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30. Juni 2005

Komplementärmedizin: Bringt Beweise!

Gerade in der Pädiatrie ist der Wunsch vieler Eltern nach alternativen Therapien groß. Prof. Edzard Ernst, Leiter der Abteilung für Komplementärmedizin der "School of Sport and Health Science", Universität Exeter, Großbritannien, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die komplementärmedizinischen Methoden mittels modernem Studiendesign bezüglich "Evidence based medicine" (EBM) zu evaluieren.
Die Aufgabe gestaltet sich als schwierig und fragwürdig möglich, da die Ansatzpunkte vieler Methoden nicht in ein naturwissenschaftliches Studiendesign zu zwängen sind. Ernst: "Sich alleine auf Fallberichte zu stützen oder sich darauf zu berufen, dass die Methoden Jahrhunderte alt sind, ist mir zu wenig. Solche Erfahrungen sind zwar bedeutend, um eine Hypothese zu formulieren, nicht jedoch um sie zu beweisen." Dies seien unkontrollierte Daten, die an der Basis der Evidenzhierarchie stehen. 

Ernst zitiert hierbei mehrere Studien, die zeigen, dass bei kindlichem Asthma weder durch traditionelle chinesische Medizin, noch durch homöopathische Vorgehensweisen ein signifikanter Unterschied zur Placebobehandlung gegeben war. Die Studiendesigns sind naturgemäß sehr kompliziert gestaltet, um dem großen Individualismus in der Komplementärmedizin gerecht zu werden. Die Schwierigkeit besteht etwa darin, ein geeignetes Placebo für Akupunktur zu finden. Schließlich setzt selbst das Nadeln am falschen Punkt einen Reiz. 
Welche Effekte schlicht Placebo sind - etwa durch die meist intensivere Zuwendung durch komplementärmedizinisch tätige Ärzte - ist nicht leicht herauszufiltern. Die Frage, ob diese Methoden generell harmlos sind, werde im Blätterwald der Laienpresse häufig negiert, die "sanften" Methoden generell als nebenwirkungsfrei dargestellt. 

Dabei sollten, so Ernst, hier dieselben Sicherheitsaspekte gelten. "In der Phytotherapie ist die Sache einfach, da die Verhältnisse ähnlich wie in der Pharmakotherapie liegen. Allerdings zeigen sich bei den Produkten der chinesischen Kräutermedizin oft eine mangelnde Qualität, Verunreinigungen oder gar Toxizitäten der Substanzen, und es gibt kaum Auskünfte über Wechselwirkungen, die Anwendung bei Kindern und in der Schwangerschaft", kritisiert Ernst. Oft sei auch die Einstellung von Alternativmedizinern und Nichtmedizinern wie zum Beispiel Heilpraktikern bezüglich des Impfens nicht vertretbar.Ernst: "Die Evidence ist bei Kindern leider generell nicht allzu hoch."

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