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12. Juli 2005

Betreubares Wohnen mit Qualität

Betreubares Wohnen, ein Modell aus Baden-Württemberg: Menschen, die so leben, stehen - im Gegensatz zum "Betreuten Wohnen" - nicht ständig "unter Aufsicht", haben aber jederzeit die Möglichkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der zentrale Grundsatz des Betreubaren Wohnens lautet: "So viel Freiheit wie möglich, so viel Hilfe wie nötig." Erfahrungen von BewohnerInnen, die in dieser Form des Wohnens leben, und wissenschaftliche Untersuchungen in diesem Bereich haben gezeigt, dass diese Menschen länger mobil und fit bleiben, da das möglichst eigenständige Management des Alltags ein großer Aktivierungsfaktor ist. Auch ist die Zufriedenheit dieser Menschen deutlich höher, da individuelle Bedürfnisse eine viel stärkere Berücksichtigung finden können bzw. oft von den Menschen selbst gestillt werden können. Eine Betreuung in stationären Pflegeeinrichtungen ist für diese Menschen wenn, dann oft nur kurzzeitig nötig, bzw. ist eine Übersiedlung in eine solche Einrichtung erst viel später oder gar nicht angezeigt.

Innovativer Ansat in Oberösterreich

Die Caritas der Diözese Linz hat ein besonderes Modell des Betreubaren Wohnens entwickelt. Gesichert sind nicht nur die räumlichen und baulichen Voraussetzungen, die Hausleitungen helfen den älteren Menschen auch bei der Übersiedlung, sind als ständige Ansprechpartner und -partnerinnen vor Ort und knüpfen ein soziales Netz für die Menschen, die in diesem Bereich leben. Es reicht nicht, altengerechte Wohnungen zu günstigen Mieten anzubieten - es bedarf eben auch einer geeigneten Infrastruktur.

Behindertengerecht alleine reicht nicht aus

Dr. Heinz Schiller ist als Arzt für Allgemeinmedizin auch im örtlichen Alters- und Pflegeheim tätig, an das Betreute Wohnungen angeschlossen sind."Gerade bei uns in Oberösterreich nehmen einige Bürgermeister diese Form als Möglichkeit wahr, zu üppigen Zuschüssen zum Gemeindebudget zu kommen - viel zu wenig geachtet wird oft darauf, dass es sicher nicht ausreicht, einfach behindertengerechte Wohnungen zu errichten." Auch wenn eine Krankenschwester einmal am Tag für eine halbe Stunde vorbeischaue, sei dies viel zu wenig. Schiller unterstreicht, dass "die Versorgung im Krankheitsfall rund um die Uhr gewährleistet sein muss". Hier reicht es auch auf keinen Fall aus, sich einfach auf den örtlichen Gemeindearzt zu verlassen, es braucht eben eine Begleitung durch HausleiterInnen, die auch das Netzwerk an sozialer und medizinischer Versorgung für den Bedarfsfall knüpfen und am Laufen halten.

Es geht um die Anwesenheit vor Ort

"Die Bewohner sind eigentlich Patienten wie alle anderen auch - viele können selbständig in die Ordination kommen", so Schiller. Und im Krankheitsfall gehe es vor allem um eine Anwesenheit vor Ort, mehrere Hausbesuche pro Tag - das kann ein Hausarzt auf Dauer sicher nicht leisten. Auch Schiller erlebt es so, dass Menschen im Betreubaren Wohnen eigenständiger sind, dass die gesteigerte Lebensqualität auch zur Gesundheit und zum allgemeinen Wohlbefinden beiträgt."Aber diese Menschen haben ja einen Grund, warum sie die eigenen vier Wände verlassen - sie gehen an einen Ort, wo sie sich auf eine Betreuung im Bedarfsfall in medizinischer und sozialer Hinsicht verlassen können." Betreubares Wohnen könnte aus der Sicht Schillers auch von Alters- und Pflegeheimen angeboten werden. "Ich halte es für den falschen Ansatz zu sagen, dass dort ausschließlich Menschen mit sehr hohem Pflegebedarf leben."

Flexibel im Angebot für die Bewohner

Sowohl Heime als auch Betreubare Wohnungen könnten verschiedene flexible, auf spezifische Lebenssituationen älterer Menschen abgestimmte Angebote setzen: von Tageseinrichtungen über Freizeit- und Bildungsangebote für ältere Menschen, Beratung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen bis hin zu Urlaubsreisen, nicht nur mit HeimbewohnerInnen. Es reicht nicht aus, einfach jede Menge Altenheime zu bauen und verschiedene Formen Betreubaren Wohnens zu fördern - nötig wäre ein flexibles Vorgehen, das den älteren Menschen in seiner aktuellen Lebenssituation tatsächlich ernst nimmt.

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