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30. Juni 2005

Akutversorgung in Krisensituationen

Krisen können spontan ausgelöst werden: Ein Todesfall, das Bekanntwerden einer schweren Erkrankung, ein Verkehrsunfall oder Situationen wie die (drohende) Trennung vom Lebenspartner, Verlust des Arbeitsplatzes, plötzliche hohe Schulden usw. "Krisen können sich aber auch über einen längeren Zeitraum entwickeln", betont Prim. Dr. Werner Schöny, Leiter der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz. Unterschiedliche Belastungen können allmählich zu einer Überforderung führen.
"Die Folge ist oft ein sozialer Rückzug, der für Außenstehende nicht so leicht erkennbar ist", so Schöny. Die Betroffenen vermeiden Kontakte und geraten immer stärker in Isolation - oft genügt dann ein geringfügiger Auslöser und die Krise wird akut.

"Gerade der Hausarzt sollte immer auch nach dem sozialen Umfeld, der aktuellen Lage zu Hause oder am Arbeitsplatz fragen", motiviert Schöny. Zum Erkennen einer Krise ist auch davon auszugehen, dass scheinbar harmlose oder belanglose Situationen für einen anderen Menschen schwerwiegend und konflikthaft sein können.

Keine inhaltlichen Diskussionen

"Worauf ein Betroffener angewiesen ist: Verständnis vom Gegenüber. Und: Nehmen Sie seine/ihre Aussagen ernst."
Wichtig ist aus Schönys Sicht bei psychischen Krisen, sich nicht auf inhaltliche Diskussionen einzulassen, sondern sich auf aktives Zuhören zu konzentrieren. Besonders bei Suizidäußerungen gilt es, rasch professionelle Hilfe zu organisieren: In Oberösterreich und teils auch in Salzburg gibt es Psychosoziale Notdienste, die von pro mente betreut werden. In Wien, Niederösterreich und Vorarlberg sind ähnliche Netzwerke im Aufbau bzw. gibt es sozialpsychiatrische Notrufstellen.

Christian Treweller, Geschäftsführer des Mobilen Hilfsdienstes Salzburg, betont: "Wichtig ist auch, dass Allgemeinmediziner gut darüber Bescheid wissen, welche Beratungs- und Betreuungsangebote es für Menschen in verschiedenen Krisensituationen gibt." Institutionen wie pro mente oder der Mobile Hilfsdienst bieten hier auch an, einen Überblick zu vermitteln und über aktuelle Entwicklungen am Laufenden zu halten.

Ambulante Psychosoziale Rehabilitation

Menschen mit z.B. Depression oder Schizophrenie haben neben ihrer Krankheit auch häufig mit Arbeitslosigkeit und gesellschaftlicher Isolation zu kämpfen, oft genug kommt es zu Job- oder Wohnungsverlust.
"Es reicht nicht aus, die Krankheit alleine zu behandeln", betont Treweller. Die "Ambulante Psychosoziale Rehabilitation" des Mobilen Hilfsdienstes Salzburg setzt hier in einer neuen Kooperation mit dem Land an. Wesentliches Ziel ist soziale Integration von Menschen mit psychischen und sozialen Beeinträchtigungen, die den Schritt aus einer stationären Einrichtung in ein eigenständiges Leben wagen wollen. Ebenso geht es um Menschen, die in einer Krisensituation auf Grund einer grundlegenden Änderung der Lebensumstände stehen und Hilfe benötigen, um sich und ihre Situation wieder zu festigen. 

Die Klienten werden kontinuierlich betreut. "Wir bemühen uns auch darum, ein Netzwerk mit verschiedenen Institutionen weiter auszubauen." Treweller betont, dass Institutionen wie dem Mobilen Hilfsdienst oder pro mente die enge Kooperation mit dem niedergelassenen Arzt wichtig ist.

Regelmäßiger Kontakt mit dem Arzt

"Bei immer mehr unserer Klienten stehen wir im regelmäßigen Kontakt mit dem Arzt - davon profitieren alle Beteiligten, und die Wahrscheinlichkeit für krisenhafte Situationen sinkt." Denn es geht eben nicht nur um die Behandlung irgendwelcher Symptome, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz.

Im Mobilen Hilfsdienst selbst arbeitet ein Team von derzeit neun diplomierten Sozialarbeitern, Psychologen und Behindertenpädagogen zusammen. Treweller sieht die vertragsmäßig abgesicherte Kooperation mit dem Land als wesentlichen Schritt zu einer umfassenden Betreuung an: "Je leichter und dezentraler der Zugang zu Beratung, Betreuung und Behandlung ist, desto eher können krisenhafte Situationen vermieden und Menschen mit psychischen Krankheiten oder Problemen wirklich unterstützt werden." Nötig wären dazu auch z.B. ausgelagerte Sozialstationen mit möglichst niederschwelligen Angeboten.

Literaturtipp: Wenn alles zu viel wird. Erste Hilfe bei psychischen Krisen, pro mente Oberösterreich, Figulystr. 32, 4020 Linz, Fax: 0732/65 13 55 - 68, E-Mail: findet sich übrigens seit kurzem auch eine Online-Beratung bei psychischen Problemen.

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