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30. Juni 2005

Schmerzen der Kinder

Die Schmerzempfindung und das Erlebnis kann auch bei Kindern anhand von ihrem Benehmen und Verhalten abgelesen werden. Für die Schmerzintensität gibt es auch eine Kinderskala. Für länger andauernde und starke Schmerzen ist auch bei Kindern eine Opiatverordnung indiziert. Denn der analgetische Stufenplan für Erwachsene ist auch bei Kindern umsetzbar.

„Erst in den letzten Jahren hat sich herausgestellt, wie früh bei Kindern eine Schmerzempfindung und ein Schmerzerlebnis einsetzen. Die Nozizeption setzt in der 20. bis 22. Schwangerschaftswoche (SSW) ein. Das reale Schmerzerlebnis im Rahmen einer kortikalen Verarbeitung findet ab der 24. SSW statt. „Zusätzlich ist bei Frühgeburten und Neugeborenen das Schmerzhemmsystem deutlich schlechter als das nozizeptive System ausgebildet“, erklärte Dr. Brigitte Keck, St. Anna Kinderspital Wien.

Veränderte Vitalparameter

Das subjektive Schmerzerleben kann anhand von Klagen und Stöhnen, Mimik, Gestik und Körperhaltung sowie an der Aktivierung des autonomen Nervensystems beobachtet und gemessen werden. „Charakteristisch ist auch das Schwitzen an den Handflächen“ so Keck. Veränderungen der Vitalparameter wie die Atem- und Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung können unabhängig von Schmerzempfindungen auch durch Angst, Fieber, Hypoxie oder Hypovolämie bedingt sein, selbiges gilt auch für hormonelle sowie biochemische Parameter wie zum Beispiel die Glukokortikoide, Katecholamine, Insulin und Laktat.
Bei einer Therapie mit Analgetika kann es zu einer Maskierung von Symptomen, sowie Nebenwirkungen wie Atemdepression und anderen Komplikationen kommen. Eine Unterdosierung führt jedoch neben dem reduzierten Weiterbestehen der beschriebenen Symptomatik als Langzeitfolge zu Veränderungen in Psyche und Verhaltensweise.

Schmerzintenstät erheben

Zur Erhebung der Schmerzintensität beim jungen Patienten kann dem Kind ab dem vierten Lebensjahr eine visuelle Schmerskala mit lachenden, ernsten oder weinenden Gesichtern vorgelegt werden. Eine andere Möglichkeit ist die genaue Beobachtung des Kindes mittels der Kindlichen Unbehagens- und Schmerz-Skala, oder auch KUSS genannt. Zu beachten ist auch, dass die Schmerzen auch durch diagnostische Verfahren wie beispielsweise Punktionen, Stanzen, Biopsien und durch eine Vielzahl therapeutischer Eingriffe hervorgerufen werden können. Vor Beginn dieser Aktionen kann die Hautsensibilität durch lokalanästhesierende Cremen herabgesetzt werden.

Analgetischer Stufenplan

Der für Erwachsene bekannte analgetische Stufenplan gilt im Prinzip auch für Kinder. Für kurzdauernde Eingriffe ist eine Bedarfsmedikation mit Medikamenten möglich. Bei länger dauernden und starken Schmerzen müssen aber Opiate rechtzeitig beginnend und einschleichend verordnet und in konstanten Intervallen verabreicht werden. Die Dosissteuerung kann in vielen Fällen patientenorientiert sein, das Kind darf „mitreden“. Nicht verwendet werden sollten Acetylsalicylsäurepräparate wegen der Gefahr des hepatotoxischen Reye-Syndroms und Phenacetin wegen der Nephrotoxizität. Nebenwirkungen wie Obstipation, Übelkeit, Verwirrtheit oder Pruritus können durch adjuvante Therapieformen bekämpft werden.
Gegen Obstipation helfen Laktulose oder Na-Picosulfat, gegen Erbrechen helfen Metoclopramid, Levomepromazid oder Ondasetron. Zur Gastroprotektion gibt es Antacida, H-2-Blocker oder Protonenpumpenhemmer, gegen Juckreiz helfen Antihistaminika.

Physikalische Therapien

Neben der pharmakologischen Schmerzkontrolle gibt es eine Palette von physikalischen Therapien wie Massagen, Applikation von Wärme oder Kälte, Akupunktur oder transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) sowie erlernbare Verhaltens- und Mentaltechniken. Durch ein flexibles Team und individuelle Therapieangebote sollen unter Miteinbeziehen von Bezugspersonen eine möglichst hohe Lebensqualität und ein Gefühl der Geborgenheit erreicht werden, das Kind soll möglichst viel Zeit zuhause verbringen können.
Ist die Erkrankung unheilbar, muss der Zustand unter Berücksichtigung von Alter, Verarbeitungsmöglichkeiten und persönlichem Ängstlichkeitsmuster besprochen werden, um eine Akzeptanz der Finalphase zu ermöglichen.

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