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30. Juni 2005

Hitzestress ist schuld am SIDS

Seattle. Wärmestress ist der wesentliche pathogenetische Faktor für einen plötzlichen Kindstod (SID). Denn zwischen der thermalen Regulation und der Atmungskontrolle besteht ein enger Zusammenhang.

Die Wissenschaftler der medizinischen Hochschule der Universität von Washington in Seattle haben für diese Hypothese Publikationen zur Epidemiologie und Physiologie von Wärmestress im Zusammenhang mit SID ausgewertet. Als Wärmestress definierten sie dabei Konditionen, die zwar den Organismus belasten, aber die Körperkerntemperatur nicht erhöhen.

Bei ihrer Auswertung stellten sie fest, dass die meisten Faktoren, die bisher als Ursache für SID durch eine Atmungsbehinderung gegolten haben, letztlich auch durch Wärmestress erklärt werden können, wie etwa das Schlafen in der Bauchlage. Dies gilt als größter Risikofaktor.

Die Erklärung der Pädiater: Da die Rückenoberfläche weniger Wärmeabgabe erlaubt als die ventrale, kommt es zum Wärmestress. Auch eine Bettdecke über dem Kopf, Schlafen im warmen Bett der Eltern, auf zu weichen Matratzen oder Schaf- Fellen - all dies kann nicht nur einfach die Atmung behindern, sondern auch Wärmestress verursachen, wie die Pädiater berichten (Paediatrics 107/4, 2001, 693).

Die Risikofaktoren

Nur durch Wärmestress logisch erklärbar sind nach ihrer Ansicht Risikofaktoren für SID wie milde fiebrige Infektionen, exzessives Schwitzen, zu hohe nächtliche Temperaturen im Kinderzimmer, zu warme Bekleidung im Bett und Passivrauchen. So gebe es Hinweise aus Studien, dass der Wärmestress bei Infektionen Apnoen verlängert. Nikotin wiederum wirke vasokonstriktiv, und der verminderte Blutdurchfluss könne die Wärmeabgabe einschränken. Bei Kindern von Rauchern habe man zum Beispiel erhöhte rektale Temperaturen gefunden, erläutern die Wissenschaftler.

Der plötzliche Kindstod (SID) ist immer noch die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr. Zum Rückgang der Fallzahlen in den vergangenen Jahren beigetragen hat aber auch die Aufklärung über den Risikofaktor Bauchlage, meint Prof. Dr. Christian Poets, Pädiater an der medizinischen Hochschule in Hannover.

Eltern aufklären

Am Beispiel Bauchlage wird aber auch klar, dass es schwierig ist, Akzeptanz für die Warnung vor einem Risikofaktor zu finden, wenn dieser zunächst wenig plausibel erscheint. Dies erschwerte auch in der Ärzteschaft die Umsetzung der entsprechenden Empfehlungen.

Insofern ist es wichtig, so unterschiedliche Risikofaktoren wie Schlafen auf weichen Unterlagen oder in beheizten Räumen pathophysiologisch plausibel zu machen.

Poets plädiert für Aufklärung der Eltern im Rahmen der Neugeborenenuntersuchungen. Dabei besteht Gelegenheit, die Eltern auf vermeidbare Risikofaktoren hinzuweisen. Betont werden sollte nicht die Warnung vor dem angstbesetzten SID. Es kann auch unter dem Motto "was ist gut für mein Kind" aufgeklärt werden.

Folgende Tipps sind durch epidemiologische Studien gesichert:

  • Legen Sie Ihr Kind zum Schlafen auf den Rücken.
  • Kühl ist besser: 16 bis 18 Grad Celsius Raumtemperatur und eine dünne Decke oder ein Schlafsack reichen aus. Fühlt sich die Haut zwischen den Schulterblättern warm, aber nicht verschwitzt an, ist es Ihrem Kind weder zu warm noch zu kalt.
  • Achten Sie darauf, dass es nicht mit dem Kopf unter die Bettdecke rutschen kann. Kissen gehören nicht ins Säuglingsbett.
  • Lassen Sie Ihr Kind bei sich im Schlafzimmer, aber in seinem eigenen Bett schlafen.
  • Achten Sie auf eine rauchfreie Umgebung für Ihr Kind.
  • Stillen Sie, solange es möglich ist.
  • Nimmt Ihr Kind einen Schnuller, so sollte es diesen zu jedem Schlaf bekommen.

Nur durch konsequente Information aller Eltern von Säuglingen über vermeidbare Risikofaktoren lässt sich die Tragödie "plötzlicher Kindstod" wirksam bekämpfen.

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