zur Navigation zum Inhalt
 
30. Juni 2005

Lese-Rechtschreibstörung ist nicht nur genetisch bedingt

Die Lese-Rechtschreibstörung ist eine komplexe Störung, die mit vielen Auffälligkeiten bei der visuellen und auditiven Wahrnehmung einhergeht.

Im Vordergrund der Schwierigkeiten steht die Unterscheidung von einzelnen Sprachreizen und Lauten, die in Folge zu einer gestörten Zuordnung von Laut zu Buchstabe und umgekehrt führen kann.
"Die Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) oder Legasthenie wird nach dem internationalen Klassifikationsschema der WHO zu den umschriebenen Entwicklungsstörungen gezählt", so Dr. Gerd Schulte-Körne von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Philipps-Universität Marburg. "Kennzeichnend sind trotz regelmäßigem Schulbesuch und ausreichender kognitiver Fähigkeiten ausgeprägte Schwierigkeiten, Lesen und/oder Rechtschreiben zu erlernen."
Diese Störung kann erheblich die soziale und psychische Entwicklung der Betroffenen beeinflussen. Der Anteil der Kinder, die zusätzlich emotionale Störungen und Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, liegt zwischen 10 und 60 Prozent. Häufig bleiben erhebliche Probleme bis ins Erwachsenenalter bestehen. Sowohl das Ausbildungsniveau als auch die Berufswahl sind von der Störung betroffen.

Schulte-Körne: "Die Forschung der letzten 20 Jahre hat zu einem wesentlich besseren Verständnis grundlegender Prozesse der visuellen und akustischen Wahrnehmung und Verarbeitung für die LRS beigetragen."
Anhand von Untersuchungen zu funktionellen Veränderungen kortikaler Hirnareale bei der LRS zeigte sich, dass bei Aufgaben zur phonologischen Bewusstheit temporo-parietale Areale der linken Hemisphäre bei den Betroffenen geringer aktiviert sind.
Die Bedeutung genetischer Faktoren für die LRS wurde in den letzten Jahren eingehend untersucht. "Familienuntersuchungen zeigen ein deutlich familiär gehäuftes Auftreten der LRS", so Schulte-Körner. "Anhand von Zwillingsstudien konnte gezeigt werden, dass der genetische Anteil an dieser komplexen Störung recht hoch, dass aber auch nicht genetische Störungen relevant sein müssen." Bisher wurden Kanidatenregionen auf mehreren Genen gefunden, nicht jedoch ein Kanidatengen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben