zur Navigation zum Inhalt
 
30. Juni 2005

"Hilfe, da ist ein Gespenst unterm Bett!"

Unheimliche Verfolger, Untiere oder Geister sind für viele Kinder gelegentlich Ursache für einen gestörten Schlaf. So berichten etwa 70 Prozent der jungen Erwachsenen, in ihrer Kindheit einmal Alpträume erlebt zu haben. Etwa fünf Prozent aller Kinder leiden aber so sehr unter den nächtlichen Schreckensbildern, dass sie therapeutische Hilfe brauchen.

Schlafstörungen durch Alpträume

Nach Angaben von Dr. Michael Schredl vom Schlaflabor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim sind Alpträume die häufigste Ursache für Schlafstörungen bei Kindern. Deutlich seltener raubten andere Angstphänomene wie Pavor nocturnus (nächtliche Angstzustände) oder posttraumatische Wiederholungen den Schlaf. Wenn Kinder schildern, was ihnen im Traum Angst macht, dann sind zu 50 Prozent Verfolgungen das Thema - meist durch fremde Männer, aber auch durch Tiere oder Phantasiefiguren. Angst um nahestehende Personen machen 20 Prozent der Traumthemen aus, Fallen und Krieg oder Katastrophen je zehn Prozent und Prüfungen weniger als fünf Prozent.

Dass manche Kinder häufiger Alpträume haben, kann unter anderem durch eine genetische oder charakterliche Veranlagung bedingt sein, wie in Untersuchungen festgestellt worden ist. Aber auch Stress etwa in Schule und Familie sei ein wichtiger Auslöser, sagte Schredl. Eine dritte wesentliche Ursache seien traumatische Erlebnisse wie sexueller Missbrauch, Kriegserlebnisse oder Katastrophen.

"Es ist dann vor allem wichtig, sich mit der Angst konkret auseinanderzusetzen und sie nicht zu verdrängen nach dem Motto: Das ist doch alles gar nicht schlimm. Es ist nur ein Traum", rät der Diplom-Psychologe. Denn würden Alpträume nicht ernst genug genommen, könnten sich später womöglich Depressionen und Angsterkrankungen entwickeln.

Ab wann behandelt werden muss

Eine ärztliche Behandlung ist nach Aussagen von Schredl sinnvoll, wenn die Alpträume einmal pro Woche oder häufiger auftreten, das Kind Angst vor dem Einschlafen entwickelt und sich nicht beruhigen lässt, das Kind deutlich unter den Träumen leidet.

In Anlehnung an die Therapie von Angststörungen bei Erwachsenen habe sich bei Kindern eine Art Maltherapie bewährt mit dem Ziel: konfrontieren und bewältigen.

Anstatt die Angstsituationen niederzuschreiben und die Geschichte dann mit einem neuen guten Ende fertigzustellen wie in der Erwachsenentherapie, malen Kinder ihre Träume auf. Sie werden dann angehalten, sich zu überlegen, was ihnen helfen könnte und das in die Zeichnung zu integrieren. "Natürlich sollten erst aktuelle Alptraum-Auslöser wie stressige Familiensituationen ausgeräumt werden. Oft ist es aber so, dass der Auslöser gar nicht mehr vorhanden ist, aber die Angst sich im Traum stabilisiert", schildert Schredl seine Erfahrung.

Den Erfolg der "Maltherapie", die am ZI in Mannheim zunächst in einem regionalen Pilot-Projekt erprobt worden ist, beurteilt der Psychologe als sehr gut. Auch nach den Berichten von anderen Ärzten, die das Verfahren probiert hätten, betrage die "Erfolgsquote fast 100 Prozent".

Da das Prinzip der Behandlung eigentlich recht einfach sei, kann sich Schredl auch vorstellen, dass Hausärzte zusammen mit den Eltern diese Idee bei Kindern mit Alpträumen umsetzen. "Dabei sollten die Kinder ermutigt werden, sich mit ihrer eigenen Phantasiekraft mit den Ängsten auseinanderzusetzen."

ÄZ/RUTH NEY, Ärzte Woche 10/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben