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30. Juni 2005

Traumazentrum für Kinder im SMZ-Ost

Im Wiener Donauspital entstand innerhalb des letzten Jahrzehntes eine moderne Kinderintensivstation, die menschlich, fachlich und apparativ den höchsten Anforderungen gerecht wird.

Die Kinderintensivstation im Wiener Donauspital, SMZ Ost, die organisatorisch zur Abteilung für Kinderchirurgie gehört, entwickelte sich durch die engagierte Arbeit von Prof. Dr. Alexander Rokitansky, OA Dr. Christian Scheibenpflug und Dr. Peter Voitl sowie Mitarbeitern aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich innerhalb der vergangenen zehn Jahre zu einer der größten Kinderintensivstationen Österreichs. Anästhesisten und Kinderärzte sorgen gemeinsam für ein möglichst breites Leistungsangebot. Dr. Christian Scheibenpflug erzählt im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE über die schwierige Aufbauphase, das aktuelle umfangreiche Leistungsspektrum und bedeutende Zukunftspläne.

Welche Patienten werden auf der Kinderintensivstation im Wiener Donauspital betreut?

Scheibenpflug: Unsere Kinderintensivstation verfügt über acht Intensivbetten und ein Überwachungsbett. Damit können wir im Jahr durchschnittlich 400 Patienten versorgen, von der Frühgeburt mit rund 500 g Körpergewicht bis zum 20jährigen Erwachsenen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist eine große technische Ausstattung notwendig. Zu den häufigsten Aufnahmen zählen postoperative Patienten, die intensivpflichtig werden. Das medizinische Spektrum umfasst die Neugeborenen-Chirurgie, die Thoraxchirurgie und die Chirurgie der schweren Missbildungen. Ein wichtiges und großes Patientengut stellt das schwer verletzte und das schwer verbrannte Kind dar. Auf unsere Station kommen auch alle pädiatrischen Notfälle.

Welche diagnostischen und therapeutischen Optionen bietet diese Kinderintensivstation?

Scheibenpflug: Die Kinderintensivstation im SMZ Ost, das vor kurzem seinen zehnten Geburtstag feierte, ist eine junge Station, welche die Aufbauphase nunmehr abgeschlossen hat. Nach dem Eintritt in eine gewisse Routinephase kann nun auch die wissenschaftliche Arbeit an Bedeutung gewinnen. Zum Team unserer Kinderintensivstation gehören 27 Schwestern und Pfleger sowie sieben Ärzte. Wir können hier alle intensivmedizinischen Methoden am neuesten Stand der Technik anwenden, zum Beispiel Nierenersatztherapie bis in das Neugeborenenalter und einem Körpergewicht von 1,5 bis 2 kg, extrakorporale Zirkulation, Membranoxygenierung bei schweren Pneumonien, alle Formen der Beatmungstherapie einschließlich oszillativer und perkussiver Hochfrequenzbeatmung sowie modernstes hämodynamisches Monitoring. Bei Kindern hat sich die Verwendung des Pulmonaliskatheters nie durchgesetzt. Seit einigen Jahren bleibt der Pulmonaliskatheter auch im Erwachsenenalter nur noch speziellen Indikationen vorbehalten. Wir verwenden deshalb für die hämodynamische Überwachung das neue PiCCO-System mit kontinuierlicher Pulskonturanalyse. PiCCO steht dabei für Pulskontur Cardiac Output.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Rettungsorganisationen?

Scheibenpflug: Wir stehen in enger Verbindung mit den Rettungsorganisationen, speziell mit der Wiener Rettung. Dabei gibt es einen direkten Kontakt zwischen den präklinischen Helfern vor Ort und uns. Wir können so frühzeitig informiert werden, wenn am Unfallort ein schwer verletztes oder schwer verbranntes Kind versorgt wird. Das Kind wird über uns und über den Schockraum avisiert. Die Versorgung eines pädiatrischen Patienten ist immer eine sehr schwierige und aufwändige Angelegenheit für den Notarzt. Um das präklinische Versorgungsniveau zu verbessern, führen wir viele Fortbildungsveranstaltungen für die Rettungsorganisationen durch. Notärzte und Notfallsanitäter können bei uns auf der Station jederzeit für einige Zeit mitarbeiten und so praktische Erfahrung sammeln. In Wien kann der Erfolg unserer Fortbildungskurse an der stark steigenden Qualität der präklinischen Versorgung kindlicher Unfallopfer deutlich erkannt werden.

Was unterscheidet die Kinderintensivmedizin von der Intensivmedizin für erwachsene Patienten?

Scheibenpflug: Die Kinderintensivmedizin ist ein noch unklar definierter, hochspezifischer und hochspezieller Teilbereich der Intensivmedizin, denn Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Kinder weisen ganz besondere anatomische, physiologische und pathophysiologische Voraussetzungen auf, die man kennen und mit denen man arbeiten muss. Es gibt jedoch keine Ausbildungsordnung und keinen Facharzt für Kinderintensivmedizin. Das wissenschaftliche Niveau der Kinderintensivmedizin ist aufgrund der geringen Fallzahlen niedriger als in der Erwachsenen-Intensivmedizin. Es wäre zu wünschen, dass in Zukunft die Kinderintensivmedizin generell besser organisiert wird.

Traumazentrum für Kinder,
Kinderintensivstation Donauspital – SMZ Ost
Vorstand: Prof. Dr. Alexander Rokitansky
Oberschwester: Berta Müllner,
Leitende Ärzte: OA Dr. Christian Scheibenpflug, Dr. Peter Voitl,
Stationsschwester: V. Breth

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