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30. Juni 2005

Zeitbombe kindliche Haltungsschäden

"Routineuntersuchungen zeigen bei 65 Prozent der 12- bis 14-jährigen Schüler Haltungsschwächen, die Tendenz dieser unglücklichen Entwicklung ist steigend", eröffnet Doz. Mag. DDr. Anton Wicker, Vorstand der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation an den Landeskliniken Salzburg seinen Vortrag am 35. Pädiatrischen Fortbildungskurs in Obergurgl Ende Jänner. "Die Prävention von kindlichen Haltungsschäden stellt bei den heutigen Verhaltensweisen der Kinder eine wesentliche gesellschaftliche Komponente dar."

Spielen als gutes Ausdauertraining

Viele Verhaltensweisen seien bewegungsfeindlich. Es handle sich hierbei um eine Zeitbombe, die jetzt geladen werde und in nicht ferner Zukunft explodieren könne. "Als Form der Prävention ist eine Gesundheitskultur als Zielsetzung einer bewegungskulturellen Gesundheitserziehung anzusehen - mehr körperliche Bewegung in den Alltag." Um Kraft, Koordination, Schnelligkeit, Rumpfstabilität, aber auch psychische Belastbarkeit und die Leistung des Immunsystems verbessern zu können, ist ein Grundmaß an Ausdauer notwendig. Wicker: "Ausdauertraining sollte vielfältig sein. Besonders im Bereich des Kindertrainings kommt den zahllosen Spielformen die größte Bedeutung zu."  Durch Freude am Spiel kann die Ausdauer von Kindern "unbemerkt" trainiert werden. "Der Alltag eines Kindes sollte täglich mindestens zwei bewegte Spielstunden enthalten", rät Wicker.

Die Nutzung natürlicher "Präventionsgeräte" gibt Anregungen für alle motorischen Grundeigenschaften (Wald, Wiese, Wege, Sand, Schotter, Steine...). Koordinative Fähigkeiten wie Geschicklichkeit, Gewandtheit, Stabilisierungsfähigkeit und Gleichgewicht können optimal trainiert werden. "Das Beherrschen des Ungleichgewichts, ein Wechselspiel zwischen Chaos und Qualität zwingt uns dazu, das Gleichgewicht zu suchen, nur um es kurz nach dem Erreichen wieder zu verlieren. Ein Vorgang, der nicht nur die körperliche Komponente, sondern das Leben selbst beschreibt", erläutert Wicker anschaulich.

Bewegungsrepertoire erlernen lassen

Die Kennzeichen jedes guten Bewegungslernens sind Komplexität, Abwechslung und Kontinuität, das laufende Entwickeln eines großen Bewegungsrepertoires und vielseitige Bewegungserfahrungen. "Besseres Gleichgewicht bedeutet bessere Sensomotorik, bessere Stabilisierungsfähigkeit und somit mehr Bewegungssicherheit", zeigt Wicker auf. "Eines der Hauptziele ist die optimale Stabilisierungsfähigkeit, insbesondere die Stabilisierung des Rumpfes. Diese korreliert eng mit der Stabilisierungsfähigkeit der peripheren Gelenke."  Eine funktionsfähige, kräftige Muskulatur ist der beste Schutz für Wirbelsäule und Gelenke. Wicker: "Krafttraining umfasst aber nicht nur Hanteltraining oder Training an Kraftmaschinen, sondern auch das Bewältigen des eigenen Körpergewichtes kann schon ein Maximalkrafttraining darstellen." Krafttraining beginnt bereits im Säuglingsalter und kann durch spielerisches Anbieten (z.B. Partnerübungen) gefördert werden. "Bei allen Übungsangeboten sollte im Kindes- und Jugendlichenalter der Zugkraft gegenüber der Druckkraft der Vorzug gegeben werden. Aber auch Kräfte mit höherem Impactfaktor finden ihre Berechtigung in der Entwicklung des ’peak bone mass’. Dies ist besonders zu berücksichtigen, da die Osteoporose in Zukunft auch ein Problem des Kindesalters sein wird", so abschließend Wicker. "Der Einsatz von Kraftgeräten und Hanteln im Training von Kindern gehört in die Hände von hochqualifizierten Trainern!"

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche 8/2002

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