zur Navigation zum Inhalt
 
30. Juni 2005

Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Der respiratorische Infekt ist besonders im Kindesalter eine der Hauptursachen für Konsultationen des Kinder- und Jugendarztes. Prof. Dr. Manfred Götz, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde, Wilhelminenspital, Wien: "Unkomplizierte Infekte des oberen Respirationstraktes kommen einerseits in der zumeist rezidivierenden Form - also sieben bis zehn Infekte pro Jahr - vor, andererseits können sie durchaus als Schutzmechanismus gegenüber der späteren Entwicklung einer Allergie angesehen werden. Diese beiden Botschaften sind wichtig, den Eltern betroffener Kinder mitzuteilen, denn die Erwartungshaltung und der Wunsch der Eltern kranker Kinder ist eine sofortige medikamentöse Therapie." 

Sinnvoll sei beim unkomplizierten Infekt, so sich das Kind in gutem Allgemeinzustand befindet, eine zuwartende Haltung, zumal zumindest 90 Prozent viral bedingt seien und eine antibiotische Therapie erst bei bakterieller Superinfektion sinnvoll sei. Götz: "Ich empfehle eine Antibiotikagabe bei länger als vier Tagen anhaltendem Fieber oder bei neuerlichem Fieberanstieg nach bereits stattgefundener klinischer Besserung. Entwickelt sich aus einer serösen Rhinitis eine putride oder kommen Komplikationen wie Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen und der tiefen Atemwege hinzu, muss ebenso unverzüglich antibiotisch therapiert werden."

Pneumonie

Das pathologische Substrat der Pneumonie ist eine entzündliche Alveolarverdichtung, häufig mit endobronchialem Exsudat. Klinisch sind hohes Fieber und Tachypnoe typisch. Die Ätiologie der kindlichen CAP (common acquired pneumonia) in Europa ist nach einer Untersuchung zu 51 Prozent bakterieller Genese (an erster Stelle Streptococcus pneumoniae mit 24, Mycoplasma pneumoniae mit zwölf und Hämophilus influencae mit zehn Prozent). 43 Prozent der tiefen Atemwegsinfektionen sind viral bedingt, zu 20 Prozent durch RSV (respiratory syncytial virus), acht Prozent Rhinoviren und fünf Prozent Adenoviren. Götz: "Zu den Adenoviren ist noch zu ergänzen, dass diese oft massive Erscheinungsbilder mit deutlich erhöhter BSG, bis zu Werten von 100, hervorrufen können."Nach einer Untersuchung von Coote/Mc Kenzie kann bezüglich der untersuchten Parameter Leukozyten, Granulozyten und C-reaktives Protein weder eine diagnostisch verwertbare Sensitivität noch Spezifität nachgewiesen werden. 

Diagnose und Therapie

"Die diagnostisch wertvollsten spezifischen Untersuchungen sind die Blutkultur, die Abnahme des Nasopharynealsekrets, Virusanzucht und die Serologie mit Bestimmung des Antikörpertiters", betont Götz, "bei unkomplizierter CAP ist die ätiologische Abklärung jedoch nicht angezeigt." Hier ist eine altersabhängige Therapiestrategie sinnvoll. So ist vom dritten Monat bis zum fünften Lebensjahr die Oraltherapie mit Amoxycillin empfehlenswert, gefolgt von Oralcephalosporinen und Makrolidantibiotika. Ab dem fünften Lebensjahr stellen die Makrolide das Mittel der Wahl dar.

Ein weiterer Vorteil in der Therapie mit Makroliden liegt im erfassten Erregerspektrum. Mycoplasma pneumoniae, Chlamydia trachomatis Serovar D-K und Legionella pneumophila als die häufigsten Erreger der atypischen Pneumonien sind mit Makroliden als Mittel der ersten Wahl zu behandeln.Bei abgeklärter, cytomegalievirusbedingter Pneumonie ist die Gancilcovirgabe indiziert, bei Infektion mit Herpes simplex Virus oder Varizella Zoster Virus besteht die Möglichkeit der Therapie mit Aciclovir. Amantadine und Rimantadine sind Indikationen bei Pneumonie mit Influenza A Virus.

Zu den prophylaktischen Maßnahmen gehören allgemein gültige Hygienemaßnahmen sowie Stillen und die Gabe von Vitamin A, sie können das Infektionsrisiko bei Säuglingen und Kleinkindern reduzieren. Die HIB (Hämophilus influenza B)-Impfung führt nachgewiesenermaßen zu einer geringeren Pneumonieerkrankungsrate. 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben