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30. Juni 2005

Vor Venenpunktion: Ablenkung und Analgesie

Die Angst, etwas falsch zu machen, hält manche Kollegen davon ab, Kinder ausreichend analgetisch zu behandeln, hieß es beim diesjährigen Deutschen Schmerztag in Frankfurt am Main. Da Kinder Schmerzen anders artikulieren als Erwachsene, wird die Schmerzintensität wohl oft auch unterschätzt. Wiederkehrende Schmerzen müssten ernst genommen und deren Ursache nachgegangen werden, fordert Dr. Boris Zernikow von der Vestischen Kinderklinik Datteln der Universität Witten/Herdecke. Sie förderten die Entwicklung kortikaler Engramme und damit das Entstehen der Schmerzkrankheit. Lokale Analgesie auch bei diagnostischen Maßnahmen wie Blutabnahmen sollten daher selbstverständlich sein. Dazu gehören etwa die vorherige Applikation einer anästhesierenden Salbe, aber auch Ablenkung wie zum Beispiel Rückwärtszählen.

Um die Schmerzintensität ermitteln zu können, sollten Schmerzmessungen mit Cartoon-Gesichtern (Smileys) vorgenommen werden. Dabei zeigen die Kinder an lachenden oder verstimmt wirkenden, bis hin zu stark verzogenen stilisierten Gesichtern wie sie sich fühlen. Dies ist vor allem bei krebskranken Kindern sinnvoll, von denen mehr als die Hälfte schon bei Diagnosestellung starke Schmerzen haben. Vor starken Opioiden brauche man bei diesen Kindern nicht zurückschrecken, so Zernikow. "Keinesfalls sollte das Kind von WHO-Stufe zu WHO-Stufe klettern müssen."

Wegen des schnelleren Stoffwechsels brauchen Kinder vergleichsweise höhere Dosen pro Kilogramm Körpergewicht als Erwachsene. Die Angst vor einer Suchtgefahr unter Opioid-Therapie sei bei Kindern unbegründet, so Zernikow. Körperliche Abhängigkeiten gebe es nach Ausschleichen der Therapie nicht. Da bei richtiger Dosis keine Euphorie hervorgerufen werde, könne auch keine psychische Abhängigkeit entstehen.

Die Freiburger Kinderärztin Brigitte Strahm hat bereits bei krebskranken Fünfjährigen gute Erfahrungen bei der Anwendung von Schmerzmittel-Perfusoren gemacht, die die Kinder selbst bedienen. Das mache sie nicht nur unabhängiger im Alltag, so Strahm. Aufzeichnungen hätten ergeben, dass der Analgetika-Verbrauch durch diese Methode sinke, da die Schmerzen schneller als bei konventioneller Bedarfsmedikation gelindert werden. 

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