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30. Juni 2005

Masern-Epidemie in Österreich befürchtet!

"Die besorgniserregende Masern-Seuche in Italien und Deutschland mit bereits mehr als 1.000 Masern-Erkrankungen allein in Bayern lässt befürchten, dass auch in Österreich eine neue Masern-Epidemie unmittelbar bevorsteht", berichtet Prof. Dr. Ingomar Mutz, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde und Vorsitzender des Impfausschusses. Da die Durchimpfungsrate gegen Masern, Mumps und Röteln in Österreich noch zu gering ist (schätzungsweise sind 15 Prozent jedes Jahrganges nicht oder nicht ausreichend gegen Masern geimpft) warnen die Experten vor einer Epidemie. 

Die WHO will Masern bis 2007 aus Europa eliminieren, dies kann allerdings nur durch eine Durchimpfungsrate von mehr als 95 Prozent erreicht werden. Da Masern in Österreich erst seit Dezember 2001 meldepflichtig sind, kann die Häufigkeit der Erkrankung bei uns im Moment nur geschätzt werden - laut Österreichischer Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde muss man derzeit mit mehreren hundert Erkrankungen pro Jahr rechnen. Masern, die "unterschätzte Kinderkrankheit", kann sich bei Nichtgeimpften dramatisch entwickeln. "Bei sieben Prozent der erkrankten Personen kommt es zu einer bakteriellen Superinfektion, acht Prozent entwickeln Fieberkrämpfe", beschreibt Mutz. Bis zu 20 Prozent der Infizierten durchleben Komplikationen wie eine Pneumonie, Otitis media oder Enzephalitis. 

In Industrieländern stirbt durchschnittlich eines von 1.000 infizierten Kindern. Bei Erwachsenen, die sich oft über Kinder anstecken, ist das Komplikationsrisiko extrem hoch. Im Jahr 2001 starben in Österreich zwei Personen an der seltenen Masernkomplikation SSPE, der subakut sklerosierenden Panenzephalitis. Einen nahezu vollständigen Schutz vor Masern-Infektionen bietet die zweimalige Masern-Mumps-Röteln-Impfung (im Impfplan 2002: Grundimmunisierung im 14. Lebensmonat, zweite Impfung noch im 2. Lebensjahr, sonst im 7. Lebensjahr). Bei Babys besteht die Gefahr einer Erkrankung ab dem 3. bis 6. Lebensmonat, wenn der Nestschutz der Mutter nachlässt. 

Die Schutzwirkung tritt sieben Tage nach der Impfung ein. Deshalb kann die Masern-Impfung auch als Expositionsimpfung bis zu 72 Stunden nach einem Kontakt mit einem Masern-Erkrankten eingesetzt werden. Versäumte Impfungen können jederzeit nachgeholt werden, auch bei Erwachsenen. Die Masern-Impfung wird allgemein gut vertragen. Mutz empfiehlt dringend allen Eltern, die Impfdokumentation ihrer Kinder zu überprüfen und das für Kinder kostenfreie Angebot der Masern-Mumps-Röteln-Impfung wahrzunehmen. Auch die Kollegen sind aufgerufen, generell den Impfschutz ihrer Patienten im Auge zu haben.

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