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30. Juni 2005

Wenn's Kindern im Bauch arg zwickt

Bei Kindern mit akuten Bauchschmerzen erschweren eingeschränkte Kooperation und Kommunikation häufig die Anamnese und Untersuchung. Um rasch eine geeignete Therapie zu finden, ist es daher besonders wichtig, eine sichere bildgebende Untersuchungsmethode zu wählen.
Zu den häufigsten Ursachen eines akuten Abdomens gehört bei Schulkindern unter anderen die Appendizitis. Die Verdachtsdiagnose ist nach wie vor mit Abstand die häufigste Indikation zur radiologischen Untersuchung und zur Laparotomie, wie Dr. Marcus Hörmann von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien, in der "Monatsschrift Kinderheilkunde" (2002, 150, 1044) berichtet. Denn auch wenn klinische Untersuchung und Labor die Grundpfeiler der Diagnose seien, so ergäben sich dabei doch bei etwa 30 Prozent der Kinder untypische Befunde, die eine weitere Klärung mit bildgebenden Verfahren erforderten. Dies sei vor allem bei Mädchen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren mit akuten Bauchschmerzen häufig der Fall.

Alternativ zur Röntgenübersichtsaufnahme lässt sich dabei nach Erfahrung von Hörmann auch mit einem Sonogramm die Diagnose sichern. Dieses Verfahren habe den Vorteil, dass es keine ionisierende Strahlung gebe, dass es gut verfügbar und dass es kostengünstig sei. Zur Beurteilung des Gastrointestinaltraktes empfiehlt der Radiologe einen linearen Schallkopf mit 10 MHz, zur Beurteilung parenchymatöser Organe einen Curved-array-Schallkopf mit 7 MHz Frequenz. Eine akute Appendizitis präsentiere sich damit als echoreiches, ödematöses Fettgewebe. Es zeigten sich eine - etwa vom Zökalpol ausgehend - blind endende tubuläre Darmstruktur ohne Peristaltik, die nicht komprimierbar ist, mit verdickter Wand sowie möglicherweise verdickten Lymphknoten.

Auch differenzialdiagnostisch, so Hörmann, liefere der Ultraschall gute Hinweise. Bei der Lymphadenitis mesenteralis etwa, einer der häufigsten Differenzialdiagnosen, könne man sonographisch - periumbilikal beginnend und in den rechten Unterbauch reichend - multiple bis zu zwei Zentimeter große Lymphknoten erkennen. Die Darmperistaltik sei normal; in seltenen Fällen könne begleitend freie Flüssigkeit auftreten. Weitere Differenzialdiagnosen, die sonographisch gesichert werden könnten, seien eine akute Gastritis, Ovarialerkrankungen wie Zysten oder Nierenerkrankungen wie eine Pyelonephritis oder Ureterabgangsstenosen.

Ursachen des akuten Abdomens beim Schulkind sind 

  • Appendizitis 
  • Ovarialerkrankungen, torquierte Zysten 
  • Nierenerkrankungen, Pyelonephritis, Hydronephrose, Ureterabgangsstenose, Konkremente, Refluxerkrankungen, 
  • Trauma 

Zur Häufigkeit der akuten Appendizitis

Wie oft ist beim akuten Abdomen tatsächlich der Blinddarm schuld oder eine Lymphadenitis mesenterialis oder eine Urogentialerkrankung? Hörmann verdeutlicht die Häufigkeit an einem Beispiel: "In der knapp zwei Millionenstadt Wien waren im Jahre 1998 insgesamt 35.777 Kinder hospitalisiert. Davon waren 775 wegen einer akuten Appendizitis und 2.419 wegen einer Urogenitalerkrankung aufgenommen worden - inklusive Ovarialzysten, Zystentorsion, Pyelonephritis, Reflux, Ureterabgangsstenose."

Genaue Angaben über die Häufigkeit einer Lymphadenitis mesenterialis seien jedoch schwierig, da ein Großteil der betroffenen Kinder gar nicht zum Arzt komme. Aus seinen Erfahrungen weiß Hörmann jedoch, dass bei den Kindern, die zur Klärung eines akuten Abdomens zur Utraschalluntersuchung kommen, drei- bis viermal häufiger eine Lymphadenitis mesenterialis als eine akute Appendizitis vorliegt.Bei den allermeisten Kindern mit akuten Bauchschmerzen finde sich jedoch kein sonographisches Korrelat, so der Radiologe. 

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