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30. Juni 2005

Bei Halsschmerzen auch an seltene Diagnosen denken

Eine 15,5 Jahre alte Patientin präsentierte sich mit Fieber, Halsschmerzen und Schwellung der rechten Halsseite. Der Hausarzt diagnostizierte eine Tonsillitis und verordnete ein orales Makrolid. Doch es kam anders.

Die Patientin fieberte weiter und wurde in stark reduziertem Allgemeinzustand im Spital aufgenommen. Im Thoraxröntgen zeigten sich als septische Absiedelungen multiple Rundherde, in der Halssonographie eine Thrombose der Vena jugularis interna rechts und im Schädel-MRT eine Läsion hochparietal links vereinbar mit einer Embolie.
Die Befundkonstellation führte zur klinischen Diagnose eines Lemierre-Syndroms, ein Erregernachweis gelang nicht. Unter entsprechender antibiotischer Therapie - empfohlen wird Penicillin und Metronidazol oder Clindamycin - wurde die Patientin beschwerdefrei und nach zwei Wochen entlassen.
Das Lemierre Syndrom ist eine selten diagnostizierte, jedoch lebensbedrohliche Infektion durch Fusobakterium necrophorum. Die Inzidenz ist 1,5/1 Million pro Jahr, die Mortalität beträgt 5-25 Prozent und steigt mit zunehmendem Alter. Betroffen sind junge Menschen mit einem medianen Alter von 19 (14-31) Jahren.
Der Erkrankungsbeginn ist eine Tonsillopharyngitis, gefolgt von einem Peritonsillarabszess, einer Thrombose der Vena jugularis interna sowie septischen Absiedlungen in Lunge, Gelenken und Knochen. Die Erreger können nur in speziellen anaeroben Kulturen gezüchtet werden.
Der vermehrte Einsatz von Makroliden in der Behandlung der Tonsillopharyngitis führt zu einem Inzidenzanstieg des Lemierre Syndroms.
Unerkannt versterben diese Patienten nach 7 bis 15 Tagen. Bei raschem Therapiebeginn heilt die Erkrankung folgenlos aus.

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