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30. Juni 2005

Keine Angst mehr vor Spritzen

Injektionen machen Angst. Für die meisten ist daher sicherlich die orale Verabreichungsform der angenehmste Weg, Medikamente einzunehmen. Um jedoch eine ausreichende und rasche Absorption und somit die Wirksamkeit einer Substanz zu gewährleisten, ist oft die Umgehung des Verdauungssystems notwendig.

Compliance fördern

"Es stellte sich für uns daher die Frage nach der für den Patienten schmerzfreiesten Form von Applikationsgeräten, um auch die Compliance der Therapie zu fördern", berichtete Vincent Pongpairochana, Direktor Patient Care Technologies, Laboratoires Serono S.A., Coisins/Schweiz, im Rahmen der 98. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am 19. September 2002 in Lepzig.

Pongpairochana: "In zahlreichen Studien zeigten sich als wichtigste drei Punkte eines idealen Verabreichungssystems die Schmerzfreiheit für den Patienten, die einfache Handhabung des Systems bei der Vorbereitung der Medikation und auf Reisen sowie die Möglichkeit der Kontrolle, was Lokalisation, Schnelligkeit und Art der Administration betrifft." Studien haben ebenso gezeigt, dass vor allem bei Kindern die Verabreichung von Injektionen großen Stress erzeugt und die Compliance der Medikamenteneinnahme stark durch schmerzhafte Erfahrungen geprägt wird.

Dipl. Psychologe Béla Bartus, Pädiatrisches Zentrum, Olgahospital, Stuttgart: "Eine täglich notwendige Injektion, wie sie beispielsweise bei der Substitution von Wachstumshormonen notwendig ist, stellt für viele Kinder und Jugendliche ein ernsthaftes Behandlungshemmnis dar. Übermäßige Injektionsängste können die Mitarbeit und Motivation deutlich verringern. Das mindert sowohl den Therapieerfolg als auch die Lebensqualität der Betroffenen." Untersuchungen zeigten, dass der Injektionsprozess durch automatische Injektor-Systeme, ob mit oder ohne Nadel, stark vereinfacht, der Schmerz reduziert, und so die Compliance der Patienten erhöht wird. Besonders Kinder zeigen deutlich mehr Interesse, aktiv an ihrer Therapie teilzunehmen. Bei einem Vergleich berichteten doppelt so viele Patienten von Schmerzfreiheit während der Injektion mit einem Auto-Injektor-System als bei manueller Spritzenverabreichung. Das Unternehmen Serono hat in den letzten Jahren daran gearbeitet, diesem Bedarf an geeigneten Applikationssystemen gerecht zu werden. Für die Verabreichung des Wachstumshormons (WH) Saizen® umfasst die Familie der Applikationssysteme derzeit drei Geräte: click.easy®, one.click®, ein System mit versteckter Nadel, und die neu entwickelte nadelfreie Applikationsform cool.click®. In einer Studie, die cool.click® in den USA testete, zogen 2:1 Patienten die nadelfreie Applikationsform gegenüber der Nadelinjektion in Hinsicht auf die Schmerzfreiheit vor.

Körperhöhe unter 3. Perzentile

"Definitionsgemäß besteht ein Kleinwuchs, wenn die Körperhöhe eines Kindes, bezogen auf das chronologische Alter, unter der dritten Perzentile liegt, bei Frauen die Endlänge unter 153 cm oder bei Männern unter 167 cm", erklärt Dr. med. Dirk Schnabel, Pädiatrische Endokrinologie, Universitätsklinikum Charite, Campus Virchow, Berlin, "Bei einem Kind mit Kleinwuchs wird zunächst die Wachstumsgeschwindigkeit betrachtet, anschließend ein Handröntgen angefertigt, wo sich dann ein retardiertes Knochenalter findet, biologisches Alter ist hinter dem chronologischen Alter zurück. Orientierend werden dann Wachstumfaktoren im Blut bestimmt (IGF 1, IGFBP). Bei erniedrigten Werten werden dann Wachstumhormon-Stimulationstests durchgeführt. Vor einer WH-Therapie muss ein MRT des Kopfes zum Ausschluss eines organbedingten Wachstumshormon-Mangels (Tumore) durchgeführt werden. Unter Substitutionstherapie mit biosynthetischem (rekombinant humanes) Wachstumshormon wie Saizen® ist es möglich, dass Wachstumshormon-Mangel-Patienten eine normale Endgröße erreichen. Die empfohlene Wachstumshormon-Dosierung beträgt 0,025-0,035 mg/kg täglich."Die WH-Therapie wird meist fortgeführt, bis der Patient ausgewachsen ist und eine Knochenreifung aufweist, die für einen 15- bis 16-Jährigen charakteristisch ist.

Indikationsgebiet für eine WH-Substitution ohne Vorliegen eines WH-Mangels bei Kindern ist beispielsweise das Turner-Syndrom. Eine genetische Störung, die nur bei Mädchen auftritt und durch Minderwuchs gekennzeichnet ist. Ebenso kann eine chronische Niereninsuffizienz Ursache für eine Wachstumsretardierung sein, die durch Gabe von WH verbessert werden kann.

Kindgerechte Handhabung

Die in der Wachstumshormontherapie verwendeten Spritzhilfen sollen neben einer sicheren, einfachen und kindgerechten Handhabung möglichst wenige oder gar keine angstauslösenden Eigenschaften aufweisen. So ist die bunte Farbgebung solcher Applikationshilfen nützlich, um bei pädiatrischen Patienten die primäre Hemmschwelle beim Umgang mit einem medizinischen Instrument zu senken. Die Wichtigkeit einer optischen Angstminderung zeigten auch die Ergebnisse einer multizentrischen Anwendungsbeobachtung mit dem Easyjet, die an 64 Zentren für Pädiatrische Endokrinologie durchgeführt wurde. Die überwiegende Zahl der Patienten hielt die Unsichtbarkeit der Nadel für eine wichtige Eigenschaft.Die Weiterentwicklung des Easyjet, nämlich one.click®, trug diesen Ergebnissen Rechnung. Durch weitere Optimierung von nadelfreien Systemen, wie dem cool.click® von Serono, konnte ein signifikanter Beitrag zur Erhöhung und Erhaltung der Patienten-Motivation und somit der Compliance geleistet werden.

Dr. Myriam Hanna-Klinger, Ärzte Woche 38/2002

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