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30. Juni 2005

Kopfschmerz als Leitsymptom

Unter dem Leitsymptom "Kopfschmerz" können sich viele verschiedene Krankheitsbilder verbergen: 13 kennt die Klassifikation der "International Headache Society?(IHS): Migräne, Spannungs- und Cluster-KS, verschiedene Formen ohne strukturelle Läsion, Folgezustände nach Schädel-Hirn-Traumen oder aber Neuralgien, Kopf- und Gesichtsschmerzen sowie nicht klassifizierbare Formen.
Zur Abklärung gibt es ein obligates Procedere, bei dem die Erhebung einer exakten Anamnese an erster Stelle steht. Es folgt die Feststellung der Vitalparameter und eine orientierende klinisch-neurologische Untersuchung. "Fakultativ können weiterführende fachärztliche Untersuchungen und apparative Diagnostik hinzukommen - oft mehr um den Patienten zu beruhigen", meinte Prof. Dr. Christian Wöber, Universitätsklinik für Neurologie Wien, bei einer Fortbildungsveranstaltung.

Genaue Schmerzanamnese

"Die Anamnese bezieht sich auf die Familien-, Eigen-, Sozial- und Kopfschmerzvorgeschichte, wobei Letztere besonders ausführlich ausfallen muss", so Wöber. Die einschlägigen Fragen umfassen etwa Beginn, Häufigkeit, Dauer, Qualität und Intensität der Schmerzen, ebenso auch Schmerzlokalisation und die wichtige Begleitsymptomatik.
In die klinische Untersuchung einbezogen werden - nach den Vitalparametern - Bewusstseinslage, Orientierung und Meningismus. Wichtig sind auch Visus, Gesichtsfeldbestimmung, Pupillen und Bulbusmotilität, Weite der Lidspalten sowie die mimische Muskulatur (Asymmetrie?). Es folgen Armvorhalte- sowie Finger-Nasen-Versuch, Beurteilung von Sprechen, Sprache und Gangbild.
Die fachärztliche neurologische Begutachtung differenziert vor allem die Erstmanifestation heftiger oder die akute Änderung vorbestehender KS, massiver oder ungewöhnlicher Begleitsymptome oder etwa eines epileptischen Anfalles. Gesucht wird dabei auch nach Hirndruckzeichen, Merkmalen einer neu aufgetretenen (oder Dekompensation einer vorbestehenden) Hypertonie, einem Status febrilis oder positivem Meningismus, neu aufgetretenen Orientierungs- oder Bewusstseinsstörungen.

Die elektive neurologische Begutachtung dient der Sicherung der Diagnose - speziell bei suspektem klinischen Befund - und der Abklärung nicht eindeutig qualifizierbarer Schmerzen. Hier gibt es KEINE Routinediagnostik, sondern nur gezielte Indikationsstellungen! "Bei peitschenartigem bzw. akut aufgetretenem, bisher nicht gekanntem Schmerzcharakter erfolgt die sofortige Überweisung zur Akut-CT. Weitere, nicht so dringliche CT-Indikationen sind geringfügigere neurologische und/oder neuropsychiatrische Defizite sowie progrediente, nicht eindeutig zuordenbaren Schmerzen mit kurzer Anamnese und von markanten Symptomänderungen", so Wöber. Manchmal gehe der Wunsch nach einer CT aber auch vom Patienten aus, der dringend die Abklärung wünscht.
Das Schädelröntgen ist bei der KS-Abklärung obsolet, es wird nur nach Traumen eingesetzt. Nebenhöhlen- und Halswirbelsäulen-Röntgen werden in Spezialfällen angefordert. Die kraniale MRT ist bei Kindern sinnvoller als bei Erwachsenen. MR- und CT-Angiographie sowie Ultraschall der Halsgefäße können vor allem nach dem mittleren Erwachsenenalter zur Aufklärung beitragen. Das Labor gibt Hinweise auf entzündliche Erkrankungen und metabolische Störungen. Lumbalpunktion bei Meningitisverdacht und eventuell intraarterielle Angiographie können zur Befundvervollständigung dienen.

"Magisches?EEG

Das EEG hat für viele Patienten laut Wöber einen nahezu magischen Charakter: "Sie lieben diese Untersuchung!" Durch "Ableitung der Schmerzen" könne ein EEG aber sogar eine therapeutische Wirkung entwickeln, weiß der 
Experte. 
Zu den primären Kopfschmerzformen zählen Migräne, Spannungs- und Cluster- sowie idiopathische Formen. Sie müssen differenziert werden von den bedrohlichen symptomatischen Schmerzen, die bei Subarachnoidal- oder Intrakranialblutungen, bei nicht rupturierten Aneurysmen oder im Rahmen einer hypertensiven Krise entstehen.

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