zur Navigation zum Inhalt
 
30. Juni 2005

Systemische Therapiemöglichkeiten der Osteoarthritis

Die Prävalenz der Osteoarthritis (OA) nimmt deutlich zu und wird sich in den nächsten beiden Jahrzehnten verdoppeln. OA ist die häufigste Form der Arthritis und die zweithäufigste Ursache für Langzeit-Invalidität im Erwachsenenalter. 70 Prozent der Menschen über 65 Jahre klagen über OA-Beschwerden. 46 Prozent dieser Patienten sind aufgrund dieser Erkrankung körperlich schwer behindert.

Dr. Maxime Dougados, Universität Rene Descartes, Hopital Cochin, Paris, fasst für das American Collge of Rheumatology die systemischen Therapiekonzepte zusammen: "In der Pathogenese der OA spielen biomechanische Faktoren eine bedeutende Rolle. Risikofaktoren für die Entwicklung einer OA sind Alter, Übergewicht, Abnützung, Traumata, Rasse und Geschlecht. Neben der intraartikulären Injektion von Hyaluronat-Natrium und Glukokortikoiden stellt die systemische Behandlung eine wichtige Säule der OA-Behandlung dar."

Komplexe Zusammensetzung des Knorpels

Der Gelenksknorpel enthält Wasser, Proteoglykane und Kollagen. Typ II-Kollagen ist dabei ein Hauptbestandteil des Knorpels und trägt entscheidend zu dessen struktureller Integrität bei. Entzündungsmediatoren wie IL-1 und TNF-alpha finden sich im geschädigten Knorpel in höheren Konzentrationen. Matrix-Metalloproteinasen sowie Prostaglandine kommen vermehrt in der Synovialflüssigkeit und in Chondrozyten vor. Metalloproteinasen, Kollagenasen, Gelatinasen und Stomolysine bauen im Rahmen von Entzündungsprozessen Kollagen und Proteoglykane ab. Gleichzeitig steigt die NO-Produktion und die Apoptoserate der Chondrozyten. Diese Zerstörung des Gelenksknorpels und die Veränderungen in der Mechanik der betroffenen Gelenke prolongieren den arthritischen Zerstörungsprozess.

Die Entzündung geht dabei als Chondritis vom Knorpelgewebe aus, als Synovitis von der Synovialmembran und als Osteitis vom knorpelnahen Knochen. IL-1 und IL-6 stimulieren die Chondrozyten zur Synthese von Prostaglandinen, welche die Chondritis auslösen. Die Entzündung im Knorpel breitet sich bald auf den benachbarten Knochen aus, radiologisch erkennbar als Sklerose und subchondrale Zystenbildung. In den meisten Fällen ist die OA auch mit einer Synovitis vergesellschaftet. Das Ausmaß der Entzündung bestimmt das therapeutische Ansprechen auf nicht-steroidale antiinflammatorische Medikamente (NSAID).

Destruktive Prozesse hintanhalten

Die Ziele der OA-Therapie sind laut Dougados in erster Linie Schmerzkontrolle, Entzündungshemmung sowie Verzögerung der Zerstörung des Gelenksknorpels. Der behandelnde Arzt sollte zusätzlich sein Augenmerk auf eine Verbesserung der mechanischen Funktion legen, um den Grad der Invalidität zu reduzieren. Da Knorpelgewebe nicht innerviert ist, kommt der Schmerz von den benachbarten Strukturen innerhalb und nahe der Gelenkskapsel.

Die internationale Datenlage über die medikamentöse Prävention der OA ist mangelhaft. Es gibt jedoch Hinweise auf einen gewissen Nutzen von Östrogen bei postmenopausalen Frauen und von Vitamin D. NSAIDs können die typischen OA-Beschwerden innerhalb weniger Stunden oder Tage deutlich verbessern. Hinsichtlich Nacht- und Ruheschmerzen sind NSAIDs effektiver als Acetaminophen. In der LINK-Studie erwies sich bezüglich der radiologischen Veränderungen bei OA des Knies laut Dougados Naproxen als vorteilhafter gegenüber Indomethacin - verglichen mit einer früheren Studie.

Therapiemodifikationen häufig notwendig

In der Praxis werden bei Arthritis oft NSAIDs verschrieben. Aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen müssen diese Therapieregime allerdings immer wieder modifiziert oder abgesetzt werden. Bei mehr als zehn Prozent der Patienten kommt es unter einer NSAID-Behandlung zu dyspeptischen Beschwerden und reversibler Plättchenhemmung, bei eins bis zehn Prozent der Patienten sogar zu gastrointestinalen Blutungen und Ulzerationen.

In Anbetracht dieses Risikos bieten COX-2-Inhibitoren eine vergleichbare Wirksamkeit bei besserer Verträglichkeit. Da COX-2-Inhibitoren nur an das COX-2-Isoenzym andocken, blockieren diese Substanzen spezifisch die Umwandlung der Arachidonsäure in Prostaglandine wie PG-E2, die für Schmerz, Fieber und Entzündung verantwortlich sind. Die schützenden Prostaglandine werden durch die hochspezifischen COX-2-Inhibitoren im Gegensatz zu NSAIDs nicht gehemmt.

In einer großangelegten Studie erwies sich der selektive COX-2-Hemmer Celecoxib bei OA als ebenso effektiv wie zweimal täglich 500 mg Naproxen. Die Ulkusrate unter Celecoxib betrug weniger als vier Prozent. Die Ulkusrate unter Diclofenac lag innerhalb von 24 Wochen bei fast 15 Prozent. In einer weiteren kontrollierten Studie kam es unter Rofecoxib zu ähnlichen Verbesserungen der OA-Beschwerden wie unter Ibuprofen. Bei der Verwendung des COX-2-Inhibitors kam es seltener als in der NSAID-Gruppe zu gastrointestinalen Ulzerationen. Rofecoxib zeigte keinen Einfluss auf Thrombozyten und Gerinnung. Weitere Vergleichsstudien und Daten zur Langzeitsicherheit werden aber noch benötigt.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben