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30. Juni 2005

Kinder mit Herzfehlern: Fast allen ist zu helfen

"Es gibt gar keinen Zweifel, dass eine neue Patientengruppe heranwächst - die Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern", konstatierte der Würzburger Kinderkardiologe Prof. Dr. Klaus Sandhage auf einem Symposium an der Universität Würzburg. Denn aufgrund der immer besseren medizinischen Möglichkeiten können inzwischen fast alle Kinder mit Herzfehlern behandelt werden, so dass auch Patienten mit mittelschweren und schweren Herzfehlern das Jugend- und Erwachsenenalter erreichen. Allerdings zeichne sich allmählich ab, dass jeder zweite der als Säugling oder als Kind wegen eines Herzfehlers operierten Patienten später Herzprobleme hat. 

Was ist heute bekannt über den Langzeitverlauf bei den häufigsten Herzfehlern? Kinder mit gering- oder mittelgradigen Pulmonalklappenstenosen entwickeln sich oft bis in das Erwachsenenalter normal. Anders Kinder mit einer Aortenklappenstenose: Bei 60 Prozent von ihnen nimmt auch bei geringgradigen Klappendefekten die Stenose zu, was eine Therapie erfordert. Die Operation oder Intervention bewirkt bei Kindern mit diesen Herzfehlern rasch eine klinische Besserung, eine Herzhypertrophie bildet sich zurück. Die Langzeitergebnisse bei wegen einer Pulmonalklappenstenose operierten Patienten seien gut, so Sandhage.

Ventrikuläre Arrhythmien

Auch nach Dilatation einer Aortenklappenstenose gebe es über lange Zeit zufriedenstellende Ergebnisse. Allerdings entwickele sich bei vielen Patienten eine Aortenklappeninsuffzienz mit einem erhöhten Risiko für ventrikuläre Arrhythmien. Und bei etwa 35 Prozent der Patienten komme es nach 15 bis 20 Jahren aufgrund von Verkalkungen und Fibrosierungen an der Klappe zu einer Restenosierung, die einen Aortenklappenersatz erforderlich mache. Beispiel Vorhofseptum- und Ventrikelseptumdefekt: Generell gilt, dass kleine oder mittelgroße Vorhofseptumdefekte sich oft spontan verkleinern oder von selbst verschließen. Ähnliches gilt für geringergradige Ventrikelseptumdefekte. Daher könne, wenn keine Beschwerden bestehen, erst einmal abgewartet werden - oft bis in die zweite Lebensdekade.

Ist aufgrund klinischer Symptome bei höhergradigen septalen Defekten eine frühere Behandlung - zumeist der Verschluss mit einem Schirmchen beim Vorhof- und einem Patch beim Ventrikelseptumdefekt - jedoch erforderlich, ist der Zeitpunkt der Behandlung für die Prognose entscheidend: Er liegt etwa bei Kindern mit einem mittelgradigen Vorhofseptumdefekt im Vorschulalter, bei Kindern mit Beschwerden aufgrund eines Ventrikelseptumdefektes oft schon in den ersten Lebensmonaten oder Jahren. Werde rechtzeitig operiert, so Sandhage, sei die Prognose meist gut. Aber: Fünf bis zehn Prozent der Patienten, die wegen eines Ventrikel-Septumdefektes operiert wurden, haben einen Restdefekt oder bekommen ein Rezidiv.

Beispiel Fallot’sche Tetralogie: Trotz mittelfristig guter Ergebnisse der Operation hätten diese Kinder später häufig eine rechtsventrikuläre Dysfunktion und eine reduzierte Belastbarkeit. Zudem entwickelten sich oft eine Pulmonalklappeninsuffizienz und Rhythmusstörungen. "Hieraus ergibt sich, dass jeder Patient, bei dem nach Korrektur eines angeborenen Herzfehlers Zweifel daran bleiben, ob er wirklich geheilt ist, langjährig betreut werden muss", so Sandhage. Geachtet werden sollte: auf Zeichen einer chronischen Herzinsuffizienz oder chronischen Hypoxie, auf Arrhythmien oder eine bakterielle Endokarditis, zudem auf rezidivierende pulmonale Infekte oder die Progression von Lungengefäßerkrankungen.

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