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30. Juni 2005

Neuroblastom-Screening macht keinen Sinn

Ein flächendeckendes Programm zur Früherkennung des Neuroblastoms bei Kleinkindern ist nicht sinnvoll. Das ist das Ergebnis eines Modellprojekts. Die Studie war als kontrollierte Screening-Evaluierung aufgebaut. In Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wurde 2,6 Millionen Kindern der Geburtsjahrgänge 1994 bis 1999 der Test angeboten, der Stoffwechselprodukte von Neuroblastomzellen im Urin nachweist. Die restlichen zehn Bundesländer dienten als Kontrollgebiete. 1,5 Millionen Kinder haben freiwillig teilgenommen. 

Der Sekretär des Projekts, Dr. Freimut H. Schilling vom Olgahospital in Stuttgart sagte zur deutschen ÄrzteZeitung: "Beim Vergleich der Untersuchungsgruppe und der Kontrollgruppe fanden wir keine Unterschiede, weder bei der Zahl der Kinder mit metastasierten Stadien des Neuroblastoms noch in der Sterblichkeit." Es habe zwar unter den Screeningteilnehmern tatsächlich eine höhere Inzidenz niedriger Neuroblastomstadien als bei der Kontrollgruppe gegeben, es wurden also auch Tumoren gefunden, die vielleicht niemals Krankheitswert für das Kind bekommen hätten, die also spontan hätten heilen können. Diese überdiagnostizierten Neuroblastome lassen sich leider klinisch nicht von der aggressiven Form unterscheiden. Schilling: "Wir müssten diese Kinder und ihre Eltern also unnötig mit einer Diagnose und Therapie belasten, die keinen Nutzen hat. Wir haben einerseits Erkenntnisse über die Biologie und das Wachstumsverhalten von Neuroblastomen aus der Studie gewonnen, zum andern gesehen, dass neue Screening-Verfahren geprüft werden müssen, bevor man an eine Einführung denkt. Denn es spart auch Kosten, wenn man den Test jetzt nicht einführt." 

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