird heute im Allgemeinen der humane Gesamt-Blut-Test verwendet. Prof. Dr. Sir John Vane, Honorary President, William Harvey Research Institute London, UK, warnt vor der in der Literatur allzu oft verwendeten und äußerst verwirrenden Begriffsvielfalt, wenn es um die Beschreibung der Wirkung von COX-2-Hemmern geht. Adjektive wie "präfenziell", "hochselektiv", "selektiv", "nicht-selektiv" und "spezifisch" sollten, so Vane, für COX-2-Hemmer vermieden werden. Vane: "Alle NSAR sind COX-2-Hemmer, denn das ist die Wirkungsweise bei Entzündungen. Neu ist, dass es nun Substanzen gibt, die nicht gleichzeitig COX-1 hemmen und daher eine geringere gastrointestinale Toxizität aufweisen. Diese Arzneimittel sollten gemeinsam als "selektive" COX-2-Hemmer in einer Gruppe zusammengefasst werden."

Dr. Frank Degner, Boehringer Ingelheim GmbH, Corp. Dept. ZNS/Rheumatologie Ingelheim, Deutschland, berichtet: "Ergebnisse von insgesamt 59 großangelegten, klinischer Studien an über 32.000 Patienten haben die Wirksamkeit und Sicherheit von Meloxicam zur Kurz- und Langzeittherapie bei Patienten mit Arthrose, rheumatoider Arthritis und Morbus Bechterew bestätigt. Es findet sich für Meloxicam im Vergleich zu den alten NSAR wie Diclofenac, Piroxicam, Ibuprofen und Naproxen ein günstiges gastrointestinales Verträglichkeitsprofil und auch eine Reduktion der Gesamttoxizität. Auch Prof. Dr. Denis McCarthy, Prof. of Medicine, University of New Mexico, Albuquerque, USA, sieht den Vorteil in der Wirksamkeit und Sicherheit von Meloxicam, weist jedoch auch die Gefahr einer Abnahme von Selektivität und Sicherheit durch eine zunehmende Dosierung hin.

Für Dr. Burkhard Leeb, Krankenhaus der Stadt Stockerau, Österreich, ist die entscheidende Überlegung vor Therapie mit NSAR immer die Frage nach der Notwendigkeit der Behandlung. Liegen keine Risikofaktoren vor so soll die Therapie mit entsprechenden Augenmerk auf eventuell auftretende Risken durchgeführt werden. Bei Vorliegen von Risikofaktoren so wäre laut Leeb eine geeignete Magenschutztherapie indiziert. Da für einige COX-2-Hemmer durch Studiendaten ein erhöhtes Risiko für thromboembolische und andere kardiovaskuläre Nebenwirkungen belegt wurde sollte bei KHK-Patienten prinzipiell die möglichst niedrigste Dosierung und kürzeste Therapiedauer mit NSAR zur Anwendung kommen. Im Konsensuspapier der Östereichischen Gesellschaft für Rheumatologie werden die Risikofaktoren für die Anwendung von NSAR genau definiert und Empfehlungen für das Vorgehen bei NSAR-Therapie beschrieben.

Abschließend beleuchtet Prim. Dr. Ferdinand Aglas, Private Krankenanstalt St. Barbara zu Vigaun, Österreich, pharmakoökonomische Aspekte, die wie Aglas betont, stets unter der Prämisse einer adäquaten Patientenbetreuung Berücksichtigung finden müssen. In einer Kostenanalyse von Celecoxib, Diclofenac, Meloxicam und Refecoxib zeigten sich die Gesamttherapiekosten direkt proportional zu den Medikamentenkosten per se, wobei Meloxicam insgesamt die wirtschaftlichste Therapieoption darstellte.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben