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30. Juni 2005

Zappelphilippe werden oft erst zu spät therapiert

Hamburg. Hyperaktive Kinder haben meist schon mehrere konfliktreiche Jahre hinter sich, bis die Eltern Hilfe bei Kinderpsychiatern oder Psychologen suchen. Am erfolgversprechendsten schätzen die Eltern medikamentöse Therapien ein, wie eine deutsche Studie zur Lebenssituation von Kindern mit Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom mit oder ohne Hyperaktivität (ADHS) ergeben hat.

Für die Studie des Arbeitskreises Überaktives Kind e.V. (AÜK) und der Charité in Berlin wurden Eltern von Kindern mit diagnostiziertem ADHS gebeten, einen 17-seitigen Fragebogen auszufüllen. Darin wurden unter anderem Angaben zur Entwicklung des Kindes und zu seiner Behandlung erfragt. Mit Hilfe der Daten sollen diagnostische und therapeutische Standards bei ADHS verbessert werden.
1.242 Bögen seien bis August eingegangen, 800 ausgewertet worden, wie Barbara Hügl vom AÜK bei einer internationalen ADHS-Konferenz in Hamburg berichtet hat. Das Durchschnittsalter der Kinder lag bei 13,5 Jahren. Nach den Ergebnissen sind Pädiater die erste und häufigste Anlaufstelle für Kinder mit ADHS-Symptomen. Meist geschieht dies bereits im Alter von drei bis vier Jahren.
Bis die Eltern mit ihren Kindern zum Kinder- und Jugendpsychiater oder zum Psychologen gingen, verstrichen vier Jahre. "Die Kinder sind mittlerweile sieben bis acht Jahre alt und blicken meist schon auf mehrere konfliktreiche Jahre mit einem entsprechend geschädigten Selbstbild zurück", sagte Hügl bei der Veranstaltung.

Bei den meisten Kindern seien bereits mehrere Therapieversuche unternommen worden. Am häufigsten wurden Medikamente verschrieben (bei 519 Kindern), gefolgt von Ergo- (bei 380) und Verhaltenstherapie (bei 267). Die medikamentöse Therapie wurde insgesamt als die erfolgversprechendste bewertet. 

ÄZ
     

Krankheit und Familie

Chronisch krankes Kind bedeutet große Belastung

"Kinder und Jugendliche, die mit einer chronischen Krankheit umgehen müssen, haben ein reales somatisches Problem", so Prof. Dr. Ilse Götz, Universitäts-Kinderklinik, Wien. Allerdings würden die Art, wie Kinder mit ihrer Krankheit umgehen, und die Compliance der Therapien ganz wesentlich von psychischen und sozialen Faktoren beeinflusst. 

Chronisch krank bedeutet für die Betroffenen, entweder für unbestimmt lange oder für immer keine unmittelbare Chance auf Gesundung zu haben. Dennoch müssen die Patienten jeden Tag aufs Neue ein großes Maß an Motivation, Zeit und Energie aufbringen. Sie sollen medikamentöse Dauertherapien einnehmen oder Verhaltensmaßregeln beachten, um eine zufriedenstellende Lebensqualität zu erreichen oder einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes vorzubeugen. Dies sind gerade für erkrankte Kinder schwierige Lebensumstände. 

Allerdings belastet die chronische Erkrankung nicht nur das Kind. Vielmehr verändert sie das Leben einer Familie in allen Bereichen. "Wenn ein Kind erkrankt, ist die ganze Familie mitbetroffen und gehört in die Behandlung mit einbezogen", erklärt Götz. Für den betreuenden Arzt sei daher auch die Kenntnis des familiären Hintergrundes von Bedeutung. 

Die Krankheit eines Kindes ist nicht unbedingt das einzige Problem der Familie. Es müssen hier die familiären, sozialen oder auch finanziellen Ressourcen mit berücksichtigt und unterstützt werden. Allerdings müssen andere "Alltagsprobleme" und Stresssituationen ebenso bewältigt werden. "Familien mit einem chronisch kranken Kind sind nicht minder vulnerabel für andere belastenden Lebensereignisse. Life-events wie etwa Scheidung oder Arbeitslosigkeit müssen zusätzlich zum chronischen Gesundheitsproblem bewältigt werden." 

Die Behandlung sollte daher durch ein multidisziplinäres Team erfolgen, die Eltern müssen von Beginn an in die Behandlung einbezogen werden.

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