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17. Oktober 2005

Drogensucht der Mutter gefährdet Baby

Kinder mit NAS zeigen Störungen zentralnervöser Funktionen, autonome Dysregulationszeichen sowie gastrointestinale und respiratorische Symptome.

Illegale Drogen gefährden den Fetus und das Neugeborene durch dia­plazentare Übertragung mit intrauteriner Abhängigkeitsentwicklung sowie Entzugskomplikationen der Schwangeren. Begleitfaktoren wie Co-Konsum, niederer sozioökonomischer Status, Mangelernährung und unzureichende medizinische Betreuung in der Gravidität aggravieren die Morbidität. Weitere Risikofaktoren sind die erhöhte Inzidenz viraler Infektionen und sexuell transmitted diseases. Es resultieren in der Neonatalperiode Probleme der Frühgeburtlichkeit, intrauteriner Wachstumsretardierung und Mikrozephalie. Kinder substanzabhängiger Mütter tragen ein erhöhtes Risiko vertikal übertragener Infektionen sowie für Asphyxie und Atemnotsyndrom. Im Vordergrund der Morbidität steht jedoch das mitunter schwer verlaufende Neonatale Abstinenzsyndrom (NAS).

Zunehmende Bedeutung

Das Outcome der Kinder hängt sowohl von der Effizienz der antenatalen als auch der postnatalen therapeutischen Maßnahmen ab. Das NAS – vorwiegend nach intrauteriner Opoidexposition – gilt seit 30 Jahren als eigenständiges Erkrankungsbild und hat in den letzten 20 Jahren mit zunehmender Verbreitung des Drogenkonsums und der gestiegenen Anzahl drogenabhängiger Schwangerer an Bedeutung gewonnen. Das NAS ist ein vielfältiges klinische Krankheitsbild mit Störungen zentralnervöser Funktionen, autonomer Dysregulationszeichen, gastrointestinaler und respiratorischer Symptome. Die Inzidenz liegt bei 50-95 Prozent, der Manifestationszeitpunkt innerhalb der ersten 48 bis 72 Stunden postnatal. Die Diagnose basiert auf der mütterlichen Drogenanamnese und kindlichen Klinik. Bei unklarer Anamnese bestätigen, nach differenzialdiagnostischem Ausschluss von Erkrankungen ähnlicher Symptomatik, toxikologische Substanzbestimmungen die Diagnose. Mittels Finnegan Score werden Manifestationszeitpunkt, Schwere und Dauer des kindlichen Entzugs sowie Therapienotwendigkeit erfasst. Diskrete Symptome werden durch „supportive care“ gemildert. Schwere Entzugssyndrome bedürfen einer medikamentösen Therapie mit strenger Indikationsstellung und einheitlichem Vorgehen. Medikamente der Wahl sind Opiate als reine Morphinpräparationen (z.B.: Morphin Hydrochlorid), im Falle mütterlicher Polytoxikomanie Phenobarbital. Stillen ist prinzipiell erlaubt und lediglich im Falle einer mütterlichen HIV und Hepatitis C Infektion, sowie bei Kokain- und Amphetaminabusus kontraindiziert. Eine Hepatitis B stellt nicht unbedingt eine Stillkontraindikation dar, alle Neugeborenen substanzabhängiger Mütter werden innerhalb der ersten Lebenswoche aktiv immunisiert. Eine Entlassung in häusliche Pflege erfolgt, sofern das Kind im klinisch internistischen und neurologischen Status unauffällig ist und mindestens 48 Stunden keinen Hinweis auf Entzug bietet.

Quelle: 38. Pädiatrischer Fortbildungskurs Obergurgl, Dr. Klaudia Rohrmeister, Universitätsklinik für Kinder- und
Jugendheilkunde, AKH Wien

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