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4. Juli 2005

Zwei Millionen Österreicher leiden an Rheuma

150 Millionen Europäer leiden – zumindest zeitweise – an rheumatischen Erkrankungen. Dabei handelt es sich keineswegs um typische Altersleiden.

Denn betroffen sind sowohl alte als auch sehr junge Menschen. Je jünger der Patient, desto länger dauert es in der Regel, bis eine Diagnose feststeht und eine adäquate Therapie eingeleitet werden kann – und desto länger hat das Krankheitsgeschehen Zeit, irreversible Schäden zu verursachen.

Der lange Weg zur Diagnose

Exemplarisch für viele Krankengeschichten steht der Bericht der Mutter einer siebenjährigen Rheumapatientin: „Als Daniela mit sechs Monaten ihre ersten Stehversuche machte, bemerkten wir, dass sie ihr rechtes Bein nicht belastete und das Kniegelenk leicht geschwollen war. Da die Beschwerden immer schlimmer wurden, wurde Daniela stationär in der Kinderchirurgie des LKH Graz aufgenommen. Nach längerem Krankenhausaufenthalt und vielen schmerzhaften Untersuchungen wurde Daniela mit der Diagnose ‚Abwarten“ wieder nach Hause geschickt. Nach weiteren drei Monaten war ein Strecken und Beugen ihres Beines aufgrund starker Schmerzen und der resultierenden Schonhaltung nicht mehr möglich. Zehen und Finger schwollen dick an, das linke Knie war auch betroffen. Eine neuerliche Aufnahme im LKH erfolgte. Viele Untersuchungen zeigten kein Ergebnis. Obwohl mehrere Ärzte den Verdacht auf Rheuma äußerten, wurde dieser vom zuständigen Kinderrheumatologen wiederholt abgewiesen, zumal die Rheumafaktoren immer unauffällig waren – was jedoch bei Kindern häufig vorkommt. In drei Etappen wurden die Beine von Daniela unter Vollnarkose zwangsgestreckt und vier Wochen von den Hüften abwärts in Gips gelegt.
Die Ärzte meinten: ‚Wenn ihre Beine gerade sind, wird sie schon anfangen zu laufen.“ Und wir sollten sie nicht so verwöhnen. Immer wieder wurde der Verdacht geäußert, Daniela sei geistig etwas zurückgeblieben, deshalb zeige sie kein Interesse am Gehen. Die Krankheit schritt jedoch ständig weiter, sodass bald alle größeren Körpergelenke betroffen waren. Auch die Konsultation von Privatärzten blieb erfolglos. In der Kinderrheumaklinik in Garmisch-Partenkirchen wurde bei der Erstuntersuchung sofort ‚schweres Rheuma“ festgestellt. Nach fünf Wochen Aufenthalt in der Klinik mit gezielten Schmerz- und Bewegungstherapien konnte Daniela im Alter von zweieinhalb Jahren ihre ersten Gehversuche unternehmen. Durch ein gezieltes Therapieprogramm gelingt es nun, die Rheumaschübe zu unterdrücken und die Fehlstellungen zu reduzieren.“ Für eine Früherkennung wichtig ist die Konsultation des richtigen Facharztes, wie Prim. Dr. Burkard Leeb, 2. Medizinische Abteilung Humanis Klinikum NÖ-Stockerau, feststellt. „Gelenksbeschwerden ohne traumatische Ursache sollten zunächst internistisch abgeklärt werden. Die internistische Rheumatologie ist im Vorfeld der Orthopädie anzusiedeln.“
Um die Aufmerksamkeit und den Wissensstand sowohl bei Laien als auch Ärzten zu verstärken, veranstalten die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR) und die Österreichische Rheumaliga (ÖRL) seit einigen Jahren bundesweit Rheumatage. Am 1. Oktober findet der 4. Wiener Rheumatag im Wiener Rathaus statt. Parallel zur ganztägigen Publikumsveranstaltung wird von 8 Uhr 30 bis 13 Uhr ein Ärzteseminar unter dem Titel „Rheumatologie – heute“ abgehalten.

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