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30. Juni 2005

Unterschätzte Feuchtblattern

Ergebnisse von Studien zeigen, dass schwere Verläufe bei etwa 15 Prozent, Komplikationen bei fünf Prozent und Hospitalisierung bei etwa einem Prozent aller VZV-Infektionen passieren.

„Windpocken oder Feuchtblattern sind eine harmlose Erkrankung. Dies ist eine weit verbreitet Meinung unter Eltern“, so Prof. Dr. B. Schneeweiß von der Ostseeklinik Kühlungsborn auf der 100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde Mitte September in Berlin. „Schließlich überstehen über 90 Prozent aller Kinder bis zu ihrem 10. Lebensjahr die Windpocken unkompliziert.“ Erwachsene blieben in nur etwa vier Prozente der Fälle für Varizellen empfänglich. „Demgegenüber stehen Ergebnisse neuerer Studien, die schwere Verläufe bei etwa 15 Prozent, Komplikationen bei fünf Prozent und Hospitalisierungen bei zirka einem Prozent aller VZV-Infektionen ermitteln“, führt eSchneeweiß weiter aus. Hier seien nicht nur bakterielle Superinfektionen, sondern auch Pneumonien und akute neurologische Erkrankungen zu nennen. „Die bisherige Impfstrategie – Indikationsimpfungen von Risikogruppen – brachte nicht den gewünschten Effekt. VZV-Infektionen in der Schwangerschaft oder bei onkologischen Patienten stellen nach wie vor eine Bedrohung dar.“ Internationale Erfahrungen mit einer generellen Kinderimpfung lägen vor und zeigten einen drastischen Rückgang der Erkrankungs-, Komplikations- und Hospitalisierungsrate. In Japan gibt es positive Erfahrung seit über 20 Jahren, in den USA seit zirka zehn Jahren. Auf die Frage, ob eine Varizellen-Impfung vor späterem Zoster schütze, antwortete Schneeweiß: „Man kann sagen, dass es zu einem selteneren Ausbruch von Zoster kommt und wenn, dann wesentlich schwächer. Die nicht selten schwierige Therapieherausforderung einer Post-Zoster-Neuralgie stellt sich somit auch weniger.“

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