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12. Juli 2005

Verhütungsinitiative will Wissenslücken schließen

Die neu gegründete Österreichische Verhütungsinitiative (ÖVI) versteht das Thema Sexualität und Verhütung als interdisziplinäres Anliegen. In die geplanten Aktivitäten sollen daher weit gefächerte Berufsgruppen eingebunden werden.

Spätestens seit der Erfindung der Pille sind Sexualität und Kindersegen nicht mehr gekoppelt. Paare mit Kinderwunsch können den Zeitpunkt der Geburt ihrer Wunschkinder frei bestimmen. Vorausgesetzt, sie nutzen eine der Möglichkeiten der modernen Verhütung: Die Palette ist groß. Gerade in den letzten Jahren hat sie sich um einige Varianten erweitert, die es nun jeder Frau ermöglichen sollten, die für sie passende zu wählen. Aber geschieht das auch? Bei weitem nicht in allen Fällen, wie ein aktuelle Umfrage zeigt:

Viele verwenden keine sichere Verhütung

Zwar erachten fast alle Frauen eine sichere Verhütung als Grundvoraussetzung für eine unbeschwerte Sexualität, aber ein nicht unbeträchtlicher Teil der Paare verwendet keine sichere Verhütung, manche verhüten überhaupt nicht. Interessant auch die Einstellung zur Frage, wer sich um die Verhütung kümmern sollte: Der überwiegende Teil der Männer und Frauen meint zwar, die Entscheidung über das Verhütungsmittel sollte gemeinsam getroffen werden, die Realität sieht aber anders aus. Nur in zirka der Hälfte der Fälle wird eine konsensuelle Entscheidung darüber gefällt.

Und wie wird damit umgegangen, wenn die Sicherheit der Verhütungsmethode einmal infrage steht?
Nicht immer verantwortungsbewusst. Zwei Drittel der Frauen haben nach eigenen Angaben mindestens einmal schon auf die Einnahme der Pille länger als 12 Stunden vergessen. Nur die Hälfte davon hat aber auch die entsprechenden Konsequenzen gezogen. Der Verhütungsschutz der Pille ist beispielsweise nach Durchfall oder Erbrechen nicht mehr zuverlässig gegeben, ein Drittel der Frauen in Österreich kennt diese unsichere Situation.

Österreichische Verhütungsinitiative informiert

Zwei Drittel der Frauen wünschen sich mehr Informationen über Verhütungsmittel in den Medien. Die neu gegründete Österreichische Verhütungsinitiative (ÖVI) will in den nächsten Monaten Bewusstsein schaffen und Wissenslücken schließen.

Ihre Ziele sind:

  • Information der Öffentlichkeit zum Thema Verhütung
  • Verbesserung des Wissens zu den verfügbaren Verhütungsmethoden
  • Enttabuisierung des Themas Sexualität und Verhütung
  • Verbesserung der Kommunikation in der Öffentlichkeit und zwischen den Partnern zur Sexualität und Verhütung
  • Verstärkte Einbeziehung von Männern zu Verhütungs-Fragen
  • Unterstützung von MultiplikatorInnen bei der Vermittlung von Wissen zum Thema Sexualität und Verhütung (ÄrztInnen, LehrerInnen, JugendberaterInnen, Hebammen, NGOs) Zur Erreichung der Ziele werden durchaus auch unkonventionelle Wege beschritten. Information soll nicht nur durch Plakate und Folder in Schulen und Ordinationen und durch Unterstützung von sozialpädagogischen Projekten verbreitet werden.

Zielgruppengerechte Information

Geplant ist auch die Kooperation mit Diskotheken unter Einbindung von geschultem Personal. Zielgruppen sind aber auch junge Mütter bzw. Eltern, die in speziellen Projektspitälern im Rahmen eines Entlassungsgespräches durch Hebammen Wissenswertes zum Thema postnatale Verhütung erfahren. Die Vertreter der Österreichischen Verhütungsinitiative, ein loser Zusammenschluss von Vereinen, Organisationen und ExpertInnen, kennen alle Aspekte der Problematik. Sexualität und Verhütung wird als interdisziplinäres Anliegen verstanden. Daher werden neben GynäkologInnen auch SexualtherapeutInnen, SexualpädagogInnen, LehrerInnen und SchulärztInnen in die Aktivitäten eingebunden.

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