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4. Juli 2005

M. Bechterew verläuft bei Frauen schmerzhafter

Lange galt Morbus Bechterew als eine rheumatische Erkrankung, die Männer stärker betrifft. Bei Frauen verläuft die Erkrankung allerdings etwas anders.

In Lehrbüchern der Inneren Medizin werde beim Morbus Bechterew heute noch häufig angegeben, dass das Verhältnis betroffene Männer zu betroffenen Frauen bei zwei bis drei zu eins liegt. Das berichtete Professor Ernst Feldtkeller, Vizepräsident der Internationalen M. Bechterew-Vereinigung, bei einer Veranstaltung in Berlin. Das gilt offenbar nicht mehr: „Aus den Ergebnissen einer detaillierten Befragung, an der sich 1.600 der etwa 3.000 Mitglieder der Internationalen Morbus Bechterew-Vereinigung beteiligt haben, können wir abschätzen, dass die Zahl der betroffenen Frauen und Männer in etwa gleich ist“, sagte Feldtkeller. Allerdings sei es bei Frauen schwieriger, die Erkrankung zu erkennen. Das erkläre wahrscheinlich, warum in Zeiten, in denen noch keine Magnetresonanz-Tomographie zur Beurteilung der Ileosakralfugen zur Verfügung stand, eher bei Männern als bei Frauen die Diagnose M. Bechterew gestellt wurde.

„Die oft diagnostisch wegweisende Versteifung der Wirbelsäule etwa verläuft bei Frauen langsamer und weniger vollständig“, sagte Feldtkeller. Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule seien deswegen bei Frauen oft weniger aussagekräftig. Diese langsamere Versteifung habe für die Frauen Vor- und Nachteile, wie Feldtkeller erläuterte: Zwar sei bei ihnen nach langjährigem Krankheitsverlauf die Beweglichkeit besser als bei Männern. Doch hätten Frauen mehr Schmerzen, die bei Männern, nicht aber bei Frauen nach Jahrzehnten der Erkrankung als Folge der zunehmenden Versteifung langsam zum Erliegen kämen. Feldtkeller: „Man kann also auch nicht sagen, dass der M. Bechterew bei Frauen milder verläuft. Das gilt vielleicht für die Röntgenbilder, aber nicht für die Beschwerden.“

Neue Schmerztherapie

Um M. Bechterew-Patienten mit starken Beschwerden, die auf NSAR nicht genug ansprechen, zu therapieren, steht seit Januar ein weiteres Biological, der TNF-Hemmer Etanercept, zu Verfügung. Die Zulassung beruht auf einer Phase III-Studie mit 277 Patienten mit aktivem M. Bechterew. Die Hälfte von ihnen erhielt zweimal pro Woche eine subkutane Injektion von je 25 mg der Substanz, wie Prof. Gerd-Rüdiger Burmester von der Charité in Berlin berichtet hat. In dieser Placebo-kontrollierten Studie wiesen 60 Prozent der Patienten in der Verumgruppe nach zwölf Wochen eine mehr als 20-prozentige Verbesserung des ASAS-Scores auf, so Burmester bei einer Veranstaltung eines Berliner Unternehmens. In der Placebogruppe sei das nur bei 27 Prozent der Patienten der Fall gewesen, was einen signifikanten Unterschied bedeutet.

„Etanercept sollte Patienten mit Morbus Bechterew angeboten werden, wenn zwei Therapieversuche mit unterschiedlichen nichtsteroidalen Antirheumatika erfolglos geblieben sind“, sagte der Rheumatologe. Man könne davon ausgehen, dass das bei etwa einem Viertel der Betroffenen der Fall sei. Generell sei ein BASDAI-Score, der trotz NSAR-Therapie über einem Wert von vier bleibe, nicht zufriedenstellend. Diese Patienten seien dann Kandidaten für eine Etanercept-Behandlung. Vor einer Etanercept-Therapie sei ein Tuberkulintest indiziert, so Burmester. Ist dieser ohne vorherige Impfung positiv, so sollte der Anti-TNF-alfa-Behandlung eine vierwöchige prophylaktische Therapie mit Isoniazid vorausgehen.

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