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30. Juni 2005

Stammzellen: Fiktion oder Chance für die Pädiatrie?

Die Stammzellenforschung bietet für eine Vielzahl schwerkranker Patienten auch im Kindesalter eine gute Chance auf Heilung oder zumindest Linderung.

„Die Stammzellenforschung ist gegenwärtig eines der innovativsten und spektakulärsten Felder der medizinischen Wissenschaft“, erläuterte Dr. Wolfram Ebell von der Charité Kinderklinik, Berlin, auf einem Symposium zum Thema „Neue Möglichkeiten zellulärer Therapien“ auf der 100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde in Berlin. „Hoffnungen und Risiken dieser Forschungsrichtung sollen unter dem speziellen Aspekt der Kindermedizin kritisch beleuchtet werden.“

Kontroversielle Diskussion

Ebell sieht die Diskussion um die Stammzellentherapie dabei durch mehrere Faktoren belastet: l die kontroverse ethische Grundsatzdebatte im Zusammenhang mit embryonalen Zellen,

  • die bisweilen voreingenommene Diskussion über die Wertigkeit von adulten versus embryonalen Stammzellen
  • und die medienwirksam inszenierten, häufig jedoch unverantwortlichen Sensationsexperimente, die der Sache mehr schaden als nützen.

Dabei ist das Thema Stammzelle nicht ganz neu, nachdem die am besten erforschte Art der adulten Stammzellen – nämlich die Knochenmarkszelle – schon seit mehr als 30 Jahren in die Therapie Eingang gefunden hat. Es waren vor allem Kinder, die aus zahlreichen Gründen zu Beginn transplantiert wurden, und das erfolgreich. Heute bietet die Übertragung blutbildender Stammzellen bei Kindern nicht nur eine Therapieoption bei Leukämien, sondern auch bei einer Vielzahl von erworbenen und angeborenen Störungen der Blutbildung, des Abwehrsystems und des Stoffwechsels.

Internationale Spenderbanken

Möglichst allen Kindern sollte ein potenzieller Spender zur Verfügung stehen. Die wichtigsten Meilensteine sind:

  • der Aufbau internationaler Spendenbanken: Mittlerweile gibt es weltweit mehr als acht Millionen registrierte Spender – die Chance einer erfolgreichen Suche beträgt derzeit 80 Prozent,
  • die Nutzung von Stammzellen aus Nabelschnurblut
  • und die Entwicklung spezieller Stammzellenaufbereitungsverfahren, die notfalls auch Familienmitglieder als Stammzellenspender möglich machen.

„Neu und in der Tat spektakulär sind jedoch die zahlreichen Hinweise der letzten Jahre, dass auch andere Gewebe ebenfalls über Zellen mit Stammzellcharakter verfügen, oder Stammzellen des Knochenmarks sich in andere Gewebe wie Leber-, Knochen-, Herz- und Nervengewebe weiterentwickeln können“, begeisterte sich Ebell. Daran knüpfe sich die Hoffnung, dass diese Zellen eines Tages eine wichtige Rolle bei der Geweberegeneration spielen oder gar dem Ersatz von Organen oder Knochentransplantaten dienen könnten.„Sorgfältige wissenschaftliche Prüfungen müssen noch erfolgen, um den Stellenwert dieser Therapieform bei den einzelnen Erkrankungen endgültig zu beurteilen. Die Stammzellenforschung bietet für eine Vielzahl schwerkranker Patienten auch im Kindesalter eine gute Chance, Heilung oder zumindest Linderung der Krankheit zu erzielen“, so Ebell und er betonte die neuen Möglichkeiten bei Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen.

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