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12. Juli 2005

Radon-Kuren bessern Rheuma-Leiden signifikant

Mit dem Zytokin TGF-beta wurde ein Indikator für den Wirkmechanismus der Radon-Therapie entschlüsselt. Damit ist die Wirkung auch objektiv messbar.

„Bis vor kurzem war die eigentliche Wirkung der Radon-Kur im Gasteiner Heilstollen nur mit theoretischen Modellen erklärbar“, erläutert Prof. Dr. Josef Schwarzmeier, Ludwig Boltzmann-Institut für Zytokinforschung. Die wesentlichen Bestandteile dieses Heilverfahrens sind Radon, Wärme gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit und physikalische Therapie. In einer aktuellen Studie ist es erstmals gelungen, einen objektiven wissenschaftlichen Beweis für die lang anhaltende schmerzlindernde Wirkung der Radon-Therapie zu erbringen. Eine Analyse von 83 Patienten mit Morbus Bechterew, die sich einer Heilstollen-Behandlung in Gastein unterzogen, zeigte nach Kurende in über 80 Prozent einen signifikanten Anstieg des TGF-beta-Serumspiegels. Bei Kontrollpatienten fanden sich keine offensichtlichen Veränderungen. Schwarzmeier: „Dieses Zytokin wirkt entzündungshemmend und gewebsregenerierend, was nicht nur zu einer Linderung der Beschwerden führt, sondern auch eine lang anhaltende Schmerzreduktion und Verbesserung der Beweglichkeit bewirkt.“ Diese Ergebnisse wurden kürzlich durch internationale Studien bestätigt, die auch an Zellkulturen nachweisen konnten, dass durch Radon eine verstärkte Produktion von TGF-beta ausgelöst wird.

Indikationen für Radonkur

Rheumatologische Erkrankungen gelten als wichtigste Indikationen für eine Radontherapie. Bei den Stollenanwendungen stehen insbesondere Spondylarthropathien, vor allem Morbus Bechterew, im Vordergrund.„80 bis 90 Prozent der Betroffenen berichten von einer deutlichen Schmerzreduktion nach der Heilstollen-Kur und können den Medikamentenverbrauch für mehrere Monate deutlich reduzieren oder sogar unterbrechen. Dies bedeutet nicht nur erhebliche Kostensenkungen, sondern auch ein vermindertes Gesundheitsrisiko gegenüber ne-benwirkungsreichen und oft unbefriedigenden Präparaten“, betont Prof. Dr. Peter Deetjen, Forschungsinstitut Gastein-Tauernregion. Die Radontherapie wird in Form von Baden, Trinken und Inhalieren in drei- bis vierwöchigen Kuren durchgeführt. Die effektive Strahlendosis einer radonbalneotherapeutischen Kur liegt mit 0,05 bis 2 mSv (Milli-Sievert) deutlich unter dem Wert der mittleren jährlichen natürlichen Dosis von 2,4mSv. „Das hypothetische, konservativ rechnerisch abgeschätzte Lungenkrebsrisiko des Patienten als Folge einer Kur durch Inhalation von Radon und Zerfallsprodukten im Thermalstollen von Bad Gastein liegt mehr als zwei Größenordnungen unter dem spontanen Lungenkrebsrisiko“, entkräftet Deetjen Ängste vor der zusätzlichen radioaktiven Strahlenbelastung.

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