zur Navigation zum Inhalt
 
30. Juni 2005

Drei Viertel aller krebskranken Kinder überleben

"Die Krebsbehandlung im Kindesalter stellt für die betroffenen Patienten und ihre Familien einen ständigen Wechsel zwischen Krise und Normalität dar, der neben der professionellen hämato-onkologischen Betreuung auch die forcierte, multidisziplinäre Hilfe eines psychosozialen Betreuungsteams erfordert", betont Prof. Dr. Herwig Lackner, Abteilung für pädiatrische Hämatologie an der Universitätsklinik Graz.

Mit der Diagnosestellung wird die betroffene Familie aus dem normalen Alltagsleben gerissen und in die krisenhafte Situation einer lebensbedrohlichen Erkrankung gestürzt.Im onkologischen Erstgespräch wird nicht nur die für die Patienten und ihre Angehörigen erschütternde Diagnose mitgeteilt, sondern es werden auch die Strategien zur Überwindung der Krebserkrankung vorgestellt, die dazu erforderlichen Maßnahmen wie Dekontamination, Chemotherapie und ihre Nebenwirkungen und allfällige Einschränkungen des normalen Alltagslebens. Lackner: "Vor allem aber muss eine auf gegenseitigem Vertrauen aufgebaute Schicksalsgemeinschaft etabliert werden, was nicht zuletzt auch in der schriftlichen Einwilligung der Patienten oder ihrer Eltern zur onkologischen Behandlung münden soll.? Dass dieses heikle Erstgespräch nur von den erfahrensten Mitgliedern des onkologischen Teams geführt werden darf und im Verlauf der darauffolgenden Tage noch zahlreiche weitere Gespräche erforderlich sind, verstehe sich von selbst, so der Onkologe.

Krisenhafte Phasen

Während der Phase der onkologischen Akuttherapie durchleben die Patienten einerseits krisenhafte Phasen der onkologischen Intensivtherapie und andererseits intermittierende Ruhe- und Erholungsphasen, in denen fast so etwas wie ein normales Alltagsleben wieder einkehrt. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass für die betroffenen Kinder und Jugendlichen neben der Angst vor Schmerzen oder auch vor dem Tod vor allem die Einschränkungen ihrer Alltagsaktivitäten als besonders belastend empfunden werden.

Die Gefühlssituation der betroffenen Angehörigen schwankt zwischen Schock, Zorn, Schuldgefühlen, nicht wahrhaben wollen und der Suche nach dem Warum. Viele Familien sind durch die plötzlich aufgetretene Pflegebedürftigkeit des Kindes existenziell gefährdet, die extreme Situation kann auch von manchen Partnerschaften nicht bewältigt werden. Zahlreiche psychosoziale Hilfsangebote von der Kinderkrebshilfe, über Selbsthilfegruppen oder Feriencamps bis hin zu familienorientierten Rehabilitationsmöglichkeiten sollen Familien unterstützen. 

Spätfolgen frühzeitig erkennen

"Nach Abschluss der onkologischen Therapie beginnt der langsame Prozess einer Rückkehr von der Krise ins Alltagsleben", gibt Lackner zu bedenken. Hauptprobleme der Nachsorge sind dabei die ständige Bedrohung durch ein mögliches Rezidiv der Erkrankung beziehungsweise die rechtzeitige Erfassung und Behandlung von tumor- oder therapiebedingten Spätfolgen. "Da 75 Prozent sämtlicher Kinder mit Krebserkrankung eine realistische Chance haben, ihre Erkrankung dauerhaft zu überleben, ist es besonders wichtig, Spätfolgen wie neurologische Defizite, endokrine Ausfälle, kardiale Spätschäden oder chronische Infektionen - zum Beispiel Hepatitis - rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln", betont Lackner. Rezente Studien konnten zeigen, dass zirka ein Drittel aller überlebenden Kinder mit bleibenden Spätschäden zu rechnen haben, die eine länger dauernde medizinische Betreuung erfordern.

Vortrag im Rahmen des 33. Kongresses für Allgemeinmedizin, Graz, November 2002

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben