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4. April 2006

Um die Jugend ist es schlecht bestellt

Laut einer aktuellen umfangreichen Studie sind Kindheit und Jugend längst keine "Sturm-und-Drang-Periode" mehr, sondern zu einer Zeit des Bewegungsmangels geworden. Das durchschnittliche körperliche Leistungsvermögen von 11- bis 14-Jährigen in Österreich ist laut den Studien-Autoren schlicht "Besorgnis erregend".

Auf der 5. Präventions-Tagung des Fonds Gesundes Österreich im November in Wien zeigten ExpertInnen, wie Praxis-Projekte zur Prävention das Bewegungs- und Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen wirksam verbessern können. "Mit zunehmendem Alter sitzen Jugendliche immer häufiger vor dem Fernseher oder vor dem Computer", sagte Mag. Andrea Lehner bei der 5. Präventions-Tagung des Fonds Gesundes Österreich. "Laut der aktuellen HBSC-Studie der WHO sind Mädchen in noch höherem Ausmaß von Bewegungsmangel betroffen als Burschen", so die Mitarbeiterin der GIVE-Servicestelle für Gesundheitsbildung im Österreichischen Jugendrotkreuz (ÖJRK), einer Initiative von Bildungs- und Gesundheits-Ministerium sowie des ÖJRK.
"Das körperliche Leistungsvermögen der 11- bis 14-jJhrigen in Österreich ist in höchstem Maße Besorgnis erregend", heißt es auch in der "Klug-&-Fit-Studie" des Instituts für Sportwissenschaften der Universität Salzburg, bei der Daten von mehr als 65.000 SchülerInnen aus dieser Altersgruppe verglichen wurden. Der Untersuchung zufolge haben immer mehr Kinder und Jugendliche verkürzte und abgeschwächte Muskeln sowie eine geringe Ausdauerfähigkeit. Das könne dazu führen, so die StudienautorInnen, dass im Erwachsenenalter vermehrt Herz-Kreislauf-Leiden sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates auftreten.

Bewegungsmangel und falsche Ernährung

"Auch beim Ernährungsverhalten besteht ein hoher Bedarf für Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention", meinte Lehner bei der Präventions-Tagung des "Fonds Gesundes Österreich". Nur ein Drittel der Schulkinder erhalte täglich drei "richtige Mahlzeiten" und Gemüse werde nur von einer Minderheit von 16 Prozent der 11- bis 15-jJhrigen täglich gegessen. "Dafür essen deutlich mehr Kinder und Jugendliche täglich Süßes oder trinken gezuckerte Limonaden", so die Ernährungswissenschaftlerin.
Die Resultate einer Ernährung mit geringem Obst- und Gemüse-, aber hohem Fett- und Zucker-Anteil können im aktuellen Österreichischen Ernährungsbericht des Institutes für Ernährungswissenschaften der Universität Wien nachgelesen werden.
Dieser Studie zufolge sind Jugendliche häufig übergewichtig, speziell in der Gruppe der 13- bis 18-Jährigen. Für die Gruppe der männlichen Lehrlinge im Alter von 15 bis 18 Jahren stellte der Bericht sogar den mit elf Prozent "höchsten Anteil von therapiebedürftigem Übergewicht" unter allen Bevölkerungsgruppen fest.

Initiativen "ohne erhobenen Zeigefinger" sind wichtig

"Pädagogische Konzepte zur Prävention und Gesundheitsförderung können das Bewegungs- und Ess-Verhalten von Kindern und Jugendlichen wirksam verbessern", sagte Lehner. Allerdings seien Ansätze, die mit "moralisch erhobenem Zeigefinger" und "Appellen an die Vernunft" operierten, in der Praxis wenig Ziel führend. "Erfolg versprechende Konzepte bauen auf der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen auf und berücksichtigen auch die Entwicklung von gesundheitsfördernden Lebensumwelten. Sie bieten Aha-Erlebnisse, vielfältiges Experimentieren und eine Schulung der Wahrnehmung", so Lehner.

Projekt "Powerkids"

Ein Praxis-Beispiel dafür sei etwa das Projekt "Powerkids" in Oberösterreich, bei dem Fast Food nicht verdammt werde, sondern gesunde Kost als attraktive Alternative zu zuckerhaltigen Limonaden, Hamburgern und Chips dargestellt werde. "So wurde etwa bei der Initiative von Jugendlichen ein ,Fitburger?mit viel Gemüse und Kräutern kreiert", sagte Lehner. Und bei der Aktion "Als das Büro laufen lernte" in Osttirol hätten die Schülerinnen und Schüler eines Berufsschullehrgangs engagiert für die gemeinsame Teilnahme an einem Berglauf trainiert.

Bewegungsmangel erhöht Unfallgefährdung

Initiative "Mehr Sicherheit durch mehr Bewegung" des Instituts "Sicher Leben" in Wien setzt bei der Förderung gesunder Bewegung und der Prävention von Unfällen bereits im Kindergartenalter an. "Jährlich müssen rund 50.000 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren nach einem Unfall zu Hause, in der Freizeit oder beim Sport in ärztliche Behandlung", so die Projektleiterin Mag. Marion Jaros während der Präventions-Tagung in Wien.
Eine wesentliche Ursache dafür sei das veränderte Freizeit- und Spielverhalten. Leider nähmen heute für viele Kinder passive Tätigkeiten einen Großteil des Tagesablaufes ein. "Bewegungsmangel und Bewegungsunsicherheit führen zu einer höheren Unfallgefährdung der Kinder", so Jaros.
Die praktische Umsetzung des vom Fonds Gesundes Österreich geförderten Projektes umfasst eine Mappe, die verschiedenste Unterlagen zum Thema enthält - unter anderem Beispiele für Bewegungs-Spiele und andere Möglichkeiten körperlicher Aktivität für Kindergarten-Kinder. Die kostenlose Mappe wurde an alle Kindergärten in Österreich versendet.
An 40 ausgewählten Projekt-Kindergärten wurden zudem bereits Schulungen und Elternabende für den Bereich "Bewegungsförderung" abgehalten.
In Vorarlberg macht der Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) mit der munteren Maus "Maxima" als Symbol-Figur Kindergarten-Kindern gesundes Essen schmackhaft.
"Alle interessierten KindergärtnerInnen und Eltern werden in speziellen Maxima-Ernährungsseminaren über aktuelle Themen einer gesunden Kinderernährung informiert", meinte die Ernährungswissenschaftlerin Mag. Angelika Stöckler, Ernährungskoordinatorin beim aks Vorarlberg. Außerdem steht eine Informationsmappe zur Verfügung, die unter anderem rund 100 gesunde Rezepte speziell für Kinder umfasst. "Im Rahmen des Projekts können die Kinder gemeinsam im Kindergarten kochen und sie tragen ihre Erfahrungen dann auch begeistert in die Familien", sagte Stöckler. Eltern werden bei speziellen Veranstaltungen auch über die tatsächliche Zusammensetzung von im Handel erhältlichen so genannten "Kinderlebensmitteln" informiert.

Prävention gegen Übergewicht

"Derzeit beteiligen sich 90 von insgesamt 230 Vorarlberger Kindergärten am Projekt Maxima", freut sich Stöckler. Ziel der Initiative ist es, der ständig steigenden Zahl von übergewichtigen Kindern entgegen zu wirken.
Denn laut Angaben des aks hat sich in Vorarlberg innerhalb der vergangenen zehn Jahre die Zahl der übergewichtigen Kinder nahezu verdoppelt - die Ursachen sind bekannt: Fehlernährung und Bewegungsmangel.

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